VCÖ: Durch Tempo 100 statt 130 bessere Luftqualität, weniger Lärm und weniger Spritverbrauch

VCÖ (Wien, 19. November 2014) - Tempo 100 statt 130 nützt sowohl der Umwelt und den Anrainern als auch den Autofahrern. Denn durch die niedrigere Geschwindigkeit sinkt der Spritverbrauch und damit die Spritkosten. Zudem werden weniger klimaschädliche Treibhausgase verursacht. Da auch die gesundheitsschädlichen Stickoxid -Emissionen verringert werden, verbessert sich die Luftqualität. Auch der Verkehrslärm geht hörbar zurück, betont der VCÖ. Dagegen steigt die Verkehrssicherheit. Da bei 100 km/h pro Stunde mehr Fahrzeuge fahren können als bei 130 km/h nimmt auch die Staugefahr ab.

"Die Gesundheit der Menschen, insbesondere der Kinder, ist das höchste Gut. Zahlreiche medizinische Studien zeigen, dass die Stickoxide die Gesundheit schädigen und dass dauerhafter Verkehrslärm krank macht. Deshalb ist die Entscheidung der Tiroler Landesregierung, das Tempolimit auf der Unterinntalautobahn zu senken, zu begrüßen", stellt VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek fest.

Bei Tempo 100 statt 130 km/h sinkt der Spritverbrauch. Für die Umwelt bedeutet das weniger klimaschädliche Treibhausgase. Für die Autofahrerinnen und Autofahrer heißt das, dass sich ihre Spritkosten verringern.

Der VCÖ weist zudem darauf hin, dass sich der Verkehrslärm bei Tempo 100 statt 130 um rund 3 Dezibel reduziert. Drei Dezibel klingt nach wenig, ist aber viel. Eine Verringerung des Lärms um drei Dezibel wirkt so, als würde der Verkehr um die Hälfte zurückgehen. Für die Anrainerinnen und Anrainer eine hörbare Entlastung , betont der VCÖ.

Auch die Verkehrssicherheit steigt durch die Herabsetzung des Tempolimits. Der Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) ist bei 100 km/h deutlich kürzer als bei 130 km/h. Auf trockener Fahrbahn ist der Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) bei 100 km/h 74 Meter, bei 130 km/h jedoch 116 Meter. Nach 74 Metern hat ein Pkw, der 130 km/h fuhr, noch eine Geschwindigkeit von 90 km/h! Ein Aufprall mit dieser Geschwindigkeit endet mit schwersten Verletzungen oder gar tödlich. Bei nasser Fahrbahn beträgt der Anhalteweg bei Tempo 100 rund 87 Meter, bei Tempo 130 hingegen 138 Meter. Nach 87 Meter hat ein Pkw, der 130 km/h fuhr, eine Geschwindigkeit von 99 km/h. "Das entspricht einem Fall aus 39 Meter Höhe", verdeutlicht VCÖ-Expertin Urbanek.

Als Gegenargument wird die verlängerte Fahrzeit genannt. Die Zeitersparnis bei Tempo 130 statt 100 ist aber gering. Bei 20 Kilometer sind es selbst bei optimalen Bedingungen nicht einmal drei Minuten. Im realen Verkehr kann aber nicht konstant 20 Kilometer lang 130 km/h gefahren werden, es kommt immer wieder zu Bremsmanövern und damit zu Verzögerungen, macht der VCÖ aufmerksam. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, kann Tempo 100 statt 130 sogar einen Zeitgewinn bringen. Die Gründe für dieses Paradoxon: Durch die Verringerung des Tempolimits von 130 auf 100 km/h ereignen sich weniger Verkehrsunfälle und damit gibt es weniger Staus. Zum zweiten können auf einer Fahrbahn pro Stunde  bei Tempo 100 mehr Fahrzeuge  fahren als bei Tempo 130, da höhere Geschwindigkeiten auch einen größeren Abstand zwischen den Fahrzeugen bedingen.

"Tempo 100 statt 130 ist eine sehr günstige Maßnahme, die einen mehrfachen Nutzen bringt", fasst VCÖ-Expertin Urbanek zusammen. Darüber hinaus braucht es aber noch weitere Maßnahmen, um die vom Verkehr verursachten Schadstoffbelastungen zu verringern. Vor allem die Abgase der Dieselfahrzeuge bereiten große Probleme. "Dass ausgerechnet Diesel aber niedriger besteuert wird als Benzin, ist absolut unverständlich", stellt VCÖ-Expertin Urbanek fest. Wichtig ist zudem der weitere Ausbau des Öffentlichen Verkehrsnetzes und eine verkehrsparende Raumordnung, betont der VCÖ.

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