VCÖ: Dieselboom in Österreich hält an – Schlecht für Österreichs Luftqualität

VCÖ (Wien, 14. Oktober 2014) – Der Dieselboom in Österreich hält an. Der Dieselboom ist für Österreichs Luftqualität negativ, wie eine aktuelle Studie des europäischen Forschungsinstituts ICCT zeigt. Demnach verursachen neue Diesel-Pkw beim Fahren um ein Vielfaches mehr gesundheitsschädliche Stickoxide als der Grenzwert vorschreibt. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass fast zwei Drittel der neuen Diesel-Pkw auf „juristische Personen“ zugelassen werden. Bei den großen SUV ist der Diesel Anteil mit rund 94 Prozent besonders hoch. Der VCÖ kritisiert, dass in Österreich Diesel niedriger besteuert wird als Benzin.

56,4 Prozent der seit Jahresbeginn in Österreich neuzugelassenen Pkw fahren mit Diesel. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass in Salzburg der Anteil der Diesel-Pkw mit 62,6 Prozent am höchsten ist, gefolgt von Tirol mit 61,7 Prozent. Am niedrigsten ist der Anteil in Wien mit 54,0 Prozent. Der VCÖ weist darauf hin, dass fast zwei Drittel der neuen Diesel-Pkw auf „juristische Personen“ (Unternehmen, Organisationen oder öffentliche Stellen) zugelassen werden.

Der Dieselboom ist für Österreichs Luftqualität unerfreulich. „Wer glaubte, dass mit den neuen Diesel-Pkw die Schadstoffprobleme der Autos gelöst wären, hat sich leider geirrt. So sauber die Werte bei den Messungen im Labor sein mögen, im realen Verkehr werden die Grenzwerte von vielen neuen Diesel-Pkw massiv überschritten“, weist VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek auf die nun veröffentlichte Studie des unabhängigen Forschungsinstituts ICCT (International Council on Clean Transportation)  hin.

15 verschiedene neue Diesel-Pkw Modelle (Abgasnorm EURO 6) wurden getestet: Im Schnitt verursachten sie sieben Mal so hohe Stickoxid-Emissionen wie der Grenzwert vorschreibt. Statt den laut EU-Abgasnorm Euro 6 erlaubten 80 Milligramm je Kilometer wurde die Luft im Schnitt mit 560 Milligramm pro Kilometer verschmutzt. Ein Fahrzeug hat den Grenzwert sogar um das 23,5 fache überschritten. Stickoxide sind ein Reizgas und können Atemwegserkrankungen verursachen. Vor allem für Kinder, die im Wachstum sind, und für ältere Menschen sind Stickoxide sehr gesundheitsschädlich.

Diesel-Abgase enthalten deutlich mehr Stickoxid-Emissionen als die Abgase von Benzin. „Umso unverständlicher ist es, dass in Österreich Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger besteuert wird als Benzin. Dass es auch anders geht, zeigt die Schweiz: Dort wird Diesel höher besteuert als Eurosuper“, spricht sich VCÖ-Expertin Urbanek für die Abschaffung der steuerlichen Begünstigung von Diesel aus.

Die VCÖ-Analyse zeigt, dass die großen SUV den höchsten Anteil von Diesel-Pkw haben: 95 Prozent der neuzugelassenen großen SUV fahren mit Diesel, im Segment der  Oberklasse haben Diesel-Pkw einen Anteil von rund 86 Prozent und bei den kleineren SUV von 76 Prozent. Hingegen fahren nur rund 15 Prozent der Kleinwagen mit Diesel.

Zudem fordert der VCÖ strengere gesetzliche Regelungen, damit die Fahrzeuge nicht nur bei den Messungen im Labor, sondern auch beim Fahren auf der Straße die Grenzwerte einhalten. Die Studie des ICCT zeigt, dass es ein Diesel-Pkw mit SCR-Katalysator schaffte, den Grenzwert beim Fahren einzuhalten. Dieser SCR-Katalysator wurde zuletzt im Passat Blue TDI der Generation B7 eingeführt. „Die technische Lösung für schadstoffarme Diesel-Fahrzeuge gibt es bereits. Es braucht eine gesetzliche Regelung, damit im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung diese Technologie bei allen Fahrzeugen einbaut wird“, betont VCÖ-Expertin Urbanek.

Die ICCT-Studie widerlegt auch jene, die eine höhere Schadstoffbelastung oder einen höheren Spritverbrauch ausschließlich den Autofahrern und ihrer Fahrweise in die Schuhe schieben: Die stark erhöhten Stickoxidwerte wurden weder bei "extremen" noch "untypischen" Fahrsituationen festgestellt.

Link zur ICCT-Studie: http://www.theicct.org/real-world-exhaust-emissions-modern-diesel-cars

 

VCÖ: In Salzburg ist Anteil der Diesel-Pkw am höchsten (Anteil der Diesel-Pkw an den Pkw-Neuzulassungen 1.1.bis 30.9.2014)

Salzburg: 62,6 Prozent

Tirol: 61,7 Prozent

Oberösterreich: 56,1 Prozent

Burgenland: 55,9 Prozent

Steiermark: 55,9 Prozent

Niederösterreich: 55,7 Prozent

Kärnten: 54,9 Prozent

Vorarlberg: 54,5 Prozent

Wien: 54,0 Prozent

Österreich: 56,4 Prozent

Quelle: Datafact, VCÖ 2014

 

VCÖ: Private Haushalte kaufen weniger als die Hälfte der neuen Diesel-Pkw (Anteil Diesel-Pkw an Pkw-Neuzulassungen 1.1.-30.9. 2014 in Österreich)

Neuzugelassene Diesel-Pkw in Österreich: 133.802

Davon auf private Haushalte zugelassen: 37,3 Prozent

Auf „juristische Personen“ zugelassen: 62,7 Prozent

Quelle: Datafact, VCÖ 2014

 

VCÖ: Bei großen SUV ist Diesel-Anteil besonders hoch (Diesel-Anteil nach Fahrzeugsegmenten – Neuzulassungen in Österreich)

Große SUV: 94,1 Prozent

Oberklasse: 85,9 Prozent

SUV (mittlere und kleinere Modelle): 76,1 Prozent

Mittelklasse: 64,0 Prozent

Kleinwagen: 14,8 Prozent

Quelle: Datafact, VCÖ 2014

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