VCÖ: Bereits jetzt mehr Verkehrstote als im gesamten Vorjahr - 440 Todesopfer seit Jahresbeginn

VCÖ (Wien, 30. November 2015) – Traurige Unfallbilanz: Schon jetzt sind heuer mehr Verkehrstote zu beklagen als im gesamten Jahr 2014, macht der VCÖ aufmerksam. Nach vorläufigen Zahlen verloren seit Jahresanfang 440 Menschen bei Verkehrsunfällen in Österreich ihr Leben, im Gesamtjahr 2014 waren es 430. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen gegen die Hauptunfallursachen zu hohes Tempo und Ablenkung am Steuer sowie eine bessere Verkehrsplanung für die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Auch das Angebot an Discobussen und Anrufsammeltaxis ist flächendeckend in Österreich zu verbessern.

„Die heurige Unfallbilanz ist traurig. Bereits jetzt sind mehr Verkehrstote zu beklagen als im gesamten Vorjahr. Und es ist zu befürchten, dass am Ende des Jahres die Zahl der Verkehrstoten sogar höher sein wird als im Jahr 2013“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Seit Jahresbeginn starben in Österreich bereits 440 Menschen bei Verkehrsunfällen (Stichtag, 30.11. Vormittag), das sind um rund neun Prozent mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres und um fast fünf Prozent mehr als zur gleichen Zeit des Jahres 2013. Zuletzt nahm die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle im Jahr 2012 zu.

Dabei war noch im 1. Halbjahr die Zahl der Verkehrstoten in Österreich um 10,9 Prozent niedriger als im 1. Halbjahr des Vorjahres. Der VCÖ weist darauf hin, dass in den vergangenen fünf Monaten um 33 Prozent mehr Menschen bei Verkehrsunfällen auf Österreichs Straßen tödlich verunglückten als von Juli bis Ende November des Vorjahres. „Der Sommer des Vorjahres war verregnet, heuer gab es einen Rekordhitzesommer. Die schlechte Unfallbilanz aber auf das Wetter zurückzuführen wäre komplett falsch. Vielmehr gilt es bei den Hauptunfallursachen anzusetzen, und das sind zu hohes Tempo sowie Ablenkung und Unachtsamkeit. Bei scheinbar guten Fahrbahnverhältnissen wird im Schnitt weniger aufmerksam und schneller gefahren, wodurch aber das Unfallrisiko steigt“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

Der VCÖ betont, dass verstärkte Maßnahmen gegen die Hauptunfallursachen nötig sind. So soll wie in zahlreichen anderen EU-Staaten auch, Handy am Steuer teil des Vormerksystems werden. „Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert reagiert so langsam wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille. Wer beim Lenken eines Fahrzeugs ein SMS oder E-Mail schreibt oder im Internet surft ist im Blindflug unterwegs und reagiert so schlecht wie ein stark betrunkener Alkolenker. Handy am Steuer ist alles andere als ein Kavaliersdelikt“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

Der VCÖ setzt sich zudem für ein flächendeckendes Angebot an Nacht- und Discobussen ein. Noch immer sterben viele junge Menschen am Wochenende am Weg vom Lokalbesuch  nach Hause. Damit Gemeinden diese Angebote finanzieren können soll ein Teil der Einnahmen aus den Verkehrsstrafen für Disco- und Dorfbusse sowie für Anrufsammeltaxis zweckgewidmet werden.

Nötig ist auch eine Verkehrsplanung, die Rücksicht auf die Schwächsten im Verkehr nimmt. Damit das Verkehrssystem für Kinder und ältere Menschen sicherer wird, ist neben Verkehrsberuhigung auch ein dichtes Netz an Gehwegen wichtig. In ländlichen Regionen ist dafür zu sorgen, dass Siedlungen das nächstgelegene Ortszentrum über einen sicheren Geh- und Radweg erreichen können.

In fünf Bundesländern ist die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle gestiegen, nämlich in Tirol, Salzburg, Kärnten, Oberösterreich und Niederösterreich. Weniger tödliche Verkehrsunfälle verzeichnen die Steiermark, Wien und Vorarlberg. „Wien und Vorarlberg sind die positive Ausnahme. Sie steuern heuer die beste Unfallbilanz seit Bestehen der Unfallstatistik an“, so VCÖ-Experte Gansterer.

 

VCÖ: Heuer bereits mehr Verkehrstote als im gesamten Vorjahr

(Verkehrstote 1.1. bis 30.11. des Jahres, in Klammer Verkehrstote im Gesamtjahr)

1.1-30.11.2015 (9.00 Uhr): 440 Verkehrstote (vorläufig)
Jahr 2014: 404 (430) Verkehrstote
Jahr 2013: 420 (455) Verkehrstote
Jahr 2012: 496 (531) Verkehrstote
Jahr 2011: 490 (523) Verkehrstote
Jahr 2010: 515 (552) Verkehrstote
Jahr 2009: 596 (633) Verkehrstote
Jahr 2008: 627 (679) Verkehrstote
Jahr 2007: 626 (691) Verkehrstote
Jahr 2006: 681 (730) Verkehrstote
Jahr 2005: 724 (768) Verkehrstote

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015

 

VCÖ: In 5 Bundesländern nahm Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle zu

(Anzahl Verkehrstote 1.1. bis 30.11. (9.00 Uhr) 2015 (Änderung gegen 1.1.-30.11. 2014))

Niederösterreich: 118 (plus 4)
Oberösterreich: 81 (plus 10)
Steiermark: 71 (minus 13)
Tirol: 50 (plus 22)
Salzburg: 41 (plus 17)
Kärnten: 35 (plus 9)
Burgenland: 21 (gleich geblieben)
Wien: 11 (minus 8)
Vorarlberg: 9 (minus 8)

Quelle: BMI, VCÖ 2015 

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