VCÖ: Allein über Brenner fahren doppelt so viele Lkw wie über Schweiz

VCÖ (Wien, 1. Dezember 2014) – In der Schweiz ist der alpenquerende Lkw-Transit heuer zurückgegangen, über den Brenner gab es hingegen eine deutliche Zunahme, macht der VCÖ aufmerksam. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass allein über den Brenner doppelt so viele schwere Lkw fahren wie über alle Schweizer Alpenpässe zusammen. Neun von zehn Lkw am Brenner sind Transit-Laster, in der Schweiz ist nur jeder zweite ein Transit-Lkw. Der VCÖ weist darauf hin, dass die Schweiz nicht nur eine höhere Lkw-Maut hat, sondern auch Diesel gleich hoch besteuert wird wie Benzin.

Über den wichtigsten Schweizer Alpenpass, den St. Gotthard, rollten heuer im 1. Halbjahr rund 360.000 schwere Lkw (Last- und Sattelzüge), über den Brenner waren es mit 936.000 fast dreimal so viel, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Schweizer Bundesamts für Verkehr zeigt. Insgesamt fahren allein über den Brenner fast doppelt so viele Lkw wie über die vier Schweizer Alpenübergänge. Während heuer in der Schweiz der alpenquerende Lkw-Verkehr zurückgegangen ist, gab es über den Brenner eine Zunahme von 7,2 Prozent, macht der VCÖ aufmerksam.

Rund neun von zehn Lkw, die über den Brenner fahren, sind Transit-Lkw. „Auch dieses Verhältnis ist in der Schweiz anders. Nur jeder zweite Lkw über die Schweizer Alpen ist ein Transit-Lkw“, weist VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer auf einen weiteren Unterschied hin.

Die Entwicklung seit dem Jahr 2001 zeigt, dass es der Schweiz gelungen ist, den Transitverkehr über die Alpen zu bremsen. Im Vorjahr fuhren fast 240.000 Lkw weniger über die Schweizer Alpen als im Jahr 2001, das ist ein Rückgang um 17,2 Prozent. Fast 90 Prozent des Rückgangs entfielen auf die schweren Lkw, so die VCÖ-Analyse. Anders beim Brenner: Im Vorjahr fuhren fast 400.000 Lkw mehr über den Brenner als im Jahr 2001, 80 Prozent dieses Zuwachses entfielen auf die schweren Lkw mit vier oder mehr Achsen.

„Die Schweiz hat es vor allem mit ökonomischen Maßnahmen geschafft, den Lkw-Verkehr über die Alpen zu bremsen. Einerseits wirkt die Lkw-Maut, die im Unterschied zu Österreich auch die externen Kosten, also Umwelt- und Gesundheitsschäden, berücksichtigt. Zudem gibt es in der Schweiz keine steuerliche Begünstigung für Diesel. Diesel wird in der Schweiz vernünftigerweise gleich hoch besteuert wie Benzin“, erklärt VCÖ-Experte Gansterer. Damit kostet ein Liter Diesel in der Schweiz um umgerechnet rund 10 Cent pro Liter mehr als in Österreich. Da in Italien ein Liter Diesel um rund 30 Cent mehr als in Österreich kostet, gibt es einen weiteren Anreiz für Transit-Lkw die Route über den Brenner zu nehmen. 

Der VCÖ sieht auch die EU gefordert, eine Mindestmauthöhe für Lkw einzuführen. Auch aufgrund der mangelnden Kostenwahrheit im Verkehr rechnet es sich, dass Waren tausende Kilometer quer durch Europa transportiert wird. „Die Folgen der mangelnden Kostenwahrheit im Transport sind erst dieser Tage sichtbar geworden. Für italienischen Prosciutto werden Schweine aus der Türkei nach Italien transportiert. Diese Transporte verursachen Tierleid und tragen dazu bei, dass immer mehr Lkw durch Europa rollen“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

Neben sektoralen Fahrverboten spricht sich der VCÖ auch für verstärkte Lkw-Kontrollen aus. Die Nichteinhaltung von Tempolimits sowie von technischen und arbeits- und sozialrechtlichen Standards tragen zu niedrigen Transportkosten bei.  Zudem sieht der VCÖ im Modell einer Alpentransitbörse die Chance, die Transportfahrten über die Alpen im Interesse der Umwelt und der Anrainer zu begrenzen.

 

VCÖ: Mehr Transit über den Brenner – weniger schwere Lkw über die Schweiz
(Anzahl schwere Lkw (4 Achsen oder mehr))

1.Halbjahr 2014 (Änderung gegenüber 1. Halbjahr 2013)
Brenner: 936.000 (plus 7,2 Prozent)
Schweizer Alpenpässe:  480.000 (minus 1,6 Prozent) 

Gesamtjahr 2013:
Brenner: 1.760.000
Schweizer Alpenpässe: 961.000

Quelle: BAV, VCÖ 2014

 

VCÖ: Seit 2001 starke Zunahme des Lkw-Verkehrs über  Brenner
(Lkw über Brenner, in Klammer Sattel- und Lastzüge mit 4 oder mehr Achsen)

Jahr 2013: 1.945.000 (1.760.000)

Jahr 2012: 1.966.000 (1.784.000)

Jahr 2011: 1.885.000 (1.737.000)

Jahr 2010: 1.849.800 (1.679.000)

Jahr 2009: 1.745.200 (1.592.000)

Jahr 2008: 2.101.800 (1.945.000)

Jahr 2007: 2.177.400 (1.999.000)

Jahr 2006: 2.084.500 (1.983.000)

Jahr 2005: 1.988.200 (1.874.000)

Jahr 2004: 1.983.000 (1.794.000)

Jahr 2003: 1.650.000 (1.524.000)

Jahr 2002: 1.600.000 (1.486.000)

Jahr 2001: 1.550.000 (1.442.000)

Quelle: Land Tirol, VCÖ 2014

 

VCÖ: In der Schweiz  minus 240.000 Lkw seit dem Jahr 2001
(Anzahl Lkw über Schweizer Alpenpässe – in Klammer Sattel- und Lastzüge)

Jahr 2013: 1.143.000 (961.000)

Jahr 2012: 1.209.000 (1.021.000)

Jahr 2011: 1.258.000 (1.070.000)

Jahr 2010: 1.257.000 (1.061.000)

Jahr 2009: 1.180.000 (994.000)

Jahr 2008: 1.275.000 (1.083.000)

Jahr 2007: 1.263.000 (1.075.000)

Jahr 2006: 1.180.000 (1.000.001)

Jahr 2005: 1.204.000 (1.020.000)

Jahr 2004: 1.255.000 (1.057.000)

Jahr 2003: 1.290.000 (1.105.000)

Jahr 2002: 1.251.000 (1.069.000)

Jahr 2001: 1.380.000 (1.170.000)

Quelle: BAV, VCÖ 2014

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