VCÖ: CO2-Emissionen des Verkehrs im Vorjahr gestiegen

VCÖ (Wien, 12. Jänner 2016) – Nach einem Rückgang der CO2-Emissionen im Jahr 2014 sind im Vorjahr die klimaschädlichen Emissionen des Verkehrs wieder gestiegen, macht der VCÖ aufmerksam. Im Jahr 2015 wurden in Österreich um rund 150 Millionen Liter mehr Diesel getankt als im Jahr davor. Der VCÖ fordert umfassendere Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrsbereich.

„Die Abnahme der Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs im Jahr 2014 war leider kein anhaltender Trend. Im Vorjahr nahm der Verkehr deutlich zu, es wurde mehr Sprit in Österreich getankt und damit stiegen auch die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs“, macht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen aufmerksam. Die Treibhausgase des Verkehrs werden laut internationalem Abkommen auf Basis der im jeweiligen Land getankten Spritmenge erhoben. Nach vorläufigen Daten ist nach rund 21,9 Millionen Tonnen im Jahr 2014 mit einer Zunahme der Treibhausgas-Emissionen des Verkehr auf rund 22,2 Millionen Tonnen für das Jahr 2015 zu rechnen.

Laut Fachverband der Mineralölindustrie wurden im Vorjahr in Österreich rund 7,6 Milliarden Liter Diesel getankt, um rund 150 Millionen Liter mehr als im Jahr 2014. Damit wurde der Diesel-Höchstwert des Jahres 2013 wieder erreicht. „Der Anstieg des Dieselverbrauchs ist auch aus Gesundheitssicht negativ. Dieselabgase enthalten deutlich mehr gesundheitsschädliche Stickoxide“, erinnert VCÖ-Expertin Rasmussen. Vor allem Stickstoffdioxid kann zu Lungenschäden und Atemwegserkrankungen führen.

In Österreich ist die Stickstoffdioxid-Belastung entlang der Autobahnen in Tirol am höchsten, macht der VCÖ aufmerksam. Für rund 60 Prozent des Dieselverbrauchs ist der Lkw-Verkehr verantwortlich. In den vergangenen Jahren hat der Lkw-Transit in Österreich stark zugenommen. „Auf Autobahnen ist die rechte Fahrspur zur rollenden Lagerhalle geworden. Viele Waren werden quer durch Europa transportiert, was sich deshalb rechnet, weil beim Lkw-Transport die Kostenwahrheit fehlt“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Der Lkw-Verkehr in der EU verursacht so genannte externe Kosten in der Höhe von rund 120 Milliarden Euro pro Jahr. Das sind Schäden, die zwar von Lkw verursacht, aber nicht vom Lkw-Verkehr, sondern von der Allgemeinheit bezahlt werden. Auch deshalb ist die steuerliche Begünstigung von Diesel abzuschaffen.

Der VCÖ fordert eine EU-weite Mindestmaut für Lkw und verstärkte Kontrollen, damit arbeits- und sozialrechtliche Standards sowie Sicherheitsregeln eingehalten werden. Zudem ist der Schienengüterverkehr stärker auszubauen, betriebliche Gleisanschlüsse sind zu forcieren. Auch strengere Regeln für Transporte können helfen, den Transitverkehr zu verringern. Als ein Beispiel nennt der VCÖ die Tiertransporte. Tiere dürfen in der EU bis zu 30 Stunden quer durch Europa transportiert werden. 

Aber auch im Bereich des Personenverkehrs braucht es in Österreich ein umfassendes Klimaschutzpaket, damit die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs verringert werden. „Die Lösungen im Verkehrsbereich brauchen nicht neu erfunden werden, sie gibt es bereits. Es braucht vor allem in den wachsenden Ballungsräumen ein viel dichteres öffentliches Verkehrsnetz mit häufigeren Verbindungen“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen.

Großes Verlagerungspotenzial besteht bei Kurzstrecken: Etwa jede zehnte Autofahrt ist kürzer als ein Kilometer, fast jede zweite kürzer als fünf Kilometer. Durch eine verbesserte Infrastruktur fürs Radfahren und Gehen wird es mehr Menschen ermöglicht, kurze Strecken klimafreundlich zurückzulegen. Viele Emissionen können vermieden werden durch verbesserte Siedlungsstrukturen, durch Betriebsansiedelungen nahe öffentlicher Verkehrsinfrastrukturen und durch die Forcierung der Nahversorgung.

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