VCÖ: 80 Prozent der Verkehrsunfälle mit Kindern nicht am Schulweg

VCÖ (Wien, 7. Juli 2016) – Im Vorjahr verunglückten in Österreich 2.600 Kinder bei Verkehrsunfällen, elf Kinder leider tödlich. Der VCÖ weist darauf hin, dass rund 80 Prozent der Verkehrsunfälle  mit Kindern nicht am Schulweg, sondern in der Freizeit passieren. Allein im vergangenen Juli und August wurden 552 Kinder Opfer von Verkehrsunfällen. In den vergangenen zehn Jahren verloren 123 Kinder bei Verkehrsunfällen ihr Leben, mehr als 30.000 wurden verletzt. Der VCÖ fordert mehr Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem.

Ferienzeit ist leider auch Unfallzeit. Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt, dass rund 80 Prozent der Verkehrsunfälle mit Kindern nicht am Schulweg, sondern in der Freizeit passieren. Im Vorjahr wurden im Juli und August 551 Kinder bei Verkehrsunfällen in Österreich verletzt, ein Kind kam ums Leben. Der Juli war im Vorjahr nach dem Juni der Monat mit den zweithäufigsten Kinderunfällen im Straßenverkehr, informiert der VCÖ.

Im Schnitt verunglückt auf Österreichs Straßen alle fünf Stunden ein Kind bei einem Verkehrsunfall. „Die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Kinder ist zwar in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Viertel gesunken, aber die Opferzahl ist nach wie vor beschämend hoch“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. Im Zeitraum 2006 bis 2015 wurden 30.856 Kinder bei einem Verkehrsunfall verletzt, davon 12.550 als Pkw-Insasse, 7.774 als Fußgänger und 6.121 Kinder als Radfahrer.

Besonders tragisch: 123 Kinder verloren in diesem Zeitraum ihr Leben bei Verkehrsunfällen in Österreich, 59 Kinder, und damit fast die Hälfte, verunglückten mitfahrend im Pkw. 39 Kinder wurden als Fußgänger niedergefahren und tödlich verletzt, zehn Kinder kamen zwischen 2006 und 2015 mit dem Fahrrad bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

„Es gibt nur eine einzige akzeptable Zahl an tödlichen Kinderunfällen und die ist null“, betont VCÖ-Sprecher Gratzer. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem. Im Ortsgebiet erhöht Verkehrsberuhigung die Verkehrssicherheit für Kinder. Im Umfeld von Kinderspielplätzen, Freizeitanlagen, Kindergärten und Schulen soll maximal Tempo 30 gelten. Diese für Kinder wichtigen Orte sollen gut und sicher zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sein.

Verbesserungen sind auch bei Straßenübergängen und Kreuzungen nötig. Derzeit gilt nur fünf Meter vor Schutzwegen ein Halte- und Parkverbot. Parkende Autos oder Lieferwagen verstellen dadurch immer wieder die Sicht auf Kinder, die die Straße überqueren möchten. Deshalb tritt der VCÖ dafür ein, das Halte- und Parkverbot vor Schutzwegen zumindest auf zehn Meter auszuweiten.

Auch in einem weiteren Punkt ist die StVO (Straßenverkehrsordnung) zu modernisieren: So wie in Deutschland und der Schweiz sollen Kinder bis zum 10. Lebensjahr unabhängig von der Größe des Fahrrads am Gehsteig fahren dürfen. Derzeit ist das nur mit einem Rad, das rechtlich als Spielgerät gilt (Reifendurchmesser maximal 12 Zoll) erlaubt. Auch die Regelung für Tretroller ist zeitgemäß zu gestalten: Wie in Deutschland soll Kindern das Fahren mit Tretroller am Gehsteig ohne Begleitperson erlaubt sein. Immer wieder machen Mediziner auf den Bewegungsmangel bei Kindern aufmerksam. Das Verkehrssystem ist so zu gestalten, dass Kinder gut und sicher im Alltag zu Fuß, mit Rad oder Roller unterwegs sein können, stellt der VCÖ fest.

VCÖ: Acht von zehn Verkehrsunfällen mit Kindern passieren nicht am Schulweg (Anzahl Verkehrsunfälle mit Kindern / Schulwegunfälle)

Jahr 2015: 2.387 Verkehrsunfälle mit Kindern/ 461 davon am Schulweg
Jahr 2014: 2.566 / 490
Jahr 2013: 2.670 / 466
Jahr 2012: 2.751 /530
Jahr 2011: 2.731 /488
Jahr 2010: 2.669 /404

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016

VCÖ: Zu viele Kinder werden in Österreich Opfer eines Verkehrsunfalls (Kinder (bis 14 Jahre), die bei Verkehrsunfällen verunglückten)

Jahr 2015: 11 tödlich verunglückte Kinder /  2.589 verletzte Kinder
Jahr 2014: 8 / 2.794
Jahr 2013: 10 / 2.941
Jahr 2012: 8 / 2.933
Jahr 2011: 13 / 2.886
Jahr 2010: 10 / 2.914
Jahr 2009: 15 / 3.182
Jahr 2008: 12 / 3.433
Jahr 2007: 13 / 3.616
Jahr 2006: 23 / 3.568

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016

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