VCÖ zu neuem Verkehrsminister Leichtfried: Verkehr auf Klimakurs bringen

VCÖ (Wien, 18. Mai 2016) – Auf den neuen Verkehrsminister Jörg Leichtfried warten zahlreiche große Herausforderungen. Der Klimavertrag von Paris bedeutet, dass bis zum Jahr 2050 das Verkehrssystem ohne Erdöl funktionieren muss. Der VCÖ weist darauf hin, dass sich Österreich als Kompetenzzentrum klimafreundlicher Mobilität positionieren und damit viele neue Arbeitsplätze schaffen kann. Um die Infrastrukturen zukünftig finanzieren zu können, braucht es ein verstärktes Verursacherprinzip, wie die Ausweitung der Lkw-Maut.

„Der Verkehrssektor steht vor den größten Änderungen seit Beginn der Massenmotorisierung. Entsprechend groß sind auch die Aufgabenstellungen für den neuen Verkehrsminister“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. So spielt der Verkehr eine Schlüsselrolle für den Klimaschutz. Der Klimavertrag von Paris bedeutet, dass bis zum Jahr 2050 das Verkehrssystem erdölfrei sein muss. Im Vorjahr wurden in Österreich - inklusive Kraftstoffexport - noch rund zehn Milliarden Liter Diesel und Benzin getankt.

Die Klimaschutzziele sind nur mit einer starken Zunahme der Verkehrsleistung der umweltfreundlichen Mobilität erreichbar. Österreich hat es in den vergangenen Jahren geschafft, zum Bahnland Nummer 1 in der EU zu werden. „Bis zum Jahr 2025 sollte Österreich bei den pro Kopf gefahrenen Bahnkilometer das Niveau der Schweiz erreichen. Dazu braucht es unter anderem häufigere Verbindungen, ein dichteres Bahnnetz sowie die Umsetzung des seit Jahren geplanten Österreich-Tickets“, so VCÖ-Experte Gansterer.

Auch beim Radverkehr hat Österreich im EU-Vergleich großen Aufholbedarf. Vor allem die Radfahr-Infrastruktur in den Regionen ist stärker auszubauen. Der VCÖ schlägt einen Infrastrukturfonds des Bundes vor, der den von Gemeinden und Bundesländer finanzierten Anteil für den Radwegebau verdoppelt. 100 Millionen in den Ausbau der Radfahrinfrastruktur investiert, schaffen um rund 50 Prozent mehr Arbeitsplätze als die gleiche Investition in den Bau von Autobahnen, so der VCÖ.

„Für Österreich kann der Klimaschutz im Verkehr zur Joblokomotive werden. Der Klimavertrag von Paris bedeutet, dass weltweit klimafreundliche Mobilitätsangebote nachgefragt werden. Österreich hat eine sehr starke Bahnindustrie, eine innovative Auto-Zulieferindustrie und bei den im Verkehrsbereich immer wichtiger werdenden Kommunikationstechnologien zahlreiche Vorreiter. Österreich sollte dieses Know-How nutzen und zu Europas Kompetenzzentrum für klimafreundliche Mobilität werden“, so VCÖ-Experte Gansterer. Eine Studie von Cambridge Econometrics zeigt, dass in der EU bis zum Jahr 2030 allein durch deutlich niedrigere CO2-Grenzwerte für Neuwagen bis zu 1,1 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Eine Baustelle ist die Infrastrukturfinanzierung. In den kommenden Jahren müssen viele Landes- und Gemeindestraßen generalsaniert werden. Vor allem Lkw nutzen die Straßen stark ab. „So wie in Deutschland sollte es auch in Österreich zur Ausweitung der Lkw-Maut kommen. Wer Straßenschäden verursacht, soll auch für die Kosten der Sanierung stärker aufkommen“, begrüßt VCÖ-Experte Gansterer die positiven Aussagen von Verkehrsminister Leichtfried zur Ausweitung der Lkw-Maut.

Verstärkte Maßnahmen sind bei der  Verkehrssicherheit nötig, wie etwa die Ausweitung des Vormerksystems um Handy am Steuer. Österreich weist pro Million Einwohner deutlich mehr tödliche Unfälle auf als beispielsweise die Schweiz, die Niederlande oder Schweden. 

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