VCÖ: AK-Studie zeigt, dass VW-Skandal nur Spitze des Eisbergs ist

VCÖ (Wien, 6. November 2015) – Laut aktueller Studie der AK und des Umweltbundesamts verbrauchen Neuwagen in Österreich im Schnitt um 27 Prozent mehr Sprit als die Herstellerangaben versprechen. Die Folgen: Mehr CO2-Emissionen, höhere Spritkosten und mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe, wie Stickoxide. Neben einem realitätsnahen Testverfahren braucht es auch strengere Grenzwerte, verstärkte Kontrollen und hohe Strafen, wenn der Spritverbrauch stark von den Herstellerangaben abweicht, betont der VCÖ.

„Die heute präsentierte Studie bestätigt einmal mehr, dass der VW-Skandal nur die Spitze des Eisbergs ist. Durch die immer größer werdende Abweichung zwischen dem tatsächlichen Spritverbrauch und den Herstellerangaben entsteht der Gesellschaft und der Umwelt ein enormer Schaden. In der Vergangenheit gab es hier ein multiples Kontrollversagen der Zulassungsbehörden in den zuständigen EU-Staaten“, fordert VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen strengere Kontrollen und unabhängige Zulassungsstellen.

900 Millionen Euro an zusätzlichen Spritkosten verursacht in Österreich die Abweichung des realen Spritverbrauchs vom Normverbrauch, wie die Studie von AK und Umweltbundesamt zeigt. Im Zeitraum 2008 bis 2012 war der Mehrverbrauch für 6,3 Millionen Tonnen an klimaschädlichem CO2 verantwortlich. Und zusätzlich 25.000 Tonnen gesundheitsschädliche Stickoxide verschmutzten allein im Jahr 2010 durch den Mehrverbrauch die Luft. 

 „Seit dem Jahr 2000 hat sich der Unterschied zwischen tatsächlichem Spritverbrauch und Herstellerangaben vervierfacht“, macht VCÖ-Expertin Rasmussen aufmerksam. Verbraucht ein Auto statt angegebenen fünf Liter um 27 Prozent mehr Sprit, dann ist das bei 14.000 Kilometer pro Jahr ein Mehrverbrauch von 189 Liter, was bei aktuellen Spritpreisen Mehrkosten von rund 200 Euro ausmacht, verdeutlicht der VCÖ. „Das sind sechs Mal so hohe Mehrkosten als, wenn beispielsweise der Spritpreis um 5 Cent pro Liter steigen würde. Die Politik muss durch klarere gesetzliche Vorgaben und stärkeren Kontrollen dafür sorgen, dass die Autos beim Fahren auf der Straße das halten, was auf dem Papier versprochen wird“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Der VW-Skandal zeigt aber auch, dass sich die Hoffnung der europäischen Politik, die Klimaziele wären vor allem durch verbesserte Automotoren erreichbar, nicht erfüllt. „Die Klima- und Energieziele sind nur erreichbar, wenn sich auch das Mobilitätsverhalten verändert. Deshalb ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsverbindungen sowie die Infrastruktur zum Gehen und Radfahren österreichweit zu verbessern. Auch eine verkehrssparende Siedlungsentwicklung ist unverzichtbar, um ans Klimaziel zu kommen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

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