VCÖ: Bereits jeder 3. Verkehrstote über 60 Jahre! - 19.06.2013

Im Vorjahr war bereits jeder dritte Verkehrstote in Österreich über 60 Jahre, macht der VCÖ aufmerksam. Der Anteil von Seniorinnen und Senioren an den tödlich Verunglückten ist seit dem Jahr 2005 stark gestiegen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Besonders hoch ist der Anteil älterer Menschen bei den tödlich verunglückten Radfahrern und Fußgängern. Der VCÖ fordert für ältere Menschen bessere Bedingungen zum Gehen und Radfahren und ein seniorengerechtes Verkehrssystem.

„In der Verkehrssicherheit wird auf die Situation älterer Menschen zu wenig Rücksicht genommen“, fasst VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zusammen. Der VCÖ macht darauf aufmerksam, dass seit dem Jahr 2005 der Anteil älterer Menschen an den Verkehrstoten auffallend stark zugenommen hat. Im Jahr 2005 waren 24 Prozent der bei Verkehrsunfällen tödlich Verunglückten 60 Jahre oder älter, im Vorjahr waren es bereits 35 Prozent. Während insgesamt die Zahl der Verkehrstoten in diesem Zeitraum von 768 auf 522 gesunken ist, blieb die Zahl der tödlich verunglückten älteren Menschen gleich.

Die VCÖ-Analyse zeigt, dass besonders bei den tödlichen Fußgänger- und Radfahr-Unfällen der Anteil älterer Menschen hoch ist. Im Vorjahr waren 72 Prozent der tödlich verunglückten Radfahrer 60 Jahre oder älter. Im Schnitt der vergangenen acht Jahre waren es 59 Prozent. Auch bei den tödlich verunglückten Fußgängerinnen und Fußgängern ist der Anteil älterer Menschen sehr hoch: 53 Prozent der im Vorjahr bei Verkehrsunfällen getöteten Fußgänger waren 60 Jahre oder älter. Viele Unfallopfer sind älter als 75 Jahre. Seit dem Jahr 2005 war jeder dritte tödlich verunglückte Fußgänger 75 Jahre oder älter, so die VCÖ-Analyse.

„Das Verkehrssystem ist meist nicht seniorengerecht. Das Tempo des Kfz-Verkehrs ist oft zu hoch, viele Fußgängerampeln sind zu kurz grün und zu lange rot. Auch zu schmale oder gar fehlende Gehsteige sowie unübersichtliche Straßenübergänge machen älteren Menschen große Probleme“, erklärt VCÖ-Expertin Urbanek. Tempo 30 statt 50 im Ortsgebiet (ausgenommen Hauptstraßen), Begegnungszonen und mehr verkehrsberuhigte Bereiche machen das Gehen und Radfahren für ältere Menschen deutlich sicherer.

Auch Fahrradstraßen verringern das Unfallrisiko, entlang von Freilandstraßen sind Geh- und Radwege für ältere Menschen besonders wichtig. „Für ältere Menschen ist Bewegung sehr wichtig. Es ist Aufgabe der Verkehrssicherheit Bedingungen zu schaffen, dass ältere Menschen zu Fuß und mit dem Fahrrad unfallfrei unterwegs sein können. Unser Verkehrssystem muss sich nach den Schwächsten orientieren, und das sind neben Kindern auch ältere Menschen“, so VCÖ-Expertin Urbanek. 

Auch bei den tödlich verunglückten Pkw-Insassen ist der Anteil der älteren Menschen stark gestiegen, von 19 Prozent im Jahr 2005 auf zuletzt 29 Prozent. „Besonders Menschen über 70 Jahre haben ein größeres Risiko, beim Unfall sofort tödliche Verletzungen zu erleiden. Die Überlebenschance beim Unfall ist für jüngere Menschen höher, ihnen kommt die schnellere medizinische Unfallversorgung zu Gute“, so VCÖ-Expertin Urbanek. Für Seniorinnen und Senioren sind Verkehrssicherheitsmaßnahmen wichtig, die Unfälle vermeiden. Dazu zählen Maßnahmen wie Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen sowie mehr Verkehrskontrollen.

VCÖ: Senioren profitieren zu wenig von Verkehrssicherheitsmaßnahmen
(Zahl Verkehrstote gesamt, in Klammer 60 Jahre oder älter)

Jahr 2012:* 522 Verkehrstote (182 waren 60 Jahre oder älter)

Jahr 2011: 523 Verkehrstote (176)

Jahr 2010: 552 Verkehrstote (168)

Jahr 2009: 633 Verkehrstote (187)

Jahr 2008: 679 Verkehrstote (196)

Jahr 2007: 691 Verkehrstote (182)

Jahr 2006: 730 Verkehrstote (192)

Jahr 2005: 768 Verkehrstote (182)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

* Vorläufige Zahl des BMI

VCÖ: Anteil der Senioren an den Verkehrstoten stark gestiegen
(Anteil der Altersgruppe 60-Jahre oder älter an Verkehrstoten in Österreich)

Jahr 2012: 35 Prozent

Jahr 2011: 34 Prozent

Jahr 2010: 30 Prozent

Jahr 2009: 29 Prozent

Jahr 2008: 29 Prozent

Jahr 2007: 26 Prozent

Jahr 2006: 26 Prozent

Jahr 2005: 24 Prozent
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

VCÖ: Anteil Senioren bei tödlich verunglückten Radfahrern am höchsten
(Tödliche Verkehrsunfälle im Jahr 2012)

Tödlich verunglückte Radfahrer: 72 Prozent waren 60 Jahre oder älter
Tödlich verunglückte Fußgänger: 53 Prozent waren 60 Jahre oder älter
Tödlich verunglückte Pkw-Insassen*: 29 Prozent waren 60 Jahre oder älter
Verkehrstote gesamt: 35 Prozent waren 60 Jahre oder älter
* Jahr 2011
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

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