VCÖ-Analyse: Im 1. Halbjahr auf Autobahnen und Schnellstraßen mehr Pkw-Verkehr als im Vorjahr, aber weniger als vor Covid-19

VCÖ fordert verstärktes Mobilitätsmanagement und mehr Öffi-Angebot für die Regionen

Foto: Th. Reinhardt pixelio.de

VCÖ (Wien, 22. Juli 2021) – Im 1. Halbjahr waren auf den meisten Autobahnen und Schnellstraßen Österreichs mehr Pkw unterwegs als im 1. Halbjahr des Vorjahres, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse von 227 Zählstellen der Asfinag zeigt. Weniger Verkehr war auf der A4 und A6 sowie auf zahlreichen Abschnitten in Tirol und Vorarlberg. Damit Österreich die Klimaziele erreichen kann, braucht es verstärkte Maßnahmen, die Verkehr vermeiden und verlagern. Der VCÖ fordert daher verstärktes Mobilitätsmanagement von Unternehmen und Freizeiteinrichtungen sowie den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs in den Regionen.

Im Vergleich zur Zeit vor Covid-19 sind noch deutlich weniger Autos auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen unterwegs, im Vergleich zum 1. Halbjahr des Vorjahres hat der Autoverkehr aber vielerorts wieder zugenommen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von 227 Zählstellen der Asfinag zeigt. Bei diesen 227 Zählstellen wurden heuer im 1. Halbjahr in Summe um 3,3 Prozent mehr Pkw gezählt als im 1. Halbjahr 2020.

„Wir sehen, dass es in der Verkehrsentwicklung einige regionale Unterschiede gibt“, so VCÖ-Experte Michael Schwendinger. In Tirol und Vorarlberg hat der Autoverkehr im 1. Halbjahr abgenommen, was vor allem auf den Rückgang im Wintertourismus im Jänner und Februar zurückzuführen ist, erklärt der VCÖ. Am stärksten nahm der Autoverkehr im 1. Halbjahr auf den Autobahnen in Oberösterreich zu, im Süden war der Anstieg geringer, ebenso in Ostösterreich, wo auf einigen Abschnitten der A4 und A23 heuer weniger Autos unterwegs waren als im Vorjahr.

Die meisten Pkw wurden auf der A23 bei der Zählstelle Donauinsel gezählt, wo im Schnitt rund 148.000 Pkw pro Tag gefahren sind, um 1,1 Prozent mehr als im 1. Halbjahr des Vorjahres. In Niederösterreich ist die A2 bei Biedermannsdorf mit 123.000 Pkw pro Tag am stärksten befahren, in Oberösterreich die A7 in Linz Bindermichl mit rund 80.000 Pkw pro Tag, berichtet der VCÖ.

„Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise braucht es verstärkte Maßnahmen, um den Verkehr auf klimaverträglichere Verkehrsmittel zu verlagern. Einerseits sind mehr Bahn- und Busverbindungen und der raschere Ausbau der Rad-Infrastruktur nötig. Und andererseits sind mehr Anreize nötig, um das vorhandene Bahn- und Busangebot zu nutzen oder zumindest Fahrgemeinschaften zu bilden“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Ein Anreiz ist die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung in Wien.

Gerade im Pendelverkehr ist das Potenzial groß, in mehr als 90 Prozent der Autos sitzt nur eine Person. Allein wenn der Besetzungsgrad von derzeit durchschnittlich 1,1 auf 1,5 erhöht wird, heißt das um ein Viertel weniger Autos, verdeutlicht der VCÖ. Durch Mobilitätsmanagement können Betriebe und Unternehmen wesentlich dazu beitragen, dass die Beschäftigten verstärkt mit Bahn, Bus, Fahrrad oder in Fahrgemeinschaften zur Arbeit kommen. Erfolgreiche Beispiele sind etwa Boehringer-Ingelheim in Wien-Hetzendorf, Infineon in Villach, Berger Logistik in Wörgl, Haberkorn in Wolfurt oder der Industriebetrieb Anton Paar bei Graz. "Wenn jedes Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten Mobilitätsmanagement umsetzt, dann gibt es in den Ballungsräumen deutlich weniger Staus und Österreich kommt seinem Klimaziel einen großen Schritt näher", betont VCÖ-Experte Schwendinger. Auch die Möglickkeit zu Homeoffice und Videokonferenzen statt Geschäftsreisen helfen Verkehr zu vermeiden.

