VCÖ: Bei 30 getesteten Modellen realer Spritverbrauch um 43 Prozent höher als Normverbrauch

VCÖ (Wien, 6.  Juli 2016) - Für die Umwelt und für die Spritkosten der Autofahrer ist entscheidend, wie viel Sprit ein Auto beim Fahren auf der Straße verbraucht, betont der VCÖ. In den vergangenen Jahren ging die Schere zwischen Herstellerangaben und tatsächlichem Spritverbrauch immer weiter auseinander. Deshalb wird das Testverfahren in der EU  geändert und soll ab dem Jahr 2017 realere Werte liefern. Die PSA-Gruppe hat schon jetzt bei 30 Modellen von zwei NGOs den realen Spritverbrauch ermitteln lassen. Der reale Verbrauch war im Schnitt um 43 Prozent höher als der Normverbrauch. Der VCÖ erwartet von den anderen Herstellern ebenfalls eine transparentere Information über den wahrscheinlichen Spritverbrauch unter realen Fahrbedingungen. Die Politik ist gefordert, das klimafreundliche Mobilitätsangebot zu verbessern, um die Klimaziele von Paris erreichen zu können.

"Einmal mehr zeigt sich, dass ein großer Teil der angeblichen Verringerung des Spritverbrauchs von Autos nur auf dem Papier stattgefunden hat. Der Spritverbrauch der Neuwagen ist unter realen Fahrbedingungen deutlich höher als die Herstellerangaben versprechen", betont VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. Die Abweichung war früher bei weitem nicht so hoch: Im Jahr 2001 betrug laut Studie des Forschungsinstituts ICCT die Abweichung zwischen realem Spritverbrauch und Herstellerangaben nur acht Prozent, im Jahr 2015 war die Abweichung mit durchschnittlich 40 Prozent fünf Mal so hoch.

Der VCÖ begrüßt daher den Vorstoß der PSA-Gruppe, die für 14 Peugeot Modelle, 11 Citroen Modelle und drei DS Modelle den Spritverbrauch unter realen Fahrbedingungen ermitteln ließen. Die Differenz betrug im Schnitt rund 43 Prozent. Die anderen Hersteller sollten dem Beispiel von PSA folgen. Der VCÖ sieht aber auch die Politik gefordert. "Jahrelang wurden wichtige Maßnahmen für den Schutz der Umwelt mit dem Hinweis auf die angeblich sauberer und deutlich klimafreundlicher werdenden Fahrzeuge verhindert. Mittlerweile ist allgemein bekannt, dass ein großer Teil der Verbesserungen lediglich bei den Tests im Labor, nicht aber beim realen Betrieb auf der Straße erreicht wurden", stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Der VCÖ fordert daher den verstärkten Ausbau des Öffentlichen Verkehrsangebots und die Verbesserung der Infrastruktur zum Radfahren und Gehen. Zudem sollte Österreich gemeinsam mit den anderen EU-Mitgliedern nach Vorbild von Norwegen ein klares Ziel beschließen, ab wann keine Neuwagen mehr mit Diesel oder Benzin-Motor verkauft werden. In Norwegen sollen ab dem Jahr 2025 keine Neuwagen mehr mit Benzin- oder Dieselmotor auf den Markt kommen.

Die Ergebnisse der Tests für die 30 Modelle senden wir bei Interesse gerne zu. 

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