VCÖ: 128 Kinder kamen in den letzten zehn Jahren im Straßenverkehr ums Leben – 51 Bezirke und Städte ohne tödlichen Kinderunfall

VCÖ (Wien, 14. Juli 2016) – Die regionalen Unterschiede bei der Anzahl schwerer Verkehrsunfälle von Kindern sind groß, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Fast die Hälfte der tödlichen Kinderunfälle passierte in den vergangenen zehn Jahren in nur 16 Bezirken und Städten, in 51 Bezirken und Städten  wurde das Ziel „kein tödlicher Kinderunfall im Straßenverkehr“ erreicht. Die Verkehrssicherheit von Kindern ist in Österreich noch deutlich zu erhöhen, betont der VCÖ. Verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem sind nötig.

Wenn es um tödliche Kinderunfälle geht, kann nur eine Zahl das Ziel sein: Null. In den vergangenen zehn Jahren haben 51 Bezirke (inklusive 17 Wiener Bezirke) und Städte dieses Ziel erreicht, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Doch in 66 Bezirken und Städten verunglückten seit dem Jahr 2006 insgesamt 128 Kinder im Straßenverkehr. Allein im Bezirk Zell am See kamen sieben Kinder bei Verkehrsunfällen ums Leben. In den Bezirken Scheibbs und Vöcklabruck kostete der Straßenverkehr jeweils fünf Kindern das Leben.

„Unser Verkehrssystem nimmt auf Kinder zu wenig Rücksicht. Umso wichtiger ist es,  verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem umzusetzen“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. 41 Kinder wurden in den vergangenen zehn Jahren als Fußgänger angefahren und tödlich verletzt. Im Ortsgebiet kann vor allem mit mehr Verkehrsberuhigung die Verkehrssicherheit erhöht werden.

Der VCÖ weist darauf hin, dass der Anhalteweg bei Tempo 30 deutlich kürzer ist als bei Tempo 50. Auf trockener Fahrbahn beträgt der Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) bei 30 km/h nur 12 Meter, bei 50 km/h hat ein Pkw nach 12 Metern  noch ein Tempo von 48 km/h. Wird ein Kind von einem Auto mit dieser Geschwindigkeit angefahren, ist das Risiko tödlicher Verletzungen groß. „In Schweden gilt als oberstes Prinzip der Verkehrssicherheitsarbeit: Ein Fehltritt darf nicht mit schwersten Verletzungen bestraft werden. Dieses Prinzip soll auch in Österreich die Leitlinie sein“, betont VCÖ-Sprecher Gratzer. Deshalb sollte im Ortsgebiet Tempo 30 die Regel und Tempo 50 die Ausnahme sein.

In den Regionen ist das Gehwegenetz massiv auszubauen. Jede Busstation soll sicher zu Fuß erreichbar sein. Wenn bei Bushaltestellen an Freilandstraßen ein sicherer Gehweg fehlt, ist das ein Sicherheitsrisiko vor allem für Schulkinder, so der VCÖ.

61 der 128 Todesopfer verunglückten in den letzten zehn Jahren als Pkw-Insasse. Neben der richtigen Kindersicherung ist es wichtig, mit voller Aufmerksamkeit und mit angepasstem Tempo zu fahren. Wer zu schnell fährt oder mit dem Handy telefoniert, hat ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko und riskiert das Leben der mitfahrenden Kinder. Autolenker, die mit dem Handy am Ohr telefonieren, reagieren so schlecht wie Alko-Lenker mit 0,8 Promille, erinnert der VCÖ.

VCÖ: Fast die Hälfte der tödlichen Kinderunfälle in nur 16 Bezirken Österreichs (Tödlich Verunglückte 1. Halbjahr 2016 – 2006; Verletzte 2015 – 2006)

Bezirk Zell am See: 7 Kinder tödlich verunglückt, 382 Kinder verletzt

Bezirk Scheibbs: 5 Kinder tödlich verunglückt, 140 Kinder verletzt
Bezirk Vöcklabruck: 5  Kinder tödlich verunglückt, 534 Kinder verletzt

Bezirk Bruck an der Leitha: 4 Kinder tödlich verunglückt, 148 Kinder verletzt
Bezirk Bregenz: 4 Kinder tödlich verunglückt, 672 verletzte Kinder

Bezirk Oberpullendorf: 3 Kinder tödlich verunglückt, 71  Kinder verletzt
Bezirk Korneuburg: 3 Kinder tödlich verunglückt, 263 Kinder verletzt
Bezirk Neunkirchen: 3 Kinder tödlich verunglückt, 249 Kinder verletzt
Bezirk Braunau: 3 Kinder tödlich verunglückt, 515 Kinder verletzt
Bezirk Kirchdorf/Krems: 3 Kinder tödlich verunglückt, 224 Kinder verletzt
Bezirk Rohrbach: 3 Kinder tödlich verunglückt, 207 Kinder verletzt
Bezirk Hartberg-Fürstenfeld: 3 verunglückte Kinder, 292 Kinder verletzt
Bezirk Weiz: 3 tödlich verunglückte Kinder, 265 Kinder verletzt
Villach (Stadt): 3 Kinder  tödlich verunglückt,  280 verletzte Kinder
Klagenfurt (Stadt): 3 Kinder  tödlich verunglückt, 612 verletzte Kinder
Bezirk Schwaz: 3 Kinder  tödlich verunglückt, 317 verletzte Kinder

