VCÖ zu Dieselgipfel: Software-Update unzureichend, "Prämie" nur ein Verkaufsgag

VCÖ: Produktion eines Autos verursacht so viel CO2 wie 25.000 bis 30.000 Kilometer Autofahren

VCÖ (Wien, 23. August 2017) – Das Ergebnis des heutigen Dieselgipfels ist unzureichend, stellt der VCÖ in einer ersten Reaktion fest. Ein Software-Update reicht nicht aus, um die gesundheitsschädlichen Emissionen der betroffenen Fahrzeuge ausreichend zu verringern. Nötig dafür ist die Nachrüstung mit einer funktionierenden Abgasreinigung. Die angekündigten Prämien sind nicht mehr als ein Marketinggag. Wenn nicht weitere Maßnahmen folgen, werden Anrainerinnen und Anrainer und auch die Autoinsassen einer starken Schadstoffbelastung ausgesetzt sein.

Ein Software-Update bringt eine viel zu geringe Reduktion der Schadstoffe, weist der VCÖ auf Messungen des Umweltbundesamts in Deutschland hin. Demnach haben sogar die neuen EURO6-Diesel-Pkw statt höchstens 80 Milligramm Stickoxide wie der Grenzwert für den Labortest vorschreibt beim Fahren auf der Straße im Schnitt 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausgestoßen und damit sechsmal so viel. Noch schmutziger sind die EURO5-Diesel-Pkw mit einem durchschnittlichen realen Ausstoß von 906 mg NOx pro Kilometer. Die EURO5 verschmutzen damit die Luft stärker als die älteren EURO4, die durchschnittlich 674 mg Stickoxide ausstoßen. „Auch nach einem Software Update liegen die Autos deutlich über den Prüfstand-Grenzwert“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Der VCÖ fordert eine Nachrüstung mit einer wirksamen und immer funktionierenden Abgasreinigung auf Kosten der Hersteller. Zudem sollen die Hersteller als Wiedergutmachung für den bisher verursachten Schaden an Gesundheit und Umwelt pro verkauftem Schmutz-Diesel-Pkw 2.500 Euro in einen Öffi-Fonds für zusätzliche Verbindungen vom Umland in die Städte einzahlen.

Die angekündigte Prämie sieht der VCÖ als Verkaufsgag. Was Autokäufer jetzt als Rabatt bekommen, wird in Zukunft als Prämie bezeichnet. Zudem weist der VCÖ darauf hin, dass die Produktion eines Autos etwa so viele klimaschädliche Treibhausgase verursacht wie 25.000 bis 30.000 Kilometer Autofahren

„Stickoxide sind zwar unsichtbar, sie verursachen aber massive gesundheitliche Schäden. Vor allem für Kinder, Schwangere, ältere Menschen sowie Personen mit Asthma oder COPD ist eine erhöhte Stickstoffdioxid-Belastung extrem schädlich“, macht VCÖ-Expertin Rasmussen auf die Gesundheitsfolgen von hohen Stickoxid-Emissionen aufmerksam. Die massiv erhöhten Stickoxid-Emissionen verursachen Erkrankungen, belasten das Gesundheitssystem und durch vermehrte Krankenstände auch die Wirtschaft.

"Je früher der Ausstieg aus Diesel und Benzin gelingt, umso besser für die Luftqualität und unser aller Gesundheit“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Der VCÖ spricht sich für einen Ausstiegsplan aus. Dieser soll festlegen, ab wann keine Neuwagen mehr mit Diesel- und Benzinmotor mehr verkauft werden sollen. Realistisch ist dafür das Jahr 2030.