Wichtig ist zudem auch, dass beliebte Freizeitziele optimal mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Für Österreichs Regionen braucht es insgesamt mehr öffentliche Verkehrsverbindungen, betont der VCÖ. „Dass auch in dünn besiedelten Regionen ein gutes Linienbus-Angebot möglich ist, ist im Bregenzerwald zu sehen. Hier fahren Busse im Halbstundentakt, sind optimal aufeinander abgestimmt und sie fahren auch am Abend und am Wochenende häufig“, erklärt VCÖ-Experte Schwendinger.

VCÖ: Immer mehr Flächen in Österreich durch Straßen und Parkplätze versiegelt (durch Straßenverkehrsanlagen versiegelte Flächen in Österreich- in Klammer versiegelte Flächen durch Bahn)

A23 Donauinsel: 26,861 Millionen Pkw (plus 1,1 Prozent)

A2 Schönbrunner Allee A2: 23,263 Millionen Pkw (plus 4,1 Prozent)

A22 Kaisermühlen A22: 17,367 Millionen Pkw (plus 6,3 Prozent)

A7 Bindermichl: 14,455 Millionen Pkw (plus 11,3 Prozent)

A1 Traun: 13,464 Millionen Pkw (plus 6,7 Prozent)

A4 Simmering: 10,203 Millionen Pkw (minus 7,4 Prozent)

A12 Ampass: 9,723 Millionen Pkw (plus 4,6 Prozent)

A9 Graz-Webling: 9,15 Millionen Pkw (plus 10,1 Prozent)

S1 Rannersdorf: 8,739 Millionen Pkw (plus 9,0 Prozent)

A10 Anif: 8,042 Millionen Pkw (minus 2,8 Prozent)

A14 Hohenems: 7,883 Millionen Pkw (minus 1,7 Prozent)

A25 Marchtrenk: 7,231 Millionen Pkw (plus 11,9 Prozent)

A25 Puchberg: 7,089 Millionen Pkw (plus 10,2 Prozent)

S2 Hermann Gebauer Straße: 6,584 Millionen Pkw (plus 1,0 Prozent)

A8 Krenglbach: 6,289 Millionen Pkw (plus 12,0 Prozent)

A21 Gschaid: 6,212 Millionen Pkw (plus 10,4 Prozent)

A3 Ebreichsdorf: 5,505 Millionen Pkw (plus 3,9 Prozent)

S5 Zaina: 4,941 Millionen Pkw (plus 7,1 Prozent)

A5 Eibesbrunn: 4,923 Millionen Pkw (plus 3,8 Prozent)

A13 Gärberbach: 4,594 Millionen Pkw (plus 1,0 Prozent)

S33 Pottenbrunn: 4,479 Millionen Pkw (plus 6,0 Prozent)

S31 Wulkaprodersdorf: 3,795 Millionen Pkw (plus 6,5 Prozent)

S4 Wr. Neustadt Süd: 3,727 Millionen Pkw (plus 5,3 Prozent)

S6 Natschbach: 4,346 Millionen Pkw (plus 3,2 Prozent)

S36 Zmöllach: 3,093 Millionen Pkw (plus 9,9 Prozent)

S35 Ungersdorf: 2,921 Millionen Pkw (plus 8,5 Prozent)

S37 Zollfeld: 2,902 Millionen Pkw (plus 5,8 Prozent)

S10 Götschka: 2,599 Millionen Pkw (plus 6,2 Prozent)

A6 Potzneusiedl: 1,846 Millionen Pkw (minus 7,0 Prozent)

A11 St. Ulrich: 1,635 Millionen Pkw (plus 8,9 Prozent)

S16 Grins: 1,615 Millionen Pkw (minus 12,8 Prozent)

Quelle: Asfinag, VCÖ 2021

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