VCÖ: 40 Tonnen Lkw nützen Straße 35.000 Mal stärker ab als Pkw

VCÖ (Wien, 29. November 2013) – Österreich hat knapp mehr als 110.000 Kilometer Landes- und Gemeindestraßen. Der VCÖ weist darauf hin, dass viele Straßen in den kommenden Jahren eine Generalsanierung benötigen. Auf die Länder und Gemeinden kommt eine Kostenlawine zu. Lkw nützen die Straßen 35.000 Mal stärker ab als Pkw. Der VCÖ kritisiert, dass der Lkw-Verkehr derzeit für die von ihm verursachten Straßenschäden nicht aufkommt. Der VCÖ fordert daher die Ausweitung der Lkw-Maut auf Landes- und Gemeindestraßen. Die Einnahmen sollen auch für den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs in den Regionen verwendet werden.

Österreich wird von rund 33.700 Kilometer Landesstraßen und fast 79.000 Kilometer Gemeindestraßen durchzogen, macht der VCÖ aufmerksam. Der Großteil der Gemeindestraßen wurde in den Jahren 1950 bis 1980 errichtet, die Landesstraßen zwischen 1960 und 1990. „Viele Straßen werden in den kommenden Jahren eine Generalsanierung benötigen. Auf Gemeinden und Länder kommt eine Kostenlawine zu“, macht VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer aufmerksam.

Für die Sanierung eines Kilometers Landesstraße wurden im  Zeitraum 2006 und 2011 im Schnitt 5.000 bis 5.600 Euro pro Jahr ausgegeben. Bis zum Jahr 2020 werden die Kosten um rund ein Viertel auf 6.200 bis 7.100 Euro pro Kilometer und Jahr steigen. Und damit kann lediglich erreicht werden, dass der Anteil der Straßen in schlechten  Zustand nicht erhöht wird, verweist der VCÖ auf einen aktuellen Rechnungshofbericht für Kärnten, Salzburg und Tirol.

Eine aktuelle VCÖ-Untersuchung zeigt, dass im Jahr 2012 Österreichs Gemeinden (ohne Wien) 1,04 Milliarden Euro für Bau und Erhalt von Gemeindestraßen ausgegeben haben, 90 Prozent davon flossen in den Erhalt des Straßennetzes. Nur 687 Millionen Euro sind durch Einnahmen gedeckt. „Der Erhalt des Straßennetzes geht auf Kosten etwa von sozialen Einrichtungen in der Gemeinde. Viele Gemeinden sind hoch verschuldet, der Straßenerhalt stellt eine enorme finanzielle Belastung dar“, so VCÖ-Experte Gansterer.

Der VCÖ betont, dass der Großteil der Straßenschäden vom Lkw-Verkehr verursacht wird. Ein 40 Tonnen Lkw nutzt  die Straße etwa 35.000 Mal stärker ab als ein Pkw. „Doch derzeit zahlt der Lkw-Verkehr nicht für die verursachten Schäden. Es ist höchste Zeit, dass der Lkw-Verkehr einen fairen, verursachergerechten Beitrag für die Benützung der Landes- und Gemeindestraßen leistet“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Inklusive der externen Kosten kommt der Lkw-Verkehr in Österreich für nur 21 Prozent der verursachten Kosten auf, auf Autobahnen liegt der Kostendeckungsbeitrag dank Lkw-Maut bei 38 Prozent.

Der VCÖ fordert daher die Ausweitung der Lkw-Maut auf Landes- und Gemeindestraßen. Abzüglich der Betriebskosten kann  mit rund 400 Millionen Euro pro Jahr an Nettoeinnahmen gerechnet werden. Von den Einnahmen sollen die Regionen profitieren: Die Sanierung der Straßen schafft Arbeitsplätze in der lokalen Bauwirtschaft. Wie in der Schweiz sollen die Einnahmen aus der Lkw-Maut neben der Straßensanierung auch für die Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs verwendet werden. „Die Menschen in der Region brauchen mehr Bahn- und Busverbindungen. Gerade Pendlerinnen und Pendler ersparen  sich viel Geld, wenn sie mit Bahn oder Bus statt dem eigenen Auto zur Arbeit fahren können“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Nicht zuletzt entlastet ein guter Öffentlicher Verkehr die Straßen und ist ein wesentlicher Standortfaktor für die regionale Wirtschaft. 

Positive Erfahrungen mit der Lkw-Maut: Die Lkw-Maut auf Autobahnen und Schnellstraßen wurde in Österreich im Jahr 2004 eingeführt. Dadurch erhöhte sich die Effizienz des Gütertransports, die Leerfahrten haben sich verringert, die durchschnittliche Ladung pro Lkw nahm zu. Deshalb haben sich die Produktpreise durch die Lkw-Maut um nur 0,2 Prozent erhöht. In der Schweiz zahlen Lkw seit dem Jahr 2001 auf dem gesamten Straßennetz Lkw-Maut, in Deutschland hat sich die Verkehrsministerkonferenz der Bundesländer im Herbst 2013 für die Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Bundes- und Landesstraßen ausgesprochen, im Koalitionsvertrag ist eine Ausweitung der Lkw-Maut vereinbart. 

 

VCÖ-Factsheet: Lkw-Maut ausweiten. Download unter
http://www.vcoe.at/de/publikationen/vcoe-factsheets/details/items/lkw-maut-in-oesterreich-ausweiten

Zurück zur Übersicht