VCÖ: Ablenkung am Steuer forderte im Vorjahr 60 Verkehrstote

VCÖ (Wien, 15. November 2013) – Jeder 5. Autofahrer schreibt laut eigenen Angaben beim Autolenken SMS, jeder dritte liest SMS. Besonders bei den unter 30-Jährigen ist der Anteil jener hoch, die auch beim Autolenken nicht die Finger vom Smartphone lassen können. Mit einer Video-Serie macht der VCÖ nun drastisch auf die Folgen der Benützung des Mobiltelefons während des Autolenkens aufmerksam. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass seit dem Jahr 2005 der Anteil der durch Ablenkung verursachten tödlichen Verkehrsunfällen stark gestiegen ist.

Ablenkung ist bereits die häufigste Unfallursache in Österreich. „Im Vorjahr passierte in Österreich im Schnitt alle 40 Minuten ein schwerer Verkehrsunfall wegen Ablenkung und Unachtsamkeit“, verdeutlicht VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek. Im 1. Halbjahr geschahen wegen Ablenkung neun Mal so viele Verkehrsunfälle wie Alko-Unfälle, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Je nach Bundesland war heuer im 1. Halbjahr Ablenkung die Ursache von 29 bis 37 Prozent der Verkehrsunfälle mit Verletzten oder Todesopfern.

Ablenkung im Verkehr ist ein zunehmendes Problem. Im Jahr 2005 war Ablenkung der Auslöser von sieben Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle in Österreich, im Vorjahr war Ablenkung bereits die Ursache von zwölf Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle, macht der VCÖ aufmerksam. Mindestens 60 Menschen kamen deshalb im Jahr 2012 ums Leben. „Nicht alle Unfälle infolge von Ablenkung werden dieser Ursache zugeordnet. Ein Unfall, der von einem telefonierenden Alkolenker verursacht wurde, gilt in der Statistik als Alkounfall, aber nicht als Unfall wegen Ablenkung durch Telefonieren am Steuer“, erklärt VCÖ-Expertin Urbanek. Ablenkung umfasst nicht nur telefonieren oder SMSen, sondern unter anderem auch die Bedienung des Navis.

Wer beim Autolenken telefoniert reagiert ähnlich schlecht und langsam wie Alkolenker mit 0,8 Promille, warnt der VCÖ. Das Unfallrisiko nimmt um das vier- bis fünffache zu. Noch gefährlicher ist das Schreiben von SMS oder E-Mail oder das Programmieren des Navis während des Fahrens. Dabei kann das Unfallrisiko um das acht bis sogar 23-fache steigen.

„Bei den unter 30-Jährigen ist der Anteil jener, die auch während des Autofahrens nicht von ihrem Smartphone lassen können, am höchsten. Bei dieser Altersgruppe ist Bewusstseinsarbeit besonders wichtig“, betont VCÖ-Expertin Urbanek. Der VCÖ startet daher jetzt in Kooperation mit Ogilvy & Mather Deutschland eine Video-Kampagne, die vor allem Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen soll. „Wir möchten mit der Serie „Death Corporation“ drastisch vor Augen führen, welche Folgen die Benützung des Mobiltelefons während des Autolenkens haben kann. Es freut mich, dass Animationsdirektor Gal Shkedi und die Produktionsfirma Partizan einen Clip produziert haben, der ohne moralischen Zeigefinger auskommt“, erläutert VCÖ-Expertin Urbanek. Der 1. Teil von „Death Corporation“ ist ab sofort unter www.vcoe.at/aufmerksamlenken  und auf You Tube unter http://www.youtube.com/user/TheDeathCorporation zu sehen

Die Video-Serie ist Teil der VCÖ-Initiative „Aufmerksam lenken statt Leben verschenken“. Unter www.vcoe.at/aufmerksamlenken bietet der VCÖ zahlreiche Informationen über die Folgen von Ablenkung und mangelnder Aufmerksamkeit im Straßenverkehr. Der VCÖ fordert, dass die Benützung des Mobiltelefons während des Autolenkens rasch in das Vormerksystem aufgenommen wird. 

Serie "Death Corporation" von Gal Shkedi & Partizan: 1. Teil http://www.youtube.com/user/TheDeathCorporation

VCÖ-Initiative "Aufmerksam lenken": www.vcoe.at/aufmerksamlenken

 

VCÖ: Im Vorjahr alle 40 Minuten Verkehrsunfall wegen Ablenkung (Anzahl Verkehrsunfälle mit Personenschaden wegen Ablenkung und Unachtsamkeit – in Klammer Anteil an den Verkehrsunfällen)

Niederösterreich: 2.559 (32,3 Prozent)

Oberösterreich: 2.131 (28,7 Prozent)

Wien: 2.110 (32,2 Prozent)

Steiermark: 2.074 (33,5 Prozent)

Tirol: 1.236 (33,4 Prozent)

Salzburg: 989 (31,6 Prozent)

Kärnten: 933 (30,4 Prozent)

Vorarlberg: 766 (35,6 Prozent)

Burgenland: 315 (34,5 Prozent)

Österreich: 13.113 (34,7 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

Zurück zur Übersicht