Umfrage von VCÖ und TU-Wien: Fachleute für häufigere Öffi-Verbindungen zu Stoßzeiten und verstärkte Hygiene-Maßnahmen

Auch Politik gefordert: Ökologische Steuerreform vorziehen, umfassende Parkraumbewirtschaftung umsetzen

VCÖ (Wien, 1. November 2020) – Der Öffentliche Verkehr hat durch die Covid-19 Pandemie viele Fahrgäste verloren. Der VCÖ hat gemeinsam mit der TU Wien knapp mehr als 500 Fachleute befragt, welche Maßnahmen es braucht, damit der Öffentliche Verkehr wieder an Fahrgästen zulegen kann. Als wichtigste Maßnahmen werden neben dem verpflichtenden Tragen des Mund-Nasen-Schutzes häufigere Verbindungen zu Stoßzeiten sowie verstärkte Hygiene-Maßnahmen gesehen. Gefordert sehen die Fachleute auch die Bundesregierung, die ökologische Steuerreform vorzuziehen sowie die Städte, eine umfassende Parkraumbewirtschaftung umzusetzen.

Die Zahl der Fahrgäste im Öffentlichen Verkehr ist infolge der Covid-19-Pandemie stark zurückgegangen. „Ein größerer Teil des Fahrgastrückgangs ist auf das Ausbleiben von Urlaubsgästen aus dem Ausland, verstärktes Homeoffice, die erhöhte Arbeitslosigkeit und die Absage von Veranstaltungen zurückzuführen. Ein Teil der Fahrgäste ist aber auch auf andere Verkehrsmittel umgestiegen“, erklären VCÖ-Experte Michael Schwendinger und Günter Emberger von der TU Wien. Der VCÖ hat gemeinsam mit der TU Wien knapp mehr als 500 Expertinnen und Experten aus Forschung, Wissenschaft, Interessensvertretungen, Verkehrsplanungsbüros, Verwaltung und Unternehmen befragt, welche Maßnahmen es braucht, damit der Öffentliche Verkehr Fahrgäste zurückgewinnen kann.

Als kurzfristige Maßnahmen sehen 91 Prozent der Fachleute das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes als eher oder sehr wichtig an und  89 Prozent die gründliche und sichtbare Reinigung der Abteile und Stationen. Am wenigsten wirksam wird der Verkauf von Mund-Nasen-Schutzmasken in Haltestellen (48 Prozent) und die Sperre der ersten Türe in Bussen (37 Prozent) gesehen.

VCÖ und TU Wien haben die Fachleute auch noch langfristigen Maßnahmen befragt: 95 Prozent der Expertinnen und Experten sehen häufigere Verbindungen, um überfüllte öffentliche Verkehrsmittel zu Stoßzeiten zu vermeiden, als wichtige Maßnahme an. 88 Prozent empfehlen verstärkte Hygiene-Maßnahmen und jeweils 78 Prozent sehen verstärkte Kommunikation beziehungsweise ein einheitliches Ticketing für die gesamte Wegekette als wichtig an.

Gefordert sehen die Fachleute auch die Bundesregierung. 60 Prozent der Expertinnen und Experten sehen das Vorziehen der ökologischen Steuerreform inklusive CO2-Bepreisung und Reform der Pendlerpauschale als sehr wichtige Maßnahme an, um die Anzahl der Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs wieder zu erhöhen. 59 Prozent sehen eine umfassende Parkraumbewirtschaftung in Ballungsräumen als sehr wichtig an, 50 Prozent die schnelle Umsetzung des 1-2-3 Tickets. 42 Prozent der Expertinnen und Experten sehen gestaffelte Arbeits- und Schulbeginnzeiten als sehr wichtig an, um überfüllte Fahrzeuge zur Stoßzeit zu vermeiden.

Die Wichtigkeit des verpflichtenden Tragens des Mund-Nasen-Schutzes steht für die Fachleute außer Streit. 86 Prozent stimmen der Aussage zu, dass der verpflichtende Mund-Nasen-Schutz den Fahrgästen Sicherheit vermittelt, 79 Prozent sehen den verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz als wichtig an, damit wieder mehr Personen den Öffentlichen Verkehr nutzen.

Zahlreiche Studien im In- und Ausland haben gezeigt, dass der Öffentliche Verkehr kein Covid-19-Cluster ist und keine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. Eine verstärkte Kommunikation der Studienergebnisse, insbesondere mit medizinischen Fachleuten, wird diesbezüglich von vielen Fachleuten als wichtig gesehen.

Insgesamt sehen 14 Prozent der Fachleute ein deutlich schlechteres Image des Öffentlichen Verkehrs durch Covid-19 weitere 52 Prozent sehen ein etwas schlechteres Image. 27 Prozent meinen, dass sich das Image nicht verändert hätte und sieben Prozent sehen ein verbessertes Image, weil der Öffentliche Verkehr auch in der Krise gut funktioniert.

„Der Verkehr kann seine Klimaziele nur erreichen, wenn der Anteil des Öffentlichen Verkehrs an der Mobilität deutlich steigt. Umso wichtiger ist es, dass sowohl die Verkehrsunternehmen als auch die Politik auf allen Ebenen rasch verstärkte Maßnahmen setzen, damit wieder mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto fahren“, stellen VCÖ-Experte Michael Schwendinger und Günter Emberger von der TU Wien abschließend fest.

Weitere Ergebnisse der Umfrage sind hier veröffentlicht https://www.vcoe.at/ergebnisse-oev-covid-19 .

