In Wien wurden im Vorjahr die meisten Handy-am-Steuer Sünder erwischt

VCÖ (Wien, 19. Februar 2016) – In Österreich wurden im Vorjahr rund 109.000 Lenkerinnen und Lenker beim Handy-Telefonieren erwischt, fast jeder vierte in Wien.  Der VCÖ weist darauf hin, dass nur ein Bruchteil der Handy-am-Steuer Vergehen geahndet werden. Dabei erhöht sich durch Telefonieren oder gar Internet-Surfen während des Autolenkens massiv die Unfallgefahr. Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille, macht der VCÖ aufmerksam. Der VCÖ fordert verbesserte Kontrollmöglichkeiten für die Exekutive und die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem.

„Im Schnitt wird in Österreich alle fünf Minuten ein Lenker beim Handy-Telefonieren am Steuer erwischt. Das klingt nach viel, aber es wird nur ein Bruchteil der Handy-Vergehen auch tatsächlich geahndet“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Im gesamten Vorjahr hat die Exekutive laut Innenministerium 109.028 Strafen für Handy-am-Steuer ausgestellt. Laut KfV werden täglich rund 900.000 Telefonate ohne Freisprecheinrichtung beim Autolenken geführt. Der VCÖ weist darauf hin, dass damit in Österreich nur einer von 3.000 Handy-Sündern bestraft wird.

Die meisten Handy-Sünder wurden im Vorjahr in Wien erwischt, nämlich 24.281. Dahinter folgen Niederösterreich (21.130), die Steiermark (20.215) und Oberösterreich (12.133). Die Unterschiede sind in erster Linie auf die Anzahl der Kontrollen zurückzuführen und nicht auf Unterschiede im Bewusstsein der Bevölkerung.

Insgesamt geht die Zahl der geahndeten Handy-Vergehen zurück. Der Rückgang dürfte eher auf die , schwierigen Kontrollmöglichkeiten für die Exekutive zurückzuführen sein als auf einen tatsächlichen Rückgang der Handy-Vergehen. Derzeit muss die Exekutive das Fahrzeug anhalten und den Handy-Sünder de facto in flagranti erwischen. Die Regierung hat angekündigt, dass in Zukunft auch der Bildbeweis für die Ahndung von Handy-Vergehen am Steuer möglich sein soll. „Diese Gesetzesänderung sollte im Interesse der Verkehrssicherheit rasch umgesetzt werden“, so VCÖ-Experte Gansterer.  Zudem fordert der VCÖ die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem.

„Viele meinen, Handy-Telefonieren wäre ein Kavaliersdelikt. Aber wer mit dem Handy am Ohr telefoniert,  reagiert so schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille“, verdeutlicht VCÖ-Experte Gansterer. Telefonieren am Steuer verlängert die Reaktionszeit durchschnittlich um 0,5 Sekunden, das Schreiben von SMS oder Bedienen von Navigationsgeräten um etwa zwei Sekunden.  Dieser Blindflug führt zu einem massiv verlängerten Anhalteweg, was im Ortsgebiet für Fußgänger und hier insbesondere für Kinder und ältere Menschen, fatale Folgen haben kann.

Im Vorjahr passierte in Österreich jeder dritte tödliche Verkehrsunfall wegen Ablenkung, informiert der VCÖ. Ablenkung und Unachtsamkeit war damit die Hauptursache der tödlichen Verkehrsunfälle. In diesem Bereich ist die Ablenkung durch Telefonieren, E-Mail oder SMS schreiben sowie Internet surfen das größte Problem.

Während des Telefonierens steigt das Unfallrisiko um das Vier- bis Fünffache, beim Schreiben von SMS oder der Eingabe einer Adresse im Navigationsgerät steigt das Unfallrisiko bis auf das 23-fache. „Die Devise sollte lauten „Don’t phone and drive“. Beim Lenken eines Fahrzeugs ist die volle Aufmerksamkeit auf den Straßenverkehr zu richten“, weist VCÖ-Experte Gansterer auf die Ergebnisse internationaler Untersuchungen hin. Auch beim Telefonieren mit Freisprechanlage erhöht sich das Unfallrisiko. Bei starker Fokussierung auf das Gespräch kann das Telefonieren zum Tunnelblick führen. Im periphären Gesichtsfeld werden während des Telefonats weniger Objekte wahrgenommen, die Reaktionszeit verlängert sich um etwa 20 Prozent.

VCÖ: Seit dem Jahr 2010 fast 180.000 Lenker beim Handy-Telefonieren  am Steuer  erwischt (Anzahl Strafen in Wien wegen Handy am Steuer)

Jahr 2015: 24.281 Strafen für Handy-Telefonieren am Steuer
Jahr 2014: 26.753
Jahr 2013: 30.790
Jahr 2012: 34.529
Jahr 2011: 36.208
Jahr 2010: 26.844

Summe: 179.415

Quelle: BMI, VCÖ 2016

VCÖ: Die meisten Handy-Sünder wurden im Vorjahr in Wien erwischt (Anzahl Übertretungen von Handy am Steuer im Jahr 2015, in Klammer 2014)

Wien: 24.281 (26.753)
Niederösterreich: 21.130 (23.956)
Steiermark: 20.215 ( 25.875)
Oberösterreich: 12.133 (15.518)
Kärnten: 9.329 (12.292)
Tirol: 8.716 (11.101)
Salzburg: 6.679 ( 7.547)
Vorarlberg: 4.004 (4.914)
Burgenland: 2.541 (2.665)

Österreich: 109.028 (130.621)

Quelle: BMI, VCÖ 2016

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