VCÖ: 20 Millionen neuere Diesel-Pkw in EU verursachen zu hohe Emissionen

VCÖ: Nationale Typisierungsbehörden gescheitert – Unabhängige Behörde auf EU-Ebene nötig

VCÖ (Wien, 29. November 2016) – Rund 26 Millionen Diesel-Pkw der EURO 5 und EURO6 Abgasklassen verursachen beim Fahren viel größere Mengen an gesundheitsschädlichen Schadstoffen als im Labor ermittelt wurde, nur sechs Millionen davon waren bisher von Rückrufen betroffen. Die Nationalen Typisierungsbehörden lassen nach wie vor rund 20 Millionen besonders „schmutzige“ Diesel-Pkw auf Europas Straßen fahren. Derzeit darf ein Pkw, der in einem Land typisiert wurde, in der gesamten EU fahren. Der VCÖ fordert, dass in Zukunft nicht mehr nationale Behörden über die EU-weite Zulassung bestimmen, sondern eine unabhängige Behörde auf EU-Ebene.

„Der Dieselskandal machte auch das Kontrollversagen der Nationalen Typisierungsbehörden der Autonationen offensichtlich. Und auch in der Aufarbeitung des Dieselskandals scheitern diese Behörden, weil ihnen offenbar die Interessen der nationalen Autoindustrie näher sind als die Gesundheit der Bevölkerung“, fordert VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen eine rasche Änderung des Typisierungsverfahren. Am Donnerstag wird der EU-Verkehrsministerrat darüber diskutieren. Laut Medienberichten versuchen einzelne Staaten zu verhindern, dass die Typisierung auf EU-Ebene verlagert wird.

Derzeit können sich die Hersteller die Typisierungsbehörde aussuchen. So lassen beispielsweise italienische Autohersteller ihr Auto in Italien typisieren, deutsche Hersteller in Deutschland usw. Die Typisierung erlaubt dann den Verkauf in der gesamten EU. „Wenn die Typisierungsbehörde eines Landes ihre eigene Autoindustrie schützt und die Augen zudrückt, dann schadet das auch der Gesundheit von Österreichs Bevölkerung. Umso wichtiger ist es, dass Österreich sich dafür einsetzt, dass eine unabhängige EU-Behörde für die Typisierung geschaffen wird“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Der Dieselskandal zeigt, dass sich derzeit Österreichs Zulassungsbehörde nicht darauf verlassen kann, dass die Typisierungsbehörde in den der Herstellerstaaten ordentlich und korrekt gearbeitet hat.

Laut einer Mitte September veröffentlichten Studie haben in Österreich mehr als 700.000 neu zugelassene Diesel-Pkw der Abgasklassen EURO 5 und EURO 6 beim Fahren besonders hohe Schadstoff-Emissionen. Der VCÖ fordert, dass diese Fahrzeuge zurückgerufen und einem „Cleaning Up“ unterzogen werden. „Je mehr Schadstoffe bei den Auspuffen rauskommen, umso höher sind die Schadstoffmengen in der Luft und umso größer die Gefahr, dass Grenzwerte überschritten werden. Die Abgasreinigung muss auch funktionieren, wenn die Fahrt länger als 25 Minuten dauert oder die Temperaturen unter 17 Grad Celsius liegen“, so VCÖ-Expertin Rasmussen. In Österreich wurde im Vorjahr in sieben Bundesländern der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) überschritten, macht der VCÖ aufmerksam. Am höchsten war die Belastung in Tirol, gefolgt von Salzburg und Wien (Hietzinger Kai).

Die Abgasnorm EURO 5 trat für Typisierungen mit September 2009 in Kraft, für Erstzulassungen mit Jänner 2011. EURO 6 gilt bei Typisierungen seit September 2014, für Erstzulassungen seit September 2015. Vier von fünf Diesel-Pkw, die zwischen 2010 und 2014 in der EU verkauft wurden und zwei Drittel der EURO 6 Diesel Pkw (ab 2015 verkauft) verursachen beim Fahren auf der Straße mehr als drei Mal so hohe Stickoxid-Emissionen wie die Abgasnorm vorschreibt.

Nähere Informationen hier:

https://www.transportenvironment.org/publications/stalemate-fixing-dirty-diesels-countries-putting-carmakers%E2%80%99-needs-those-citizens

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