VCÖ: City-Maut kann Salzburger Verkehrsprobleme deutlich verringern

VCÖ (Wien, 25. November 2013) – Die massiven Verkehrsprobleme im Raum Salzburg können mit einer City-Maut spürbar verringert werden, betont der VCÖ. Die täglichen Staus und die Überschreitung der Schadstoff-Grenzwerte machen ein Handeln nötig. Zudem wird die Stadt Salzburg und ihre Umgebung im Jahr 2030 um rund 20.000 Einwohner mehr haben als heute.  Die City-Maut verringert Staus, führt zur verstärkten Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und verbessert damit die Luftqualität. Zudem ermöglichen die Einnahmen aus einer City-Maut den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs.

„Überall dort, wo eine City-Maut eingeführt wurde, hat sie sich bewährt“, verweist VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer auf die positiven internationalen Erfahrungen. Für Stockholm, wo seit dem Jahr 2006 eine City-Maut gilt, liegt ein umfassender Evaluierungsbericht vor. Dieser zeigt, dass in Stockholm der Kfz-Verkehr um 20 Prozent zurückgegangen ist, die Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen konnten um 10 bis 15 Prozent reduziert werden. Da der Verkehr flüssiger wurde, verringerten sich die Staukosten um umgerechnet rund 62,5 Millionen Euro pro Jahr, die durch den Kfz-Verkehr verursachten Gesundheits-, Umwelt- und Unfallkosten sind um 22,5 Millionen Euro pro Jahr gesunken. Gleichzeitig nimmt die Stadt Stockholm abzüglich der Betriebskosten jährlich rund 36 Millionen Euro ein. „Mit diesem Geld kann der Öffentliche Verkehr ausgebaut und verbessert werden“, macht VCÖ-Experte Gansterer aufmerksam. Die Erfolge der City-Maut haben die Bevölkerung überzeugt: Während vor der Einführung im Jahr 2005 nur 34 Prozent für die City-Maut waren, befürworteten im Jahr 2011 bereits 74 Prozent der Bevölkerung die City-Maut. Eine City-Maut gibt es unter anderem auch in London, Trondheim, Göteborg und Mailand.

Der VCÖ schlägt für Salzburg nach Stockholmer Vorbild ein tageszeitlich gestaffeltes Modell vor. Zu den Stoßzeiten soll die City-Maut höher sein als zu den verkehrsschwachen Zeiten. Zudem sollen die Tarife nach Schadstoffklassen gestaffelt werden. Fahrzeuge, die die Luft besonders stark verschmutzen, sollen mehr bezahlen. Die Einnahmen sollen für den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und der Radfahrinfrastruktur zweck gewidmet werden, damit den Menschen bessere Alternativen zum Auto zur Verfügung stehen. Für Salzburg ist zudem wichtig, dass die Mautzone auch das Einkaufszentrum Europark umfasst. Ausnahmeregelungen garantieren, dass jene, die etwa aufgrund einer Behinderung auf ein Auto angewiesen sind, nichts bezahlen.

Der City-Maut wird unterstellt, sie hätte keinen Lenkungseffekt, wäre unsozial und würde der Wirtschaft schaden. Die Realität der bestehenden City-Maut Städte zeigt, dass diese Ängste unbegründet sind: Die City-Maut verringert die Staus, die Autofahrer kommen schneller ans Ziel und es kann mit den Einnahmen der Öffentliche Verkehr massiv ausgebaut werden, wovon Wenigverdienende besonders profitieren. In London sind die Umsätze des Einzelhandels in der City-Mautzone vier Mal stärker gestiegen als im Landesschnitt. „Unsozial ist vielmehr, dass entlang der Stadteinfahrten vor allem Wenigverdienende wohnen,  häufig ohne eigenes Auto und am stärksten dem Lärm und den Schadstoffen des Verkehrs ausgesetzt sind“, so VCÖ-Experte Gansterer.

Der VCÖ weist darauf hin, dass derzeit Autofahrer in Salzburg viel Zeit verlieren. Wer in der Früh und am Abend zur Stoßzeit jeweils eine Viertelstunde länger unterwegs ist, steht auf ein Jahr gerechnet, rund 110 Stunden im Stau. Das entspricht fast drei Arbeitswochen, verdeutlicht der VCÖ. Teuer kommen die Staus auch dem Wirtschaftsverkehr. Aufgrund von Staus können weniger Kunden beliefert werden bzw. müssen zusätzliche Fahrzeuge angeschafft werden. Die Transportkosten steigen. „Staukosten werden ja schon heute bezahlt, aber nicht von den Verursachern. Wer einen Handwerker braucht, zahlt über die verrechneten Fahrtkosten die von anderen verursachten Staukosten mit“, so VCÖ-Experte Gansterer.

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