VCÖ: Dem Raserpaket müssen weitere Schritte folgen – zu hohes Tempo verursachte über 500 tödliche Verkehrsunfälle in letzten 5 Jahren

VCÖ: Tempodelikte so wie in anderen Staaten Europas in das Vormerksystem aufnehmen

Foto: Maria Hötzmanseder

VCÖ (Wien, 16. Juni 2021) – Das Raserpaket, das heute von der Bundesregierung beschlossen wird, ist ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen, stellt der VCÖ fest. Der VCÖ weist darauf hin, dass überhöhtes Tempo die Ursache von mehr als 500 tödlichen Verkehrsunfällen seit dem Jahr 2016 war. Die Zahl der Verkehrstoten ist in Österreich im Vergleich zu den sichersten Staaten Europas hoch. Im Unterschied zu anderen Staaten ist in Österreichs Vormerksystem Schnellfahren nicht enthalten und die Tempolimits sind in den sichersten Staaten niedriger als in Österreich.

Das Raserpaket, das von der Bundesregierung heute beschlossen wird, enthält unter anderem höhere Strafen sowie eine längere Dauer des Führerscheinentzugs. „Raser sind eine kleine Minderheit, die jedoch einen extrem großen Schaden anrichten können. Nach dem Raserpaket sind weitere Schritte zu setzen. Denn überhöhtes Tempo ist die Hauptursache der tödlichen Verkehrsunfälle in Österreich“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Der VCÖ weist darauf hin, dass in Österreich allein die Geschwindigkeit die Ursache von 502 tödlichen Verkehrsunfällen seit dem Jahr 2016 war. Obwohl im Vorjahr coronabedingt die Zahl der Verkehrstoten insgesamt um rund 17 Prozent zurückgegangen ist, ist die Zahl der tödlichen Unfälle wegen zu hohem Tempo um elf Prozent auf 103 gestiegen, informiert der VCÖ. Heuer war nach vorläufigen Daten überhöhte Geschwindigkeit bei bereits 29 tödlichen Verkehrsunfällen die Hauptursache.

Die Verharmlosung von zu hohem Tempo ist gefährlich, weil Raser sich dadurch auch noch bestätigt fühlen. Insgesamt ist das Bewusstsein, dass Schnellfahren kein Kavaliersdelikt ist, sondern sowohl die eigene als auch die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer massiv gefährdet, zu schärfen. Während in Österreich das Schnellfahren nicht im Vormerksystem enthalten ist, ist das bei den anderen EU-Staaten mit Vormerkkatalogen sehr wohl der Fall, wie beispielsweise in Deutschland und Frankreich. „Der Vorteil des Vormerksystems ist, dass jene Lenker, die zu schnell fahren frühzeitig erkannt werden und gezielte Bewusstseinsmaßnahmen durch Nachschulung gesetzt werden können“, spricht sich VCÖ-Experte Schwendinger für die Reform des heimischen Vormerksystems aus.

„Es ist ein ganz einfaches physikalisches Gesetz: Mit der Geschwindigkeit verlängert sich der Anhalteweg und damit steigt das Unfallrisiko. Und im Fall eines Unfalls steigt mit der Aufprallgeschwindigkeit die Verletzungsschwere. Es ist daher kein Zufall, dass die verkehrssichersten Staaten Europas niedrigere Tempolimits haben“, erläutert VCÖ-Experte Schwendinger. Während im Schnitt der vergangenen drei Jahren in Österreich jährlich 44 Menschen pro Million Einwohnerinnen und Einwohner im Straßenverkehr getötet wurden, waren es in Norwegen 19, in Schweden 24 und in der Schweiz 25. In allen drei Staaten ist das Tempolimit auf Freilandstraßen und auch auf Autobahnen niedriger als in Österreich.

VCÖ: Über 500 tödliche Verkehrsunfälle wegen Tempo seit dem Jahr 2016 (Anzahl tödliche Verkehrsunfälle wegen nichtangepasster Geschwindigkeit)

1.1.-13.6.2021: 29 tödliche Verkehrsunfälle

Jahr 2020: 103

Jahr 2019: 93

Jahr 2018: 95

Jahr 2017: 85

Jahr 2016: 97

Summe: 502 tödliche Verkehrsunfälle

Quelle: BMI (2021), Statistik Austria, VCÖ 2021

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