VCÖ: Belastung durch extrem schädlichen Feinst-Staub in Österreich viel höher als USA erlaubt! - 22.02.2013

Österreichs Bevölkerung ist einer zu hohen Belastung durch extrem gesundheitsschädlichen Feinst-Staub ausgesetzt, macht der VCÖ aufmerksam. Im Vorjahr waren bei fast allen Messstationen die Werte viel höher als die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt und höher als der Grenzwert der USA! Die Kleinstpartikel sind vor allem in den Abgasen von älteren Dieselfahrzeugen und auch von neuen Benzin-Pkw enthalten. Die VCÖ-Untersuchung zeigt, dass Graz die höchste Feinst-Staub Belastung aufweist. Der VCÖ fordert eine Partikelfilter-Pflicht für alle Lkw und Umweltzonen.

„Mit einer einzigen Ausnahme waren im Vorjahr bei allen Messstellen für Feinst-Staub die Werte höher als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird. In Graz wurde die Empfehlung um das Doppelte überschritten. Was besonders zu denken gibt: Die Belastung in Österreich ist vielerorts viel höher, als der Grenzwert in den USA vorschreibt. Und die USA ist alles andere als ein Umweltmusterland“, macht VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek aufmerksam.

Je kleiner der Feinstaub, umso gesundheitsschädlicher ist er. Neueste Studie zeigen, dass die kleinsten Partikel bis ins Blut eindringen können und das Herzinfarktrisiko um 60 Prozent erhöhen. "Ultra-Feinstaub gelangt bis in die Organe, neben der Lunge auch in Leber, Niere, Milz und sogar bis ins Gehirn. Die Lebenserwartung wird drastisch verringert, das ind regelrechte Killer-Partikel", so VCÖ-Expertin Urbanek.

Eine aktuelle VCÖ-Untersuchung zeigt, dass im Vorjahr die Feinst-Staub (PM2,5) Belastung in Graz am höchsten war. Im Jahresschnitt betrug die PM2,5 Belastung 21,4 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, die WHO empfiehlt einen Grenzwert von maximal 10 Mikrogramm PM2,5 und der Grenzwert in den USA beträgt 12 Mikrogramm PM2,5 pro Kubikmeter Luft. In der EU gilt erst im Jahr 2015 ein Grenzwert von 20 Mikrogramm PM2,5 pro Kubikmeter Luft.

Ein Hauptverursacher der Feinstpartikel sind die Abgase älterer Dieselfahrzeuge und von neuen Benzin-Pkw mit Direkteinspritzung, erklärt der VCÖ. Betrachtet man die vom Verkehr verursachten PM2,5-Partikel, dann weist pro Einwohner das Transitland Tirol die höchsten Feinst-Staub-Emissionen im Bundesländer-Vergleich auf: Pro 1.000 Einwohner wird die Tiroler Luft mit 736 Kilogramm Feinst-Staubpartikel belastet. Das ist um ein Drittel höher als der Österreich-Schnitt, so die VCÖ-Untersuchung.

Relevant für die Gesundheit der Menschen ist aber vor allem, ob der extrem schädliche Feinst-Staub dort ausgestoßen wird, wo die Menschen wohnen und leben. Deshalb hat der VCÖ auch die Feinst-Staubbelastung im Verhältnis zur Siedlungsfläche der Bundesländer erhoben. Ergebnis: Mit Abstand am höchsten sind die vom Verkehr verursachten Emissionen in Wien mit 1.889 Kilogramm PM2,5 pro Quadratkilometer Siedlungsfläche, am zweithöchsten ist die Belastung in Tirol mit 337 Kilogramm PM2,5 pro Quadratkilometer Siedlungsfläche. Der Österreich-Schnitt liegt bei 142 Kilogramm PM2,5. Die geringste Belastung im Verhältnis zum Dauersiedlungsraum gibt es im Burgenland.

Der VCÖ weist darauf hin, dass zur Stoßzeit im Stau die Partikelbelastung extrem hoch ist. „Die Autofahrer stehen dann in einer giftigen Feinstaubwolke. Die Partikelbelastung ist vergleichbar mit einem Lokal, in dem geraucht wird. Vor allem für Kinder ist so eine Belastung extrem schädlich. Studien belegen, dass dadurch das Wachstum von Kindern eingeschränkt wird“, warnt VCÖ-Expertin Urbanek.

Der VCÖ kritisiert, dass es in Österreich viel zu wenige Messstellen für den besonders schädlichen Feinst-Staub gibt. Während der weniger schädliche grobkörnige Feinstaub an rund 140 Messstationen gemessen wird, gibt es für Feinst-Staub (PM2,5) nur etwas mehr als 20 Messstellen und für Ultra-Feinstaub (PM0,1) keine einzige Messstation. Der VCÖ fordert auch mehr Messstellen für Kleinstpartikel und strengere Grenzwerte. „Das Ziel muss sein, dass die Menschen in ganz Österreich eine saubere und gesunde Luft einatmen können“, so VCÖ-Expertin Urbanek.

Der VCÖ fordert für alle Lkw eine Partikelfilter-Pflicht. Zudem sind endlich auch in Österreichs Ballungsräumen Umweltzonen einzuführen. Für die großen Städte empfiehlt der VCÖ eine Stadt-Maut nach dem Vorbild Stockholms, Göteborgs oder Bergen. Zentral ist zudem der Ausbau der Bahnverbindungen in den Ballungsräumen. „Die Gesundheit der Menschen muss von der Politik endlich absoluten Vorrang erhalten“, fordert VCÖ-Expertin Urbanek.

VCÖ: Bezogen auf Fläche hat Wien höchste verkehrsbedingte PM2,5 Belastung!
(PM2,5 Belastung durch Verkehr pro Quadratkilometer Dauersiedlungsraum)
1. Burgenland: 58 kg PM2,5 durch Verkehr pro qkm Dauersiedlungsraum
2. Niederösterreich: 90 kg
3. Steiermark: 107 kg
4. Oberösterreich: 129 kg
5. Kärnten: 150 kg
6. Salzburg: 226 kg
7. Vorarlberg: 261 kg
8. Tirol: 347 kg
9. Wien: 1.889 kg
Österreich: 142 kg
Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2013


VCÖ: Pro 1.000 Einwohner hat Tirol höchste PM2,5 Emissionen durch Verkehr
(Verkehrsbedingte PM2,5 Emissionen in kg pro 1.000 Einwohner)
1. Wien: 369 kg PM2,5 pro 1.000 Einwohner
2. Vorarlberg: 401 kg
3. Steiermark: 457 kg
4. Burgenland: 513 kg
5. Salzburg: 618 kg
6. Oberösterreich: 626 kg
7. Niederösterreich: 647 kg
8. Kärnten: 658 kg
9. Tirol: 736 kg
Österreich: 551 kg
Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2013
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