VCÖ: Ausstieg aus Verbrennungsmotor bei Neuwagen ab 2030 nötig und möglich

VCÖ: Energiewende im Verkehr ist eine ökologische und ökonomische Notwendigkeit

VCÖ (Wien, 26. September  2017) – Ein Ende des Verbrennungsmotors bei Neuwagen ab dem Jahr 2030 ist für das Erreichen der Klimaziele nötig und realistisch umsetzbar, stellt der VCÖ anlässlich des heutigen Treffens im Verkehrsministerium fest. Auch um die zu hohe Stickstoffdioxid-Belastung in vielen Städten Österreichs zu verringern, braucht es mehr emissionsfreie Mobilität. Für das Exportland Österreich ist es für die Tausenden Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie essentiell, sich rasch auf die sich ändernde Nachfrage am Weltmarkt einzustellen, betont der VCÖ.

Um die globale Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, hat die Staatengemeinschaft die massive Reduktion der Treibhausgas-Emissionen und den weltweiten Ausstieg aus fossilen Energieträgern, also auch Erdöl, bis zum Jahr 2050 beschlossen. „Damit ist klar, dass Benzin und Diesel langfristig keine Zukunft haben. Damit der Verkehr im Jahr 2050 von Erdöl unabhängig ist, muss rund 20 Jahre vorher der Ausstieg bei den Neuwagen beginnen. Sonst geht sich das nicht aus“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Der VCÖ spricht sich beim heutigen Treffen im Verkehrsministerium zum „Aktionsplan sauberer Verkehr“ für einen konkreten Zeitplan aus, ab dem keine Neuwagen mehr mit Benzin- oder Dieselmotor verkauft werden.

Die ökologische Notwendigkeit für die rasche Energiewende im Verkehr ist spätestens seit dem UN-Klimaabkommen von Paris bekannt. Der VCÖ betont, dass auch aus ökonomischen Gründen eine Vorreiterrolle Österreichs bei der sauberen Mobilität sehr wichtig ist. „Wenn weltweit in den kommenden Jahren die Nachfrage nach emissionsfreien Fahrzeugen massiv steigen wird, dann sollte das Exportland Österreich von Anfang an dabei sein, um Arbeitsplätze nicht nur zu sichern, sondern um auch neue zu schaffen. Wer weiter auf alte Technologien setzt und bei nötigen Veränderungen blockiert, agiert nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht fahrlässig und gefährdet viele Arbeitsplätze. Wer auf Änderungen zu spät reagiert, den bestraft der Weltmarkt“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.  Allein der hohe Spritverbrauch des Verkehrs hat dazu geführt, dass Österreich seit dem Jahr 2010 Erdöl im Ausmaß von mehr als 35 Milliarden Euro importieren musste.

Heuer wurden in Österreich in den ersten acht Monaten bereits 3.619 E-Pkw neu zugelassen, fast so viele wie im gesamten Vorjahr und schon jetzt mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2015, macht der VCÖ aufmerksam.

Zudem führen vor allem die Abgase der Dieselfahrzeuge zu Gesundheitsschäden. In vielen Städten und an vielen Hauptverkehrsrouten ist die Stickstoffdioxid-Belastung zu hoch. Spätestens seit dem Dieselskandal ist bekannt, dass sogar neue Diesel-Pkw hohe Emissionen aufweisen. Das deutsche Umweltbundesamt hat festgestellt, dass neue Diesel-Pkw (EURO6) im Schnitt sechs Mal so viele Stickoxide ausstoßen wie der Grenzwert für den Labortest vorschreibt.

Um das Ziel eines sauberen Verkehrs zu erreichen, braucht es zudem eine stärkere Verlagerung von Autofahrten auf den Öffentlichen Verkehr, das Radfahren und bei kurzen Strecken auf das Gehen. Jede 14. Autofahrt in Österreich ist kürzer als einen Kilometer, vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Neben dem Ausbau der Rad-Infrastruktur und einer fußgängerfreundlichen Verkehrsplanung ist die Zahl der öffentlichen Verkehrsverbindungen zu erhöhen.

Der Widerstand gegen den „Aktionsplan sauberer Verkehr“ erinnert an die Vergangenheit. „Gegen jede vernünftige Maßnahme, sei es die Katalysatorpflicht, die CO2-Grenzwerte für Neuwagen oder die Ökologisierung von Kfz-Steuern, wurde am Anfang von der Autolobby mobil gemacht. Auch in dieser Frage wird sich zeigen, dass sich die beharrenden Kräfte in eine Sackgasse manövrieren“, stellt VCÖ-Experte Gansterer abschließend fest.

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