VCÖ: CO2-Emissionen des Lkw-Verkehrs seit 1990 mehr als verdoppelt

VCÖ (Wien, 10. Dezember 2014) – Die CO2-Emissionen des Lkw-Verkehrs haben sich in Österreich seit dem Jahr 1990 mehr als verdoppelt, macht der VCÖ aufmerksam. Der VCÖ weist darauf hin, dass auch EU-weit der Lkw-Verkehr in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv zugenommen hat. Der VCÖ fordert ein umfassendes Klimaschutzpaket für einen effizienteren und klimafreundlicheren Gütertransport.

Rund 80,4 Millionen Tonnen Treibhausgase hat Österreich im Jahr 2013 verursacht, der Lkw-Verkehr war davon für rund 9,2 Millionen Tonnen verantwortlich. Der VCÖ weist darauf hin, dass sich die klimaschädlichen CO2-Emissionen des Lkw-Verkehrs seit dem Jahr 1990 mehr als verdoppelt haben. „Heute ist der Lkw-Verkehr etwa für die gleich hohe Treibhausgasmenge verantwortlich wie der gesamte Sektor Raumwärme. Im Jahr 1990 hingegen verursachte das Heizen noch drei Mal so viele Treibhausgase wie der Straßengüterverkehr“, macht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen aufmerksam. Im Jahr 1990 gingen in Österreich rund 4,3 Millionen Tonnen Treibhausgase auf das Konto des Lkw-Verkehrs und 14,4 Millionen Tonnen verursachte das Heizen.

Für einen Teil der Zunahme ist der Kraftstoffexport verantwortlich. Da Diesel in Österreich deutlich billiger ist als in Italien, füllen viele Lkw auf der Fahrt nach Italien ihre Tanks in Österreich voll. In Italien kostet ein Liter Diesel im Schnitt um 31 Cent mehr als in Österreich. In Italien wird Diesel höher besteuert als in Österreich. Auch in der Schweiz kostet Diesel mehr als in Österreich. „In der Schweiz wird Diesel gleich hoch wie Eurosuper besteuert, in Österreich hingegen ist die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper. Die Steuerbegünstigung auf Diesel ist nicht nachvollziehbar, umso mehr als Dieselabgase mehr gesundheitliche Stickoxide enthalten als Benzin“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Aufholbedarf hat Österreich zudem im Bereich von klimafreundlicher City-Logistik. Dazu zählen bei größeren Städten Verteilzentren am Stadtrand und der verstärkte Einsatz vor Elektro-Transportfahrzeugen. Internationale Beispiele zeigen, dass gerade in Städten auch das Potenzial von Lastenfahrrädern für Kleintransporte groß ist.

Der VCÖ sieht auch die EU gefordert, Maßnahmen zur Verringerung des Lkw-Verkehrs zu setzen. Während in den USA die Bahnen eine höhere Transportleistung erbringen als die Lkw (56 Prozent Bahn und 44 Prozent Lkw), ist es in der EU umgekehrt: Lkw haben einen Anteil von 81 Prozent an der Transportleistung, die Bahn 19 Prozent. Zudem ist der Transportaufwand der Lkw in der EU seit dem Jahr 1995 um 31 Prozent auf 1.693 Milliarden Tonnenkilometer im Jahr 2012 gestiegen, in Österreich gab es eine Zunahme um 29 Prozent. Die Schiene legte in der EU seit dem Jahr 1995 um nur rund fünf Prozent auf 407 Milliarden Tonnenkilometer zu, in Österreich gab es immerhin ein Plus von rund 45 Prozent. „Es braucht in der EU mehr Kostenwahrheit beim Lkw-Verkehr. Der Lkw-Verkehr in der EU verursacht laut Studie von CE Delft, INFRAS und Frauenhofer Institut jährlich mehr als hundert Milliarden Euro an so genannten externen Kosten. Das sind unter anderem Umwelt- und Gesundheitsschäden, die vom Lkw-Verkehr verursacht aber nicht bezahlt werden“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen eine EU-weite Mindestmaut für Lkw. Zudem ist das transeuropäische Schienennetz auszubauen und zu modernisieren.

Auch braucht es in der EU für den Gütertransport strengere Regelungen. So werden derzeit beispielsweise Tiere in der EU bis zu 30 Stunden lebend transportiert, durch eine Beschränkung auf acht Stunden können qualvolle Tiertransporte quer durch Europa verhindert werden, betont der VCÖ.

Als Konsument kann man durch den Kauf regionaler Produkte einen Beitrag zur Verringerung des Lkw-Transits leisten. „Leider gibt es derzeit kein Transportgütesiegel. Weder erfahren die Konsumentinnen und Konsumenten, wie viele Kilometer das Produkt bereits zurückgelegt hat, noch gibt es die Information, ob das Produkt mit dem Flugzeug, mit dem Schiff, mit der Bahn oder mit Lkw transportiert wurde“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

 

VCÖ: Treibhausgas-Emissionen des Lkw-Verkehrs stark gestiegen (Vom Straßengüterverkehr verursachte Treibhausgas-Emissionen in Österreich)

Jahr 2013 (Abschätzung): 9,2 Millionen Tonnen

Jahr 2012: 9,145 Millionen Tonnen

Jahr 2011: 8,998 Millionen Tonnen

Jahr 2010: 9,222 Millionen Tonnen

Jahr 2009: 8,280 Millionen Tonnen

Jahr 2008: 9,205  Millionen Tonnen

Jahr 2007: 9,816  Millionen Tonnen

Jahr 1990: 4,308 Millionen Tonnen

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2014

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