Ausstieg aus Verbrennungsmotor bei Neuwagen ist bis spätestens 2030 machbar und nötig

Klimafreundliche Mobilitätsangebote ausbauen und verbessern!

VCÖ (Wien, 10. Oktober 2016) – Bis spätestens 2030 sollen in Deutschland keine Neuwagen mehr mit Verbrennungsmotor verkauft werden. Das fordert der deutsche Bundesrat, die Vertretung der Bundesländer. Der VCÖ hält den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor bis zum Jahr 2030 für machbar und auch nötig, um die Klimaziele von Paris erreichen zu können. Wesentlich für eine erdölfreie Mobilität sind auch der Ausbau und die weitere Verbesserung des öffentlichen Verkehrsangebots sowie eine bundesweite Infrastrukturoffensive für den Radverkehr, betont der VCÖ.

Nach Norwegen und der Niederlande wird nun auch in der Autonation Deutschland der baldige Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor von politischen Gremien gefordert. Der deutsche Bundesrat, im dem die Landesregierungen der Bundesländer vertreten sind,  hat sich für ein Ende des Verkaufs neuer Diesel- und Benzin-Pkw bis spätestens 2030 ausgesprochen.

„So wie der deutsche Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer halten auch wir es für machbar, dass spätestens im Jahr 2030 keine neuen Diesel- und Benzin-Pkw verkauft werden. Es ist sogar realistisch, dass dieser Wandel noch früher kommt. Das Tempo wird dabei zunehmend von neuen Herstellern bestimmt werden“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Neben der Zielsetzung für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor ist die Politik gefordert, auf dem Weg dorthin verbindliche Zwischenziele zu setzen.

Um massive Schäden infolge des Klimawandels zu verhindern, hat die globale Staatengemeinschaft im Klimaabkommen von Paris den Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis zum Jahr 2050 beschlossen. Für den Verkehr bedeutet das, dass in den kommenden 34 Jahren der Verkehrssektor unabhängig von Erdöl funktionieren muss. Derzeit ist kein anderer Sektor so stark vom Erdöl und damit von Erdöl-Importen abhängig wie der Kfz-Verkehr. Allein nach Österreich machten die Erdölimporte zwischen 2011 bis 2015  rund 22 Milliarden Euro aus. Österreichs Erdöl-Importe kommen zu einem großen Teil aus politisch instabilen Regionen bzw. aus Staaten, die große Mängel hinsichtlich Demokratie und Menschenrechten aufweisen. So importierte Österreich aus Saudi Arabien in diesem Zeitraum Erdöl im Umfang von fast zwei Milliarden Euro, aus Libyen im Ausmaß von rund 2,2 Milliarden Euro.

„Je weniger Erdöl der Verkehr in den nächsten Jahren verbraucht, umso besser für Österreichs Energiebilanz. Damit die Energiewende im Verkehr gelingt, reicht es aber nicht aus, die Motoren der Autos zu wechseln. Der Anteil der mit öffentlichen Verkehrsmitteln und auch mit dem Rad und zu Fuß zurückgelegten Alltagswege ist deutlich zu erhöhen. Es braucht eine umfassende Ökologisierung des Verkehrssystems sowohl in der Personenmobilität als auch im Gütertransport“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. So ist die öffentliche Erreichbarkeit von vielen regionalen Zentren in Österreich zu verbessern, in den Ballungsräumen sind die Bahnverbindungen vom Umland in die Städte auszubauen. Fast die Hälfte der alltäglichen Autofahrten ist kürzer als fünf Kilometer. Der Ausbau der Radinfrastruktur, insbesondere Schnellradwege, in Kombination mit E-Fahrrädern ermöglicht die Reduktion kurzer Autofahrten.

Im Gütertransport sind der Ausbau betrieblicher Gleisanschlüsse sowie mehr Kostenwahrheit im Lkw-Verkehr nötig. Dass mehr Kostenwahrheit ohne negative Konsequenzen für Wirtschaft und Bevölkerung möglich ist, zeigt die Schweiz: In der Schweiz wird am gesamten Straßennetz Lkw-Maut eingehoben (in Österreich nur auf zwei Prozent der Straßennetzes) und in der Lkw-Maut sind die Folgekosten für verursachte Gesundheits- und Umweltschäden enthalten. Zudem wird Diesel in der Schweiz nicht steuerlich begünstigt, sondern gleich hoch wie Eurosuper besteuert.

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