VCÖ-Bahntest: 51 Prozent der Fahrgäste fahren Strecken mit Bahn statt mit Auto

VCÖ (Wien, 24. August 2016) – Für das Erreichen der Klimaziele von Paris ist es wesentlich, dass mehr Autofahrten auf die Bahn verlagert werden. Doch was motiviert vom Auto auf die Bahn umzusteigen? Beim VCÖ-Bahntest gaben 51 Prozent der Fahrgäste an, Strecken heute mit der Bahn zu fahren, die sie früher mit dem Auto gefahren sind. Neben der kürzeren Fahrzeit und dem verbesserten Angebot ist auch die nutzbare Zeit beim Bahnfahren ein zentrales Motiv mit der Bahn statt mit dem Auto zu fahren. Umgekehrt sagten 28 Prozent, dass sie auf einzelnen Strecken von der Bahn auf den Pkw umgestiegen sind. Der VCÖ fordert häufigere Verbindungen auch auf regionalen Strecken sowie verbesserte Anschlussverbindungen.

„Die Einteilung in Autofahrer, Bahnfahrer und Radfahrer ist nicht mehr zeitgemäß. Das Mobilitätsverhalten ist zunehmend vielfältiger“, stellt VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer fest. Beim diesjährigen VCÖ-Bahntest wurden österreichweit 16.435 Fahrgäste in den Zügen von acht Bahnunternehmen gefragt. 85 Prozent der Fahrgäste besitzen einen Führerschein, 53 Prozent steht ein Auto immer zur Verfügung und 46 Prozent sitzen mehrmals die Woche hinter dem Lenkrad. Und 14 Prozent der Fahrgäste sind mit dem Auto zum Zug gefahren.

Die Bereitschaft vom Auto auf die Bahn umzusteigen ist größer als vielfach angenommen wird. 51 Prozent der Fahrgäste fahren heute Strecken mit der Bahn, die sie früher mit dem Auto gefahren sind. Sieben von zehn Umsteigern gaben beim VCÖ-Bahntest eine kürzere Fahrzeit und ein verbessertes Angebot der Bahn als Motiv an. Auf Strecken wie Linz – Wien oder Wien – Salzburg ist die Bahn schneller als der Pkw. Zudem kann die Zeit beim Bahnfahren genutzt werden, etwa zum Lesen, zum Arbeiten oder wer mit der Familie unterwegs ist, zum Spielen mit den Kindern. Für 85 Prozent der Umsteiger ist die nutzbare Zeit beim Bahnfahren ein Grund, sich für die Bahn und gegen das Auto zu entscheiden. Für etwa die Hälfte der Umsteiger waren Probleme auf der Autostrecke (Baustellen, Staus, ...) ein Grund auf die Bahn umzusteigen.

Aber auch Veränderungen im persönlichen Leben, wie Wohnortwechsel oder Wechsel des Arbeitsplatzes beeinflussen das Mobilitätsverhalten. Die Hälfte der Fahrgäste, die vom Auto auf die Bahn umgestiegen sind, gab beim VCÖ-Bahntest den Wechsel von Arbeitsplatz und Ausbildung als Grund an häufiger Bahn zu fahren, für jeden dritten war der Wohnortwechsel ein Motiv. Veränderte Lebenssituationen führen aber auch umgekehrt zum Umstieg von der Bahn auf das Auto. 28 Prozent der Fahrgäste gaben an, heute Strecken mit dem Auto statt mit der Bahn zu fahren. Davon gaben vier von zehn den Wechsel von Arbeitsplatz oder der Ausbildung als Grund an und jeder dritte den Wohnortwechsel.

Aber Hauptmotiv für den Umstieg von Bahn auf Auto sind Verschlechterungen beim Angebot und bei der Reisezeit, für zwei Drittel der Umsteiger war das ein wesentliches Motiv. Und die Hälfte jener, die nun auf einzelnen Strecken Auto statt Bahn fahren gaben Verspätungen und Zugausfälle als Grund an. Zudem sind Fahrgäste, die Bahnfahrten auf das Auto verlagert haben, unzufriedener mit den Anschlussverbindungen an andere öffentliche Verkehrsmittel. „Die Bahnen haben ihr Angebot und die Qualität weiter zu verbessern, vor allem auf regionalen Strecken. Neben Beschleunigungen braucht es auch häufigere Verbindungen und gute Anschlüsse vom Bahnhof zum Zielort“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Die Arbeitszeiten werden zunehmend flexibler, Teilzeitarbeit nimmt zu. Es braucht auch außerhalb der klassischen Pendlerzeiten regelmäßige Verbindungen.

Aber nicht nur Bahn und Auto werden kombiniert, sondern auch Bahn und Rad. 44 Prozent der Fahrgäste fahren  zumindest gelegentlich mit dem Fahrrad zum Bahnhof, 41 Prozent der Fahrgäste möchten Bahn und Rad häufiger kombinieren. Nötig dafür sind sichere Radwege zu den Bahnhöfen und Haltestellen sowie ausreichend Rad-Abstellplätze, die wettergeschützt und diebstahlsicher sind.

Weitere Ergebnisse zum VCÖ-Bahntest 2016

 

VCÖ-Bahntest: Jeder zweite auf einzelnen Strecken von Auto auf Bahn umgestiegen
(Fahren Sie Strecken, die Sie früher mit dem Auto zurückgelegt haben, heute mit der Bahn?

Ja: 51 Prozent
Nein: 49 Prozent

Quelle: VCÖ-Bahntest 2016 

VCÖ-Bahntest: Nutzbare Zeit und verbessertes Angebot zentrale Motive für Umstieg von Auto auf Bahn
(Welche Gründe Einfluss auf den Umstieg vom Auto auf die Bahn hatten – Mehrfachantworten möglich)

Nutzbare Zeit (Arbeiten, Lesen, mit Kindern spielen): 85 Prozent
Kürzere Fahrzeit der Bahn: 71 Prozent
Verbessertes Angebot der Bahn: 68 Prozent
Ungünstige Situation auf Autostrecke (Baustelle, Staus, …): 55 Prozent
Wechsel von Arbeitsplatz oder Ausbildung: 50 Prozent
Wohnortwechsel: 38 Prozent
Habe kein Auto (mehr): 35 Prozent

Quelle: VCÖ-Bahntest 2016 

VCÖ-Bahntest: Jeder vierte Fahrgast fährt Strecken mit Auto statt mit Bahn
(Wenn Sie Autofahren: Fahren Sie Wege, die Sie früher mit Bahn gefahren sind, heute mit Auto?)

Ja: 28 Prozent
Nein: 72 Prozent

Quelle: VCÖ-Bahntest 2016

VCÖ-Bahntest: Schlechteres Angebot Hauptmotiv für Umstieg auf Pkw
(Welche Gründe Einfluss auf Umstieg von Bahn auf Auto hatten – Mehrfachantworten möglich)

Schlechteres Angebot der Bahn auf der Strecke: 65 Prozent
Längere Gesamtreisezeit der Bahn: 65 Prozent
Unzuverlässigkeit der Bahn (Verspätungen, Zugausfälle): 48 Prozent
Wechsel von Arbeitsplatz oder Ausbildung: 43 Prozent
Wohnortwechsel: 36 Prozent
Verschlechterter Komfort beim Bahnfahren: 31 Prozent

Quelle: VCÖ-Bahntest 2016

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