VCÖ: Auch im Vorjahr zu hohe Stickstoffdioxid-Belastung in Österreich - höchste Belastung in Tirol, Salzburg und Wien

VCÖ (Wien, 29. Februar 2016) – Auch im Vorjahr wurde an zahlreichen Messstellen der Stickstoffdioxid-Grenzwert überschritten, macht der VCÖ aufmerksam. Am höchsten war die Belastung an der A12 bei Vomp in Tirol, auch in der Stadt Salzburg, in Hallein, Wien und Linz wurde der Jahresgrenzwert massiv überschritten. Die Europäische Union hat gegen Österreich ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, weil zwischen 2010 und 2014 die Grenzwerte nicht eingehalten wurden. Hauptverursacher sind Diesel-Fahrzeuge. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für eine saubere Mobilität.

An mindestens 14 Messstellen wurde auch im Vorjahr der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) überschritten, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Der VCÖ hat die Monatsberichte zur Luftqualität der Bundesländer analysiert, die Jahresberichte liegen noch nicht vor. Am höchsten war die Belastung erneut in Tirol: In Vomp wurde an der A12 ein Jahresmittelwert von 59 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft gemessen, erlaubt sind laut EU-Grenzwert maximal 40 Mikrogramm, laut österreichischem Grenzwert höchstens 35 Mikrogramm.

Der VCÖ weist darauf hin, dass auch in der Stadt Salzburg, in Hallein, Wien, Linz, Kundl, Lustenau, an der A13 Brennerautobahn, in Enns, Feldkirch, Innsbruck und Hall in Tirol der EU-Grenzwert überschritten wurde. Für Graz liegen noch keine Daten für das Jahr 2015 vor, es ist aber davon auszugehen, dass auch hier die Belastung mit Stickstoffdioxid zu hoch war.

Der VCÖ weist darauf hin, dass eine zu hohe Stickstoffdioxid-Belastung zu Atemwegserkrankungen und Lungenschäden führen kann. Vor allem für Kinder, deren Organe sich im Wachstum befinden, kann die zu hohe Schadstoffbelastung zu langfristigen Lungenschäden führen.

Das vergangene Woche von der EU gegen Österreich eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren bezieht sich auf die Überschreitung der Grenzwerte im Zeitraum 2010 bis 2014. „Die Grenzwert-Überschreitungen im Jahr 2015 machen eine Verurteilung und damit einhergehende Strafzahlungen noch wahrscheinlicher“, befürchtet VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Hauptverursacher der zu hohen Stickstoffdioxid Belastung sind die Dieselfahrzeuge. In Österreich fahren 2,7 Millionen Pkw der insgesamt 4,75 Millionen Pkw mit Diesel. „Eine Ursache für die zu hohe Schadstoffbelastung ist, dass der Großteil der Dieselautos beim Fahren auf der Straße die Luft mit viel mehr Stickoxiden verschmutzen als der Laborgrenzwert vermuten lässt. Oder umgekehrt gesagt: Würden die Dieselautos jene Werte, die sie am Papier versprechen, auch beim Fahren auf der Straße einhalten, würde die Luftqualität deutlich besser sein“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen strengere Abgasgrenzwerte auf EU-Ebene und wirksamere Kontrollen.

Unverständlich ist zudem, dass Dieseltreibstoff in Österreich pro Liter um 8,5 Cent niedriger besteuert wird als Benzin, obwohl Dieselabgase mehr Schadstoffe enthalten. Der VCÖ weist darauf hin, dass eine jüngst veröffentlichte Studie des WIFO zeigt, dass die Steuerbegünstigung für Diesel rund 640 Millionen Euro pro Jahr beträgt. Wesentlich für die Luftqualität ist zudem mehr Kostenwahrheit im Lkw-Verkehr. Derzeit zahlt der Lkw-Verkehr nur einen Bruchteil der Kosten für verursachte Umwelt- und Straßenschäden.

Der VCÖ fordert zudem ein dichteres Öffentliches Verkehrsnetz mit häufigeren Bahn- und Busverbindungen. Die Arbeitszeiten werden flexibler, die Teilzeitarbeit nimmt stark zu. Deshalb ist gerade auch für Pendlerinnen und Pendler wichtig, dass es auch am späteren Abend und am Wochenende ein gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln gibt. Großen Aufholbedarf gibt es in weiten Teilen Österreichs bei der Infrastruktur für das Gehen und Radfahren. „Luft ist unser wichtigstes „Lebensmittel“. Die Verkehrspolitik ist gefordert der sauberen Mobilität absoluten Vorrang zu geben“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

VCÖ: Auch im Jahr 2015 wurde Stickstoffdioxid-Grenzwert vielerorts überschritten (Durchschnittliche Stickstoffdioxid-Belastung im Jahr 2015 (vorläufige Daten), in Klammer Jahr 2014 – Grenzwert 35 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) 

A12 Vomp: 59Mikorgramm NO2 pro Kubikmeter Luft  (57)
Salzburg Rudolfsplatz: 51 (50)
Hallein A10: 50 (49)
Wien-Hietzinger Kai: 49 (49)
Salzburg A1: 49 (51)
Linz Römerbergtunnel: 48 (46)
Kundl (A12): 47 (48)
Lustenau-Zollamt: 47 (43)
Mutters / Gärberbach (A13): 46 (44)
Enns (A1): 45 (45)
Feldkirch Bärenkreuzung: 45 (46)
Graz Don Bosco: noch keine Daten 2015 (44)
Hallein B159: 43 (39)
Innsbruck Fallmerayerstraße: 42 (38)
Hall in Tirol: 41 (36)
Höchst: 40 (38)
Lienz-Amlacherkreuzung: 40 (39)

Weitere Messstellen, wo Österreich Grenzwert überschritten wurde:

Vomp: 38 (35) 
Imst (A12): 37 (36) 
Klagenfurt (A2)*: 37 (32)
Innsbruck-Andechsstraße: 37 (32)
Wien-Taborstraße: 37 (38)

* bis 30.11. 2015

Quelle: Länder, VCÖ 2016

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