VCÖ begrüßt geplante Ausweitung des Bildbeweises für Handy am Steuer

VCÖ (Wien, 14. April 2014) – Innenministerin Johanna Mikl-Leitner möchte den Bildbeweis bei Frontradar, Section Control und Abstandmessgeräten auf Handy am Steuer ausweiten. Der VCÖ begrüßt dieses Vorhaben als Schritt für mehr Verkehrssicherheit auf Autobahnen und Schnellstraßen. Darüber hinaus sind auch Maßnahmen im Ortsgebiet nötig. Zwei Drittel der Verkehrsunfälle wegen „Ablenkung“ passieren im Ortsgebiet. Der VCÖ weist darauf hin, dass in bereits zwölf EU-Staaten Handy am Steuer ein Delikt im Vormerksystem bzw. im Punkteführerschein ist. Der VCÖ spricht sich für verstärkte Bewusstseinsarbeit und für die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem aus.

Der VCÖ unterstützt den Vorschlag von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner den Bildbeweis bei Frontradar, Section Control und Abstandmessgeräten auf Handy am Steuer auszuweiten. Derzeit gibt es auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen sieben Section-Control-Anlagen und einige Frontradaranlagen. Zudem gibt es elf Abstand-Messgeräte. „Wenn derzeit ein Kfz-Lenker durch ein Frontradar beim Handy-Telefonieren fotografiert wird, wird dieser nicht bestraft. Handy am Steuer kann derzeit von der Exekutive nur geahndet werden, wenn der Lenkende vor Ort aufgehalten wird. Das erschwert die Verkehrssicherheitsarbeit der Exekutive“, stellt VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek fest.

Lenkende, die mit dem Handy telefonieren, reagieren so langsam und schlecht wie Alko-Lenker mit 0,8 Promille, macht der VCÖ aufmerksam. Die Reaktionszeit ist um etwa eine halbe Sekunde verzögert. Bei Tempo 130 werden in einer halben Sekunde immerhin 18 Meter zurückgelegt. Wer eine SMS oder E-Mail schreibt, ist immer wieder bis zu zwei Sekunden im Blindflug unterwegs. 130 km/h legt ein Auto in zwei Sekunden 72 Meter zurück, bei 100 km/h fast 56 Meter.

Wichtig sind auch verstärkte Maßnahmen gegen Handy am Steuer im Ortsgebiet. „Die Schwächsten im Verkehr sind Fußgängerinnen und Fußgänger und hier wiederum vor allem Kinder sowie die wachsende Zahl älterer Menschen. Gerade wenn ein Kind auf die Straße läuft, kommt es aber auf jeden Bruchteil einer Sekunde an, um rechtzeitig stehen zu bleiben“, betont VCÖ-Expertin Urbanek. Unachtsamkeit ist im Ortsgebiet ein besonders großes Problem: Im 1. Halbjahr 2013 passierten 5.272 Verkehrsunfälle mit Personenschaden wegen "Ablenkung / Unachtsamkeit", 68 Prozent davon im Ortsgebiet. Verkehrsunfälle wegen Handy am Steuer werden zum Großteil dieser Ursache zugeordnet, die auch andere Gründe für Ablenkung umfasst.

Der VCÖ spricht sich für verstärkte Bewusstseinskampagnen und für die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem aus. Der VCÖ weist darauf hin, dass bereits in zwölf EU-Staaten die Benützung des Mobiltelefons während des Lenkens eines Fahrzeugs im Punkteführerschein bzw. Vormerksystem enthalten ist. So auch in Österreichs Nachbarländern Deutschland , Italien und Tschechien, ebenso unter anderem in Frankreich, Großbritannien und Spanien.

„Die Aufnahme ins Vormerksystem zeigt, dass die Benützung des Mobiltelefons während des Lenkens eines Fahrzeugs kein Kavaliersdelikt ist. Zudem ist es eine sehr gezielte Bewusstseinsarbeit. Jene Lenkenden, die beim Handy-Telefonieren erwischt werden erhalten eine Verwarnung und beim zweiten Vergehen binnen zwei Jahren eine Nachschulung“, erläutert VCÖ-Expertin Urbanek.

Da die Benutzung von Mobiltelefonen bei jungen Autofahrern besonders stark verbreitet ist, sollte auch im Rahmen der Fahrausbildung verstärkt auf die Gefahren durch Handy am Steuer aufmerksam gemacht werden.

Der VCÖ macht wichtige Bewusstseinsarbeit zu diesem Thema. Informationen dazu bietet der VCÖ auch auf www.vcoe.at/aufmerksamlenken an

 

VCÖ: In zwölf EU-Staaten ist Handy am Steuer bereits im Vormerksystem / Punkteführerschein enthalten

Deutschland, Italien, Tschechien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Griechenland, Malta, Zypern, Bulgarien, Rumänien.

Quelle: VCÖ 2014

VCÖ: Großteil der Verkehrsunfälle wegen Ablenkung im Ortsgebiet
(Anzahl Verkehrsunfälle mit Personenschaden wegen Ablenkung und Unachtsamkeit im 1. Halbjahr 2013, in Klammer davon Unfälle im Ortsgebiet. Ablenkung umfasst auch - aber nicht nur - Unfälle wegen Handy am Steuer)

Österreich: 5.272 (3.599)
Niederösterreich: 983 (587)
Oberösterreich: 904  (491)
Steiermark: 901 (622)
Wien: 805 (757)
Tirol: 483 (338)
Salzburg: 421 (276)
Kärnten: 367 (236)
Vorarlberg: 290 (237)
Burgenland : 118 (55)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2014 

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