VCÖ: Behörden in EU und Österreich gefordert, Dieselskandal umfassender zu untersuchen

VCÖ (Wien, 3. November 2015) – Die neuen Vorwürfe der US-Umweltbehörde EPA, wonach auch bei Modellen von Porsche und Audi manipuliert worden  wäre, müssen auch Konsequenzen in der EU und in Österreich haben, fordert der VCÖ. Aus Sicht des VCÖ  sind derzeit beim Dieselskandal zu viele Fragen offen. So haben in der Vergangenheit verschiedene Abgasmessungen gezeigt, dass nicht nur bei VW und bei älteren EURO5-Modellen die tatsächlichen Emissionen beim Fahren um ein Vielfaches höher sind als beim Test im Labor, sondern auch bei neuen EURO6-Modellen. Der VCÖ fordert daher in der EU umfassende Untersuchungen der tatsächlichen Abgaswerte. Zudem sind die Grenzwerte in der EU auf das strengere Niveau der USA anzugleichen.

„Die US-Behörden bringen beim Dieselskandal immer wieder Neues ans Tageslicht. Es ist höchste Zeit, dass auch in der EU die Untersuchungen beschleunigt und ausgeweitet werden“, fordert VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen Konsequenzen. Laut US-Umweltbehörde wurden auch in Drei-Liter-Motoren einzelner Modelle von VW, Porsche und Audi  die Abgaswerte manipuliert. Die Fahrzeuge verschmutzen beim Fahren die Luft mit deutlich mehr gesundheitsschädlichen Schadstoffen als der Grenzwert vorschreibt. Laut US-Umweltbehörde wurde der Stickoxide-Grenzwert um bis zum Neunfachen überschritten.

Stickoxide sind ein Reizgas und können Atemwegerkrankungen verursachen. Vor allem für Kinder, die im Wachstum sind, und für ältere Menschen sind Stickoxide sehr gesundheitsschädlich. Bei hohen Belastungen können Herzinfarkte und Lungenödeme die Folge sein. „Die Autoabgase werden im städtischen Verkehr dort in die Luft geblasen, wo Menschen unterwegs sind und wo es Wohngebiete gibt. Wenn mehr Schadstoffe als erlaubt über die Auspuffe in die Luft gelangen, geht das auf Kosten der Gesundheit vieler Menschen“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen, dass die Politik die Gesundheit der Bevölkerung stärker schützt. 

Aus Sicht des VCÖ sind viele Fragen beim Dieselskandal offen. So haben Messungen in der Vergangenheit gezeigt, dass nicht nur bei VW-Modellen die Schadstoff-Emissionen beim Fahren auf der Straße um ein Vielfaches höher sind als die Grenzwerte vorschreiben. Auch bei den neuen EURO6-Modellen waren die Abweichungen bei Tests enorm.

So hat das Forschungsinstitut ICCT 15 neue Diesel-Pkw-Modelle getestet, im Schnitt waren die Stickoxid-Emissionen um das 7-fache zu hoch. Ein Fahrzeug hat den Grenzwert sogar um das 23,5 fache überschritten. Schon im Jahr 2011 zeigte eine umfassende britische Studie, dass bei EURO5 Modellen die Grenzwerte massiv überschritten wurden und die tatsächlichen Emissionen nur geringfügig niedriger waren als bei EURO 3 und EURO 4. "Die Grenzwerte wurden eingeführt, um die Luftqualität für die Bevölkerung zu verbessern und nicht um im Labor für saubere Luft zu sorgen. Deshalb müssen die Fahrzeuge auf der Straße das halten, was auf dem Papier versprochen wird", betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Der VCÖ fordert eine unabhängige Untersuchung, wie hoch der gesundheitliche Schaden in Österreich durch die zusätzlich verursachten Emissionen ist. „Wie viele Erkrankungen wurden dadurch ausgelöst? Wie viele Krankenstände? Wie viele Spitalsaufenthalte? Wie hoch sind die Kosten für das Gesundheitssystem?“, nennt VCÖ-Expertin Rasmussen einige Fragen, die zu untersuchen sind.

Der VCÖ fordert strengere Grenzwerte in der EU. In den USA werden schon jetzt die Abgaswerte infolge von Tests beim Fahren auf der Straße kontrolliert und gleichzeitig sind die Grenzwerte in den USA strenger als in der EU. „Die Hersteller produzieren für den US-Markt Fahrzeuge, die diese Grenzwerte einhalten müssen. Sie können also Fahrzeuge herstellen, die weniger gesundheitsschädlich sind. Es ist die Verantwortung der EU-Politik durch strengere Grenzwerte dafür zu sorgen, dass auch in der EU die Neuwagen diese höheren Umweltstandards aufweisen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Der zuletzt gefasste Beschluss, wonach in der EU in Zukunft die Neuwagen den Grenzwert um das Doppelte überschreiten dürfen, ist aus Sicht des VCÖ eine katastrophale Fehlentscheidung, die schnell zu korrigieren ist.

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