Bezirk Melk: 2 Kinder tödlich verunglückt, 273 Kinder verletzt
Bezirk St. Pölten Land: 2 Kinder tödlich verunglückt, 300 Kinder verletzt
Bezirk Wr. Neustadt Land: 2 Kinder tödlich verunglückt, 172 Kinder verletzt
Bezirk Grieskirchen: 2  Kinder tödlich verunglückt, 244 Kinder verletzt
Bezirk Linz Land: 2  Kinder tödlich verunglückt, 590 Kinder verletzt
Bezirk Ried: 2 Kinder tödlich verunglückt, 289 Kinder verletzt
Bezirk Schärding: 2 Kinder tödlich verunglückt, 187 Kinder verletzt
Bezirk Urfahr-Umgebung: 2 Kinder tödlich verunglückt, 286 Kinder verletzt
Stadt Linz: 2 Kinder tödlich verunglückt, 857  Kinder verletzt
Bezirk Graz-Umgebung: 2  Kinder tödlich verunglückt, 435 Kinder verletzt
Bezirk Murtal: 2  Kinder tödlich verunglückt, 227 Kinder verletzt
Stadt Graz: 2 Kinder  tödlich verunglückt, 1.124 Kinder verletzt
Bezirk Völkermarkt: 2 Kinder tödlich verunglückt, 163 verletzte Kinder
Bezirk Sankt Veit/Glan: 2  Kinder tödlich verunglückt, 206 verletzte Kinder
Bezirk Spittal an der Drau: 2 Kinder tödlich verunglückt, 287  verletzte Kinder
Bezirk Salzburg Umgebung: 2 Kinder tödlich verunglückt, 488 Kinder verletzt
Bezirk St. Johann im Pongau: 2 Kinder tödlich verunglückt,  365 Kinder verletzt
Bezirk Tamsweg: 2 Kinder tödlich verunglückt, 95 Kinder verletzt
Bezirk Landeck: 2 Kinder  tödlich verunglückt, 212 verletzte Kinder
Bezirk Reutte: 2 Kinder  tödlich verunglückt, 142 verletzte Kinder
Wien-Landstraße: 2 Kinder tödlich verunglückt

Bezirk Oberwart: 1 Kind tödlich verunglückt, 121  Kinder verletzt
Bezirk Neusiedl am See: 1 Kind tödlich verunglückt, 147  Kinder verletzt
Bezirk Amstetten: 1 Kind tödlich verunglückt, 406 Kinder verletzt
Bezirk Gänserndorf: 1 Kind tödlich verunglückt, 339 Kinder verletzt
Bezirk Hollabrunn: 1 Kind tödlich verunglückt, 172 Kinder verletzt
Bezirk Horn: 1 Kind tödlich verunglückt, 114 Kinder verletzt
Krems: 1 Kind tödlich verunglückt, 69 Kinder verletzt
Bezirk Mistelbach: 1 Kind tödlich verunglückt, 243 Kinder verletzt
St. Pölten: 1 Kind tödlich verunglückt, 295 Kinder verletzt
Bezirk Tulln: 1 Kind tödlich verunglückt, 216 Kinder verletzt
Bezirk Waidhofen / Thaya: 1 Kind tödlich verunglückt, 82 Kinder verletzt
Bezirk Wien Umgebung: 1 Kind tödlich verunglückt, 343 Kinder verletzt
Bezirk Zwettl: 1 Kind tödlich verunglückt, 137 Kinder verletzt
Bezirk Gmunden: 1 Kind tödlich verunglückt, 429 Kinder verletzt
Bezirk Perg: 1 Kind tödlich verunglückt, 280 Kinder verletzt
Bezirk Liezen: 1 Kind tödlich verunglückt, 294 Kinder verletzt
Bezirk Murau: 1 Kind tödlich verunglückt, 146 Kinder verletzt
Bezirk Voitsberg: 1 Kind tödlich verunglückt, 165 Kinder verletzt
Bezirk Deutschlandsberg: 1  Kind tödlich verunglückt, 160 Kinder verletzt
Bezirk Hermagor: 1 Kind  tödlich verunglückt, 53  verletzte Kinder
Bezirk Hallein: 1 Kind tödlich verunglückt, 197 verletzte Kinder
Bezirk Kufstein: 1 Kind tödlich verunglückt, 431 verletzte Kinder
Bezirk Bludenz: 1  Kind  tödlich verunglückt, 185 Kinder verletzt
Bezirk Feldkirch: 1  Kind  tödlich verunglückt, 462 Kinder verletzt
In 5 Wiener Bezirken 1 tödlich verunglücktes Kind: Favoriten, Simmering, Döbling, Donaustadt, Liesing.

In 43 Bezirken und 8 Städte kein tödlicher Kinderunfall in den vergangenen 10 Jahren (Bei Interesse senden wir Liste gerne zu).

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016 

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