VCÖ: Beim Schienengüterverkehr liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld - 04.07.2013

Österreich liegt in der EU beim Schienengüterverkehr hinter den baltischen Staaten an vierter Stelle, wie eine VCÖ-Analyse von nun veröffentlichten Daten der EU-Kommission zeigt. In Österreich wird rund ein Drittel der Transportleistung auf der Schiene erbracht, in der EU ist es nur ein Fünftel. Der VCÖ weist darauf hin, dass seit dem Jahr 2005 in 16 EU-Staaten der Güterverkehr auf der Schiene zurückgegangen ist. Der VCÖ warnt, dass ohne zusätzliche Maßnahmen auf EU-Ebene und in Österreich der Güterverkehr auf die Straße verlagert wird.

Pro Kopf werden in Österreich drei Mal so viele Güter auf der Schiene transportiert wie im EU-Schnitt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse von nun veröffentlichten Daten der EU-Kommission für das Jahr 2011 zeigt. Mit 2.410 Tonnenkilometer pro Person liegt Österreich beim Schienengüterverkehr mit Schweden an vierter Stelle in der EU. Klare Spitzenreiter sind aufgrund des hohen Anteils von Kohle- und Erztransporten die baltischen Staaten. In Lettland werden pro Kopf 10.485 Tonnenkilometer auf der Schiene transportiert. Schlusslicht ist Irland mit 25 Tonnenkilometer pro Kopf, das neue EU-Mitglied Kroatien liegt mit 555 Tonnenkilometern pro Person an 15. Stelle. In Malta und Zypern gibt es keine Bahn.

Weitere Ergebnisse der VCÖ-Analyse: Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist die Transportleistung auf der Schiene in Österreich um drei Viertel höher als in Deutschland und Tschechien, fast fünf Mal so hoch wie in Frankreich und fast acht Mal so hoch wie in Italien.

„Insgesamt ist die Situation des Bahngüterverkehrs in der EU besorgniserregend. Viele Mitgliedsstaaten und auch die EU als Gesamtes haben in diesem Bereich versagt. Auf EU-Ebene fehlen Mindestmauthöhen für Lkw, in vielen EU-Staaten geht der Bahnausbau nur schleppend voran“, stellt VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer fest. Der VCÖ weist darauf hin, dass in 16 EU-Staaten der Bahngüterverkehr seit dem Jahr 2005 zurückgegangen ist, in nur zehn EU-Staaten, darunter auch Österreich, gab es eine Zunahme. Der Anteil des Lkw-Verkehrs am Güterverkehr ist in der EU28 von 77 Prozent im Jahr 1995 auf heute 81 Prozent gestiegen.

Für das Jahr 2012 liegen Daten nur für Österreich und Deutschland vor. In Deutschland ist der Schienengüterverkehr im Vorjahr um 3 Prozent zurückgegangen, in Österreich um 4 Prozent. Insgesamt haben Österreichs Bahnen im Vorjahr eine Transportleistung von 19,5 Milliarden Tonnenkilometer erbracht, davon entfielen 82,4 Prozent auf die Rail Cargo Austria und 17,6 Prozent auf die privaten Bahnen*. Das Verhältnis Schiene – Straße betrug im Vorjahr 32 : 68.

„Dass Österreich einen höheren Anteil auf der Schiene transportiert als im EU-Schnitt, liegt auch am Konzept der betrieblichen Anschlussbahnen. Dieses Konzept ist im Interesse der Bevölkerung auszuweiten. Es braucht stärkere Anreize und stärkere Unterstützung für jene Betriebe, die ihre Güter vom Betriebsstandort weg auf die Schiene bringen möchten. Immerhin leisten diese Unternehmen auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und im Interesse der Autofahrer zur Entlastung der Straßen“, so VCÖ-Experte Gansterer.

* Dazu zählen u.a.: Logserv, Lokomotion, LTE, TX Logistic, Steiermarkbahn, Wiener Lokalbahnen Cargo.



VCÖ: Beim Schienengüterverkehr liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld
(Tonnenkilometer mit der Bahn pro Einwohner im Jahr 2011 – in Klammer Änderung seit 2005)

1. Lettland: 10.485 Tonnenkilometer pro Person (plus 8,2 Prozent)

2. Litauen: 5.015 (plus 21,1 Prozent)

3. Estland: 4.680 (minus 41,1 Prozent)

4. Österreich: 2.410 (plus 7,3 Prozent)

4. Schweden: 2.410 (plus 5,5 Prozent)

6. Slowenien: 1.825 (plus 15,6 Prozent)

7. Finnland: 1.740 (minus 3,2 Prozent)

8. Slowakei: 1.475 (minus 15,9 Prozent)

9. Polen: 1.395 (plus 7,6 Prozent)

10. Deutschland: 1.385 (plus 18,8 Prozent)

11. Tschechien: 1.365 (minus 3,7 Prozent)

12. Ungarn: 915 (plus 0,3 Prozent)

13. Rumänien: 690 (minus 11,2 Prozent)

14. Belgien: 685 (minus 6,6 Prozent)

15. Kroatien: 555 (minus 14,0 Prozent)

16. Luxemburg: 550 (minus 26,5 Prozent)

17. Frankreich: 540 (minus 16,0 Prozent)

18. Dänemark: 470 (plus 32,3 Prozent)

19. Bulgarien: 450 (minus 36,3 Prozent)

20. Niederlande: 380 (plus 8,7 Prozent)

21. Großbritannien: 335 (minus 2,1 Prozent)

22. Italien: 325 (minus 13,1 Prozent)

23. Portugal: 220 (minus 4,1 Prozent)

24. Spanien: 210 (minus 15,9 Prozent)

25. Griechenland: 30 (minus 42,6 Prozent)

26. Irland: 25 (minus 65,3 Prozent)

In Malta und Zypern gibt es keine Eisenbahn.

Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2013

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