VCÖ: Boom beim Online-Handel verursacht zusätzlichen Verkehr

VCÖ (Wien, 7. Juli 2014) – Der Online-Handel boomt. Bereits mehr als die Hälfte der 16- bis 74-Jährigen kauft im Internet ein. Der VCÖ weist darauf hin, dass die Zunahme des Online-Handels unter derzeitigen Rahmenbedingungen Verkehr nicht vermeidet, sondern zusätzlichen Lieferverkehr verursacht. Oft müssen zudem Kunden, die bei der Zustellung nicht zu Hause sind, die Pakete von weit entfernten Paketstationen abholen. Der VCÖ schlägt neutrale Paketstationen vor und spricht sich für ein Umweltgütesiegel für Transportdienstleistungen aus.

Der Online-Handel in Österreich macht bereits einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro aus. Mehr als die Hälfte der 16- bis 74-Jährigen bestellt Waren im Internet. Der Boom beim Online-Handel zeigt sich auch bei der zunehmenden Zahl der Paketzustellungen, macht der VCÖ aufmerksam. In Österreich wurden im Jahr 2013 rund 156 Millionen Pakete zugestellt, um 21 Millionen mehr als im Jahr 2009. Der Online-Handel führt dazu, dass die Paketzustellungen deutlich stärker wachsen als der gesamte Güterverkehr.

„Der Online-Handel verändert auch die Verkehrsflüsse. Doch anstatt Verkehr zu vermeiden, weil Einkaufsfahrten wegfallen kommt es unter derzeitigen Rahmenbedingungen zu einer Verkehrszunahme“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Vor allem vier Faktoren erhöhen im Zusammenhang mit dem Online-Handel das Verkehrsaufkommen. Die fehlende Bündelung der Lieferverkehre, die hohe Rate an Retoursendungen, teilweise zusätzliche lange Abholwege, wenn Kundinnen und Kunden bei der Zustellung nicht zu Hause sind und die meist fehlende Möglichkeit für die Kunden, bei der Bestellung eine umweltfreundliche Zustellung auszuwählen. „Hier ist der Gesetzgeber gefordert, dass Kundinnen und Kunden diese Wahlmöglichkeit bei Online-Bestellungen erhalten. Zudem sollte ein Umweltgütesiegel für Transportdienstleistungen geschaffen werden. Das nützt auch jenen Transportunternehmen, die sich um eine Ökologisierung ihres Fuhrparks bemühen“, so VCÖ-Expertin Rasmussen.

Derzeit hat in Österreich jedes Transportunternehmen unterschiedliche Standorte für die Paketabholung. Der VCÖ setzt sich für neutrale Paketstationen ein, die dezentral und an ohnedies oft frequentierten Orten errichtet werden, um den Konsumentinnen und Konsumenten Extrafahrten zu ersparen. . In Städten sind neutrale Paketstationen auch an Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen und U-Bahnstationen nützlich. In Schweden beispielsweise gibt es gemeinsame Paketabholstationen aller Zustelldienste häufig in Supermärkten. Bei neuen Siedlungen und Wohnhausanlagen sind neutrale Paketstationen schon in der Planung vorzusehen.

„Viele Zustelldienste setzen Lieferwagen ein, die eine sehr schlechte Umweltbilanz aufweisen. Gerade für die in vielen Städten Österreichs problematische Luftsituation wäre es sinnvoll, wenn in diesem Bereich die Logistik verbessert wird“, so VCÖ-Expertin Rasmussen. Eine gebietsweise Vergabe von Zustellbezirken in Konzessionen an Logistikunternehmen kann zur CO2-Reduktion beitragen. Rechtlich wäre das vergleichbar mit der Konzessionsvergabe im öffentlichen Personenverkehr.

VCÖ-Factsheet zum Thema Online-Handel: www.vcoe.at

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