VCÖ: Diesel-Anteil bei Neuwagen im Bezirk Reutte am höchsten, in Jennersdorf und Meidling am niedrigsten

VCÖ (Wien, 25. September 2015) – Laut deutschem Verkehrsministerium sind auch in Europa manipulierte VW-Diesel-Pkw unterwegs. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass es in Österreich beim Kauf von Diesel-Pkw große regionale Unterschiede gibt. Der burgenländische Bezirk Jennersdorf und Wien-Meidling weisen mit rund 45 Prozent den niedrigsten Diesel-Anteil bei Neuwagen auf, der Tiroler Bezirk Reutte mit 79 Prozent den höchsten. Zwei Drittel der Diesel-Pkw sind auf „juristische Personen“ angemeldet.

58 Prozent der heuer in Österreich neuzugelassenen Pkw fahren mit Diesel, zwei Drittel davon wurden auf „juristische Personen“, wie Betriebe, Unternehmen und Behörden angemeldet, nur ein Drittel auf private Haushalte, informiert der VCÖ. Während neun von zehn SUV, Geländewagen sowie Fahrzeugen der Ober- und Mittelklasse mit Diesel fahren, hat bei den Klein- und Stadtautos nur einer von sechs einen Dieselmotor.

Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass der Tiroler Bezirk Reutte den höchsten Dieselanteil bei Neuwagen mit 79 Prozent hat, davon wurden aber neun von zehn auf „juristische Personen“ angemeldet. Ähnlich ist es in der Wiener City: Insgesamt fahren fast drei Viertel der neu zu gelassenen Pkw mit Diesel, nur einer von zehn wurde aber auf einen privaten Haushalt angemeldet.

Am wenigsten betroffen vom Dieselskandal ist der burgenländische Bezirk Jennersdorf sowie Wien-Meidling. Hier sind nur 45 Prozent der Neuwagen Diesel-Pkw. Auch in den Bezirken Braunau am Inn, Gänserndorf und Vöcklabruck ist der Diesel-Pkw Anteil vergleichsweise gering.

Seit dem Jahr 1990 hat sich die Zahl der Diesel-Pkw in Österreich von rund 408.000 auf 2,7 Millionen fast versiebenfacht. Der VCÖ fordert umfassende Konsequenzen aus dem Dieselskandal: "Die Autofahrer müssen sich darauf verlassen können, dass das gekaufte Fahrzeug das hält was die Angaben auf dem Papier versprechen. Das gilt für die Schadstoff-Emissionen ebenso wie für den Spritverbrauch und die Angaben zu den CO2-Emissionen. Erreichbar ist das nur, wenn so wie in den USA auch in Europa die Tests beim tatsächlichen Fahren auf der Straße durchgeführt wird", betont VCÖ-Expertin Rasmussen.d

Der VCÖ weist darauf hin, dass Messungen des Forschungsinstitut ICCT bei 15 neuen Dieselmodellen (Abgasklasse EURO6) die Stickoxid-Werte im Schnitt sieben Mal (!) so hoch waren, wie der Grenzwert im Labor vorschreibt. Die Stickoxide können Atemwegserkrankungen und Lungenschäden verursachen, besonders Kinder und ältere Menschen sind gefährdet.

Weiteres Problem: Auch der tatsächliche Spritverbrauch der Autos ist höher als der Normverbrauch verspricht. „Die Schere geht immer weiter auseinander. Autofahrer erleben deshalb nach dem Autokauf oft eine böse Überraschung, weil sie deutlich mehr Sprit verbrauchen“, macht VCÖ-Expertin Rasmussen aufmerksam. Die Folge: Der tatsächliche Spritverbrauch von Österreichs Dieselflotte ist in den vergangenen 15 Jahren kaum gesunken. Im Jahr 2000 verbrauchten Österreichs Diesel-Pkw laut Daten der Statistik Austria im Schnitt 7,0 Liter pro 100 Kilometer, im Jahr 2012 war der Verbrauch mit 6,8 Liter pro 100 Kilometer kaum niedriger. Und während beim Verbrennen von einem Liter Benzin 2,34 Kilogramm CO2 verursacht werden, sind es beim Verbrennen von einem Liter Diesel 2,66 Kilogramm. Wenn ein Diesel-Pkw um zehn Prozent weniger Sprit verbraucht als ein Benzin-Pkw, dann verursacht dieser trotzdem etwas mehr klimaschädliches CO2 als der Benzin-Pkw.

"Wenn jetzt die richtigen Konsequenzen aus dem Dieselskandal gezogen werden, dann ist das eine große Chance, dass die Autos nicht nur am Papier, sondern auch beim Fahren auf der Straße sauberer und spritsparender werden. So wie der Weinskandal dazu geführt hat, dass Österreich heute international prämierte Spitzenweine produziert, kann der Dieselskandal dazu führen, dass die Umweltbilanz der Autos nachhaltig massiv verbessert wird",  stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

 

VCÖ: Im Bezirk Jennersdorf  und in Meidling ist Diesel-Anteil bei Neuwagen am niedrigsten
(Anteil Diesel-Pkw bei Neuzulassungen 1.1.2015-31.8.2015)

Bezirk Jennersdorf: 44,9 Prozent
Wien-Meidling: 45,0 Prozent
Bezirk Braunau am Inn: 48,1
Bezirk Gänserndorf: 48,2
Bezirk Vöcklabruck: 48,3
Wien-Ottakring: 48,6
Wien-Hernals: 48,8
Bezirk Feldkirchen: 49,7
Bezirk Baden: 49,7
Wien-Josefstadt: 49,7

Quelle: Datafact, VCÖ 2015

 

VCÖ: Im Bezirk Reute ist Anteil der Diesel-Pkw bei Neuwagen am höchsten 
(Anteil Diesel-Pkw bei Neuzulassungen 1.1.2015-31.8.2015, in Klammer neue Diesel-Pkw pro 1.000 Einwohner)

Bezirk Reutte: 79,1 Prozent (56 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)
Wien Innere Stadt: 72,4 Prozent (62 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)
Wien Leopoldstadt: 69,8 Prozent (8 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)
Schwechat: 68,9 Prozent (22 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)
Bezirk Hermagor: 68,8 Prozent (8 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)
Bezirk Landeck: 67,3 Prozent (12 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)
Salzburg Stadt: 66,9 Prozent (39 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)
Bezirk Zwettl: 65,9 Prozent  (13 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)
Bezirk Bludenz: 65,8 Prozent (13 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)
Bezirk Leoben Land: 65,7 Prozent (20 neue Diesel-Pkw / 1.000 Einwohner)

Quelle: Datafact, VCÖ 2015

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