VCÖ: Bereits ein Drittel der Mobilität in Österreich ist Freizeitverkehr

VCÖ (Wien, 19. Mai 2016) – Die Freizeitmobilität ist der am stärksten wachsende Verkehrsbereich, wie die aktuelle VCÖ-Publikation „Fokus Freizeitverkehr“ zeigt. Pro Jahr legen die Österreicherinnen und Österreicher mindestens 25 Milliarden Kilometer zurück, um zu ihren Freizeitzielen zu kommen. Urlaubsfahrten sind darin nicht inkludiert. Derzeit fehlt es in Österreich an politischen Zielen und Vorgaben für eine umweltfreundlichere Freizeitmobilität. Der VCÖ fordert ein verbessertes öffentliches Verkehrsangebot zu Freizeitzielen. 

Die Freizeitmobilität ist der am stärksten wachsende Verkehrsbereich. Heute dient bereits fast ein Drittel unserer Alltagswege dem Erreichen von Freizeitzielen, so ein Ergebnis der neuen VCÖ-Publikation. Auf Basis von Mobilitätserhebungen der einzelnen Bundesländer ist davon auszugehen, dass die Österreicherinnen und Österreicher mindestens 25 Milliarden Kilometer zurücklegen, um zu ihren Freizeitzielen zu kommen. „Das entspricht der Distanz von 85 Mal zur Sonne und wieder zurück“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Der Freizeitverkehr ist damit ein relevanter Umweltfaktor. Die Mobilität zu den Freizeitzielen verursacht mindestens 3,5 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr, macht der VCÖ aufmerksam.

Der Bereich der Freizeitwege ist sehr vielfältig: Dazu zählen unter anderem der Besuch von Sport- und Freizeitanlagen, Kunst- & Kultureinrichtungen, Restaurants und Cafés. Großveranstaltungen, Ausflugszielen, der Besuch von Verwandten oder Freunden ebenso wie auch das Shopping als Freizeitvergnügen.

„Im Vergleich zu den anderen Wegzwecken nimmt der Freizeitverkehr am stärksten zu“, weist VCÖ-Expertin Rasmussen auf ein weiteres Ergebnis hin. So nahm der Anteil der Freizeitwege in Vorarlberg von 19 Prozent im Jahr 1995 auf 23 Prozent im Jahr 2013 zu. Der Anteil der Arbeitswege blieb mit 28 Prozent ebenso konstant wie jener der täglichen Einkäufe (24 Prozent).

Der Trend zu mehr Freizeitverkehr wird sich in Zukunft fortsetzen. Treibende Faktoren sind die wachsende Anzahl aktiver Seniorinnen und Senioren mit guten finanziellen Möglichkeiten, die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitszeiten, die dazu führt, dass es auch werktags mehr Freizeitmobilität gibt und der dritte Faktor ist die wachsende Anzahl von Freizeitangeboten.

Der VCÖ weist darauf hin, dass im Gegensatz zu früher, als sich die Freizeitaktivitäten auf das Wochenende und insbesondere auf Sonn- und Feiertage konzentrierte, mittlerweile auch werktags ein relevanter Teil des Verkehrs die Folge von Freizeitaktivitäten ist. Laut Mobilitätserhebungen der Bundesländer sind rund 23 Prozent der werktags zurückgelegten Wege Freizeitwege. An Sonn- und Feiertagen ist der Anteil der Freizeitwege an der Tagesmobilität etwa dreieinhalb Mal so hoch.

„Obwohl Freizeitziele und Großveranstaltungen viel Verkehr verursachen, sind weder Mobilitätskonzepte verpflichtend vorgeschrieben noch gibt es Vorgaben bezüglich der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder der Anzahl an Abstellplätzen für Fahrräder“, macht VCÖ-Expertin Rasmussen auf ein großes Manko aufmerksam. Weiteres Problem: Am Wochenende, in den Schulferien und abends ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsverbindungen häufig stark ausgedünnt.

Der VCÖ hat 51 sehr beliebte Freizeitziele in ganz Österreich auf ihre Erreichbarkeit mit Öffentlichem Verkehr untersucht. Davon sind 30 Ziele sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. „Der Großteil der Top 20 Freizeitziele befindet sich in Wien, der Stadt Salzburg, Linz und in Graz und ist damit gut öffentlich erreichbar. Außerhalb der großen Städte gibt es hinsichtlich der umweltfreundlichen Erreichbarkeit Licht und Schatten“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. So sind die Swarowski Kristallwelten in Wattens mit mehr als 600.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr gut mit dem Öffentlichen Verkehr erreichbar, ebenso der Schlosspark Laxenburg mit mehr als 900.000 Gästen pro Jahr. Anders hingegen der Family Park Neusiedlersee in St. Margarethen trotz mehr als 500.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr oder Schloss Hof mit immerhin rund 200.000 Besucherinnen und Besucher.

„Ziel muss sein, dass alle beliebten Freizeitziele gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln und auch mit dem Rad erreichbar sind. Zumindest für Freizeitziele mit mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr sollte das selbstverständlich sein“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Im Kanton Zürich müssen viel besuchte Freizeitanlagen innerhalb von 300 Metern zu einer S-Bahn-Station oder 150 Meter zu einer Haltestelle eines anderen öffentlichen Verkehrsmittels mit zumindest acht Halten pro Stunde liegen. Zudem dürfen große Einrichtungen maximal eine bestimmte Anzahl von Autofahrten verursachen.

Der VCÖ spricht sich für verstärkte Bahn- und Busverbindungen auch am Abend sowie an Sonn- und Feiertagen und in den Schulferien aus. Zudem sollen die Radwegverbindungen zu Freizeitzielen verbessert werden und bei beliebten Freizeiteinrichtungen eine Mindestanzahl von Radabstellanlagen vorgeschrieben werden.

Die VCÖ-Publikation "Fokus Freizeitverkehr" ist hier erhältlich.

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