Ergebnisse der Umfrage von VCÖ und TU-Wien unter Expertinnen und Experten zu „Covid-19 und Öffentlicher Verkehr“

  1. Fachleute empfehlen häufigere Verbindungen, um Attraktivität des ÖV für Fahrgäste nach Covid-19 zu erhöhen (Sehr und eher wirkungsvoll)

Häufigere Anzahl an Verbindungen, um überfüllte öffentliche Verkehrsmittel zu Stoßzeiten zu vermeiden: 95 Prozent

Verstärkte Hygiene-Maßnahmen: 88 Prozent

Einheitliches Ticketing für ganze Wegeketten: 78 Prozent

Kommunikation zum Schutz vor Ansteckung im Öffentlichen Verkehr: 78 Prozent

Verbessertes Leitsystem in den Stationen: 72 Prozent

Mehr bargeldloses Ticketing: 71 Prozent

Zusätzliche Ticketangebote (z.B. flexiblere Angebote für Personen mit atypischer Beschäftigung): 67 Prozent Adaption der Fahrzeuge (z.B. Plexiglas-Abtrennung, breitere Einstiegsbereiche): 59 Prozent

Kulanz, Rabatte bei bereits gekauften Tickets: 59 Prozent

Initiative für höheren Anteil an Jahresnetzkarten: 53 Prozent

Quelle: TU Wien, VCÖ 2020

  1. Welche Maßnahmen Politik und andere umsetzen sollten (Maßnahmen, die aus Sicht der Fachleute SEHR wichtig sind)

Vorgezogene ökologische Steuerreform (inklusive CO2-Bepreisung, Reform  Pendelpauschale): 60 Prozent

Verstärkte Parkraumbewirtschaftung in Ballungsräumen: 59 Prozent

Rasche Umsetzung von 1-2-3 Ticket: 50 Prozent

Verstärkte Kommunikation der Politik zur Wichtigkeit des ÖV: 50 Prozent

Aussagen medizinischer Fachleuten zur Sicherheit der Nutzung des Öffentlichen Verkehrs: 49 Prozent

Verpflichtendes Mobilitätsmanagement großer Unternehmen: 43 Prozent

Gestaffelte Beginnzeiten von Schulen und Betrieben: 42 Prozent

Quelle: TU Wien, VCÖ 2020

  1. Welche kurzfristigen Maßnahmen aus Sicht der Fachleute wichtig wären, um Fahrgästen ein hohes Sicherheitsgefühl zu geben? (Summe eher und sehr wichtig)

Verpflichtendes Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes: 91 Prozent Gründliche Reinigung der Abteile/Stationen mehrmals am Tag und während der Fahrt: 89 Prozent Fahrgastinformation im Öffentlichen Verkehr: 87 Prozent

Automatisches Öffnen der Türen:  87 Prozent Strenge Kontrollen (Mund-Nasen-Schutz, Sicherheitsabstand): 82 Prozent

Maßnahmen für reduzierte Anzahl von Fahrgästen während Stoßzeiten: 82 Prozent Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit:  73 Prozent

Desinfektionsgelegenheiten bei Haltestellen: 74 Prozent Sichtbare Präsenz von mehr geschultem Security-Personal: 63 Prozent

Geldstrafe bei Verstoß gegen Mund-Nasenschutz-Pflicht: 62 Prozent Ausweitung Online-Ticketkauf via App oder Online-Shop: 58 Prozent

Verkauf von Mund-Nasen-Schutzmasken und Desinfektionssprays in Haltestellen: 48 Prozent

Sperre der ersten Türe in Bussen: 37 Prozent

Quelle: TU Wien, VCÖ 2020

  1. Große Mehrheit sieht Mund-Nasen-Schutz als Maßnahme, die Sicherheit vermittelt

Der Mund-Nasen-Schutz vermittelt allgemein Sicherheit vor Ansteckungsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln 86 Prozent stimmen eher oder sehr zu

Der Mund-Nasen-Schutz ist allgemein wichtig, damit wieder mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren: 79 Prozent stimmen eher oder sehr zu

Der Mund-Nasen-Schutz ist eher abschreckend und trägt dazu bei, dass weniger Personen öffentliche Verkehrsmittel nutzen: 32 Prozent stimmen eher oder sehr zu

Quelle: TU Wien, VCÖ 2020

  1. Ansteckungsgefahr im Öffentlichen Verkehr wird geringer eingeschätzt als am Arbeitsplätz (Ansteckungsgefahr (sehr) gering / (sehr) hoch)

Öffentlicher Raum: 86 Prozent – 14 Prozent

Einkaufen: 71 Prozent – 29 Prozent

Dienstleistungen allgemein: 65 Prozent – 35 Prozent

Öffentlicher Verkehr: 60 Prozent – 40 Prozent

Arbeitsplatz: 54 Prozent – 46 Prozent

Schule: 41 Prozent – 59 Prozent

Veranstaltungen: 7 Prozent – 93 Prozent

Quelle: TU Wien, VCÖ 2020

  1. Zwei Drittel sehen Imageschaden des Öffentlichen Verkehrs durch Covid-19

Image deutlich schlechter: 14 Prozent

Image etwas schlechter: 52 Prozent

Image gleich geblieben: 27 Prozent

Image etwas verbessert: 6 Prozent

Image stark verbessert: 1 Prozent

Quelle: TU Wien, VCÖ 2020

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