VCÖ: Wiens Haushalte haben niedrigste Mobilitätsausgaben

VCÖ: Dichteres Öffentliches Verkehrsnetz mit häufigeren Verbindungen nötig

VCÖ (Wien, 20. Oktober 2016) – Die Unterschiede bei den Ausgaben für Mobilität sind zwischen Österreichs Bundesländern groß und in den vergangenen fünf Jahren größer geworden. Der VCÖ weist darauf hin, dass die Wiener Haushalte mit durchschnittlich 3.385 Euro pro Jahr die niedrigsten Mobilitätskosten haben. In Niederösterreich sind die Ausgaben mit 6.205 Euro am höchsten. Auffallend ist, dass Österreichs Haushalte im Schnitt für das Auto mehr Geld ausgeben als für die Ernährung und sogar zwölf Mal so viel wie für Bildung. Der VCÖ fordert ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz mit häufigeren Verbindungen. Die regionalen Zentren sollen gut mit Bahn und Bus erreichbar sein.

Während der Anteil der Haushaltsausgaben für das Wohnen in allen Bundesländern konstant ist, sind die Unterschiede bei den Verkehrsausgaben sehr groß, macht der VCÖ aufmerksam. Laut Statistik Austria gehen bei den Wiener Haushalten 10,6 Prozent ihrer Ausgaben in die Mobilität , bei Burgenlands Haushalten ist der Verkehrsanteil mit 16,3 Prozent um fast zwei Drittel höher.

„Auch in absoluten Zahlen geben die Wiener Haushalte am wenigsten für Mobilität aus. Pro Jahr zahlt ein Haushalt in der Bundeshauptstadt im Schnitt 3.385 Euro für seine Mobilität“, berichtet VCÖ-Experte Markus Gansterer. In Wien kommen die Vorteile der Stadt mit kürzeren Wegstrecken und dem dichten Öffi-Netz zum tragen. In Niederösterreich wenden die Haushalte im Schnitt 6.205 Euro pro Jahr für ihre Mobilität auf, in Oberösterreich sind es 5.800 Euro und im Burgenland 5.485 Euro. Beim Vergleich der absoluten Werte sind die unterschiedlichen Haushaltsgrößen zu berücksichtigen. So wohnen in 100 Haushalten in Wien 195 Personen, im Burgenland 217 und in Niederösterreich 240 Personen. Die so genannten Äquivalenzausgaben (gewichtete Pro-Kopf Ausgaben) berücksichtigen die unterschiedlichen Haushaltsgrößen. Auch unter Berücksichtigung der Haushaltsgröße hat Niederösterreich die höchsten Ausgaben für Verkehr und Wien die niedrigsten.

Die Unterschiede bei den Verkehrsausgaben werden zudem zwischen den Bundesländern zunehmend größer. Heute geben beispielsweise die burgenländischen Haushalte im Schnitt rund 2.100 Euro pro Jahr mehr für ihre Mobilität aus als die Wiener Haushalte, vor fünf Jahren betrug die Differenz nur rund 1.200 Euro – und das, obwohl im gleichen Zeitraum die Personenanzahl pro Haushalt in Wien gestiegen und im Burgenland gesunken ist. 

„Viele Alltagswege mit Öffis, zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbörse“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Öffentlicher Verkehr, Gehen und Radfahren haben gemeinsam einen Anteil von 73 Prozent an der Alltagsmobilität der Wienerinnen und Wiener. Doch auch in Wien verschlingt das Auto 85 Prozent der Mobilitätsausgaben, im Österreich-Schnitt sind es sogar 95 Prozent.

Der VCÖ spricht sich für den verstärkten Ausbau des Öffentlichen Verkehrs sowie für häufigere Verbindungen auch in den Regionen aus. „Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten nimmt zu, ebenso die Teilzeitarbeit. Deshalb ist es wichtig, dass es auch außerhalb der klassischen Pendlerzeiten mehr und regelmäßige Verbindungen gibt“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Neben den Landeshauptstädten sollen auch Österreichs 124 regionale Zentren gut mit dem Öffentlichen Verkehr erreichbar sein. In den regionalen Zentren wohnen insgesamt nicht nur 1,5 Millionen Menschen, es pendeln auch rund 700.000 aus dem Umland zur Arbeit und zur Schule ein.

Ein Kostentreiber für den Verkehr ist auch die Zersiedelung. Die Wege zur Arbeit oder zum Einkaufen sind dadurch länger. Je zersiedelter eine Region ist, umso höher die Abhängigkeit vom Auto. „Orte, die die Nahversorgung stärken und zentrumsnahen Wohnraum fördern, beleben nicht nur ihre Ortszentren, sondern verringern auch die Mobilitätskosten der Haushalte“, so VCÖ-Experte Gansterer.

VCÖ: Wiener Haushalte haben niedrigste Verkehrsausgaben (Jahresausgaben für Mobilität pro Haushalt – in Klammer Anteil des Verkehrs an den Haushaltsausgaben)

Wien: 3.385,- Euro pro Jahr (10,6 Prozent der Haushaltsausgaben)

Kärnten: 4.885,- (13,8 Prozent)

Salzburg: 5.080,- (13,4 Prozent)

Steiermark: 5.305,- Euro (15,2 Prozent)

Burgenland: 5.485,- Euro (16,3 Prozent)

Vorarlberg: 5.520,- (14,4 Prozent)

Tirol: 5.660,- Euro (15,3 Prozent)

Oberösterreich: 5.800,- Euro (15,4 Prozent)

Niederösterreich: 6.205,- Euro (15,8 Prozent)

Österreich: 5.100,- Euro (14,2 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016

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