VCÖ: 40 Tonnen Lkw nützt Straße 35.000 Mal stärker ab als Pkw

VCÖ (Wien, 30. September 2014) – Lkw verursachen deutlich stärkere Straßenschäden als Pkw. Die Kosten für die Straßensanierung werden in den kommenden Jahren stark steigen, weil viele Straßen aufgrund ihres Alters generalsaniert werden müssen. Der VCÖ spricht sich dafür aus, dass die Kosten verursachergerecht getragen werden. Das ist durch die Ausweitung der Lkw-Maut auf Landes- und Gemeindestraßen möglich.

Schlaglöcher und Straßenschäden nehmen auf den rund 110.000 Kilometer Landes- und Gemeindestraßen in Österreich stark zu. Der Großteil der Straßenschäden wird vom Lkw-Verkehr verursacht. Ein 40 Tonnen Lkw mit vier Achsen nutzt die Straße mindestens 35.000 Mal stärker ab als ein Pkw, macht der VCÖ aufmerksam. „Doch derzeit kommt der Lkw-Verkehr für die verursachten Schäden nur zu einem Teil auf“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

Für die Sanierung eines Kilometers Landesstraße wurden im Zeitraum 2006 und 2011 im Schnitt 5.000 bis 5.600 Euro pro Jahr ausgegeben. Bis zum Jahr 2020 werden die Kosten um rund ein Viertel auf 6.200 bis 7.100 Euro pro Kilometer und Jahr steigen. Und damit kann lediglich erreicht werden, dass der Anteil der Straßen in schlechten Zustand nicht erhöht wird, verweist der VCÖ auf einen aktuellen Rechnungshofbericht für Kärnten, Salzburg und Tirol.

Der Großteil der Gemeindestraßen wurden in den Jahren 1950 bis 1980 errichtet, die Landesstraßen zwischen 1960 und 1990. „Viele Straßen werden in den kommenden Jahren eine Generalsanierung benötigen. Auf Gemeinden und Länder wird eine Kostenlawine zukommen“, warnt VCÖ-Experte Gansterer.

Die Erfahrungen der Lkw-Maut auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen sowie der flächendeckenden Lkw-Maut in der Schweiz, die seit dem Jahr 2001 gilt, zeigen, dass durch die Lkw-Maut die Transporte effizienter werden. So ging der Leerfahrtenanteil im alpenquerenden Güterverkehr durch die Lkw-Maut um ein Viertel zurück, macht der VCÖ aufmerksam. Auch das Argument, dass es durch die Lkw-Maut zu einer massiven Verteuerung der Konsumgüter kommen würde, hält einer Überprüfung nicht stand. Der Transportkostenanteil etwa von Gütern des täglichen Bedarfs ist mit rund 1,5 Prozent sehr gering. Im Jahr 2006 hat die Lkw-Maut auf Autobahnen und Schnellstraßen die Produktpreise in Österreich um lediglich 0,21 Prozent erhöht. Auf einen Liter Milch wirkt sich die Lkw-Maut lediglich mit 0,2 Cent aus. Bei einer Lkw-Maut auf Landesstraßen wäre dieser Anteil noch einmal niedriger, da hier weniger Lkw-Fahrten stattfinden.

Der VCÖ spricht sich daher für eine rasche Ausweitung der Lkw-Maut auf Landes- und Gemeindestraßen aus. „Es ist einfach fair, wenn für die Straßenschäden jene aufkommen, die sie hauptsächlich verursachen. Die Lkw-Maut ist fair, nachvollziehbar und auf der Autobahn ein Erfolgsmodell“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Die Alternative ist, die Straßenschäden aus dem allgemeinen Steuertopf zu bezahlen, was aber auf Kosten anderer Investitionen der Gemeinden, wie etwa soziale Leistungen oder Kinderspielplätze. Zudem ist die Lkw-Maut im Vergleich zu einem Lkw-Fahrverbot auf zu stark belasteten Straßen aus wirtschaftlicher Sicht die bessere Alternative.

Der VCÖ betont, dass von den Einnahmen aus der Lkw-Maut die Regionen profitieren sollen. Neben der Sanierung von Straßenschäden sollen nach Schweizer Vorbild die Einnahmen auch für die Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs in den Regionen verwendet werden.

„Die Menschen in der Region brauchen mehr Bahn- und Busverbindungen. Gerade Pendlerinnen und Pendler ersparen sich viel Geld, wenn sie mit Bahn oder Bus statt dem eigenen Auto zur Arbeit fahren können“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

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