VCÖ: Bereits 147 Verkehrstote im 1. Halbjahr – nur sehr geringer Rückgang

VCÖ: Mit niedrigeren Tempolimits und mehr Bahn- und Busverbindungen die Zahl der Verkehrsopfer reduzieren

Foto: Maria Hötzmanseder

VCÖ (Wien, 1. Juli 2021) – Im 1. Halbjahr kamen in Österreich bereits 147 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, informiert der VCÖ. Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen ist damit gegenüber dem 1. Halbjahr 2020 um nur sechs zurückgegangen. Die häufigste Unfallursache war zu hohes Tempo. Die meisten Todesopfer gab es in Oberösterreich. Mit mehr Tempo 30 im Ortsgebiet und Tempo 80 auf Freilandstraßen sowie mehr öffentlichen Verkehrsverbindungen kann die Zahl der Unfälle reduziert werden, betont der VCÖ.

Die vorläufige Unfallbilanz für das 1. Halbjahr weist zwar die niedrigste Anzahl an Verkehrstoten seit Bestehen der Unfallstatistik auf, mit 147 Todesopfern ist der Blutzoll auf Österreichs Straßen aber weiterhin zu hoch. Im Vergleich zu den endgültigen Daten des Halbjahres 2020 ist die Zahl der Verkehrstoten um nur sechs niedriger. „Auch heuer haben die Lockdowns zu weniger Reiseverkehr geführt. Anstatt deutlich zu sinken, ist die Anzahl der Verkehrstoten ähnlich hoch wie im 1. Halbjahr des Vorjahres. Diese Unfallbilanz ist ein Auftrag an die Politik, verstärkte Maßnahmen zur Reduktion der schweren Verkehrsunfälle umzusetzen“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. Österreich hat im Vorjahr trotz Lockdowns das Verkehrssicherheitsziel - weniger als 312 Todesopfer - deutlich verfehlt.

Im Bundesländer-Vergleich gab es in Oberösterreich die meisten Verkehrstoten, nämlich 43, um 14 mehr als im 1. Halbjahr 2020, informiert der VCÖ. In Niederösterreich kamen 38 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, in der Steiermark 17, in Salzburg 13, jeweils zehn Verkehrstote gab es in Tirol und Kärnten, jeweils sieben in Wien und Vorarlberg und zwei Menschen starben im Burgenland bei Verkehrsunfällen.

Rund die Hälfte der Todesopfer waren Pkw-Insassen. Die häufigste Ursache tödlicher Verkehrsunfälle war zu hohes Tempo. Die Geschwindigkeit ist einer der zentralsten Faktoren für die Sicherheit im Straßenverkehr. „Je höher das Tempo, desto länger der Reaktionsweg und der Bremsweg. Das Risiko eines Unfalls steigt. Und wenn es zum Unfall kommt nimmt das Risiko schwerster Verletzungen mit der Geschwindigkeit zu“, erklärt VCÖ-Sprecher Gratzer. Deshalb sind die Geschwindigkeitskontrollen der Exekutive ein wichtiger Beitrag für die Verkehrssicherheit, ebenso höhere Strafen, wie sie zuletzt von der Bundesregierung für Raser beschlossen wurden. Darüber hinaus sind niedrigere Tempolimits eine sehr wirksame, kostengünstige und rasch umsetzbare Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit.

Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass in 22 von 27 EU-Staaten das Tempolimit auf Freilandstraßen niedriger ist als in Österreich. In etlichen Staaten gilt als Höchstgeschwindigkeit 80 km/h. Der VCÖ fordert auch für Österreich auf Freilandstraßen Tempo 80 statt 100 als Höchstgeschwindigkeit. Im Ortsgebiet reduzieren Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 die Zahl der Unfälle. In Spanien gilt seit Mai landesweit im Ortsgebiet auf den meisten Straßen Tempo 30. Eine Maßnahme, die gerade die Schwächsten im Verkehr schützt, Kinder sowie ältere Menschen, die zu Fuß unterwegs sind.

Im 1. Halbjahr kamen elf Radfahrende sowie acht Personen mit dem E-Bike ums Leben. „Die Rad-Infrastruktur in Österreich weist teilweise gravierende Mängel auf. Außerhalb des Ortsgebiets fehlen oft sichere, baulich getrennte Radwege, innerhalb der Städte und Gemeinden wird den Radfahrerinnen und Radfahrern auf vielen Straßen zu wenig Platz gegeben“, fordert VCÖ-Sprecher Gratzer eine sichere Infrastruktur für den Radverkehr. Zu wenig Platz kann beispielsweise zu Dooring-Unfällen führen. In Niederösterreich kam deshalb eine 67-Jährige Radfahrerin ums Leben.

Auch präventive Maßnahmen wie mehr öffentliche Verkehrsverbindungen sind zentral, um die Verkehrssicherheit auf Österreichs Straßen zu erhöhen. Das tödliche Unfallrisiko ist in Österreich mit dem Auto rund 50 Mal so hoch wie mit dem Bus und sogar über 90 Mal so hoch wie mit der Bahn, verdeutlicht der VCÖ.

 

VCÖ: In Österreich im 1. Halbjahr weiterhin hohe Anzahl an Verkehrstoten

1. Halbjahr 2021: 147 Verkehrstote (vorläufige Daten)

1. Halbjahr 2020: 153 Verkehrstote (endgültige Daten)

1. Halbjahr 2019: 196 Verkehrstote

1. Halbjahr 2018: 197 Verkehrstote

1. Halbjahr 2017: 170 Verkehrstote

1. Halbjahr 2016: 190 Verkehrstote

1. Halbjahr 2015: 214 Verkehrstote

1. Halbjahr 2014: 238 Verkehrstote

1. Halbjahr 2013: 191 Verkehrstote

1. Halbjahr 2012: 233 Verkehrstote

1. Halbjahr 2011: 246 Verkehrstote

1. Halbjahr 2010: 250 Verkehrstote

Quelle: BMI, Statistik Austria, VCÖ 2021

 

VCÖ: Oberösterreich mit den meisten Verkehrstoten im Bundesländer-Vergleich (Bei Verkehrsunfällen im 1. Halbjahr 2021 tödlich verunglückt – in Klammer 1. Halbjahr 2020)

Oberösterreich: 43 Verkehrstote (29 Verkehrstote)

Niederösterreich: 38 (39)

Steiermark: 17 (23)

Salzburg: 13 (16)

Kärnten: 10 (9)

Tirol: 10 (12)

Vorarlberg:  7 (11)

Wien: 7 (7)

Burgenland: 2 (7)

Österreich: 147 (153)

Quelle: BMI, Statistik Austria, VCÖ 2021

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