VCÖ: Verkehr in Österreich nicht auf Klimakurs

VCÖ: Große regionale Unterschiede, aber alle Bundesländer müssen handeln

VCÖ (Wien, 18. Mai 2017) – Österreichs Personenmobilität kommt derzeit den Klimazielen nicht näher, wie eine heute präsentierte VCÖ-Publikation zeigt. Steigender Verkehrsaufwand auch infolge von Zersiedelung, sinkender Pkw-Besetzungsgrad bei gleichzeitig schwerer und stärker werdender Pkw-Flotte, weiterhin hoher realer Spritverbrauch machen Einsparungen durch steigenden Bahn- und Radverkehr wieder zunichte. Der VCÖ drängt auf umfassende Maßnahmen, um die klimaschädlichen Emissionen des Verkehrs zu reduzieren.

„Österreich steckt beim Klimaschutz im Verkehr im Stau. Ohne weitergehende und grundlegende Maßnahmen wird Österreich seine Klimaziele klar verfehlen“, fasst VCÖ-Experte Markus Gansterer die Ergebnisse der aktuellen VCÖ-Publikation „Personenmobilität auf Klimakurs bringen“ zusammen. In keinem anderen Sektor sind in den vergangenen 25 Jahren die klimaschädlichen Emissionen so stark gestiegen wie im Verkehr. Das Klimaabkommen von Paris bedeutet, dass bis zum Jahr 2050 die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs von derzeit mehr als 22 Millionen Tonnen auf 0,7 bis maximal 2,7 Millionen Tonnen zu reduzieren sind.

Allein der Autoverkehr sowie Mopeds und Motorräder sind für rund 12 Millionen Tonnen Treibhausgase verantwortlich, um rund ein Drittel mehr als noch im Jahr 1990. Diese Steigerung ist nicht auf den Kraftstoffexport („Tanktourismus“) zurückzuführen, sondern auf die Zunahme des Pkw-Verkehrs in Österreich.

Etliche Entwicklungen führen zu einer Zunahme der klimaschädlichen Treibhausgase, wie die VCÖ-Publikation zeigt. Die Distanzen für die Alltagswege sind infolge der Zersiedelung länger geworden, die Zahl der Pkw ist in den vergangenen 25 Jahren stark gestiegen, die Pkw werden zunehmend schwerer, die Motoren haben mehr PS, gleichzeitig fahren aber immer weniger Insassen im Auto mit, der Spritverbrauch sinkt nur am Papier deutlich, der reale Verbrauch der Pkw hat sich seit dem Jahr 2000 kaum verändert, zunehmend mehr Straßen und Parkplätze haben den Flächenverbrauch des Straßenverkehrs seit dem Jahr 1990 um rund 470 Quadratkilometer anwachsen lassen, das ist größer als die gesamte Fläche Wiens. Diese Entwicklungen machen auch Einsparungen wieder zunichte, die durch die Zunahme des Radverkehrs und des Öffentlichen Verkehrs erreicht wurden, stellt der VCÖ fest.

„Die regionalen Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß, gemeinsam haben die Bundesländer, dass die Klimabilanz des Verkehrs noch deutlich zu verbessern ist. Wien ist dem Ziel einer erdölfeien Mobilität am nächsten und nützt dabei den Vorteil, den eine Großstadt hat. Außerhalb Wiens ist Vorarlberg am Klimapfad am weitesten. Größten Aufholbedarf haben Kärnten und das Burgenland“, fasst VCÖ-Experte Gansterer zusammen.

Wien spielt als Großstadt in einer eigenen Liga. 73 Prozent der Alltagswege legt die Wiener Bevölkerung autofrei zurück. Die Wienerinnen und Wiener sind mehr Kilometer mit Öffis, Rad und zu Fuß unterwegs als hinter dem Lenkrad sitzend im Auto – auch das ist einzigartig in Österreich. Während in den anderen Bundesländern die Zahl der Autos stärker zunimmt als die Bevölkerungszahl, ist in Wien die Anzahl der Pkw pro 1.000 Personen von 403 im Jahr 2005 auf 371 im Jahr 2016 zurückgegangen. In Wien gibt es mehr Haushalte mit Fahrrad und / oder Öffi-Jahreskarte als mit Pkw. Der Flächenverbrauch des Verkehrs beträgt in Wien nur 33 Quadratmeter pro Einwohner, im Burgenland ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Verkehrsflächen mit 529 Quadratmetern österreichweit am höchsten.

„Aber auch in Wien ist noch viel zu tun, um die Klimabilanz der Mobilität zu verbessern und um das Ziel einer CO2-freien Mobilität zu erreichen. Schon heute sind viele Lösungsmöglichkeiten vorhanden. Durch die Digitalisierung ergeben sich zusätzliche Chancen für eine klimaverträglichere Mobilität“, so VCÖ-Experte Gansterer. Das Öffi-Netz weiter verdichten, die Infrastruktur für den Radverkehr deutlich ausbauen, ebenso die Sharing-Angebote, von Carsharing bis Bike-Sharing, insbesondere bei Wohnanlagen und Bahnhöfen, nennt der VCÖ als vordringliche Maßnahmen.

Und das Verkehrssystem ist umfassend zu elektrifizieren, auch der Öffentliche Verkehr hat aufzuholen. So sind in der Schweiz bereits 100 Prozent des Bahnnetzes elektrifiziert, in Österreich erst 71 Prozent. Um im Autoverkehr den Anteil der E-Mobilität rascher zu erhöhen, braucht es auf EU-Ebene niedrigere CO2-Grenzwerte. Spätestens zwischen 2025 und 2030 sollen keine neuen Diesel- und Benzin-Pkw mehr auf den Markt kommen. „So wie zuletzt in Niederösterreich der Ausstieg aus Ölheizungen beschlossen wurde, ist auch im Verkehr ein Ausstiegsplan  aus dem Erdöl nötig“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

VCÖ-Publikation "Personenmobilität auf Klimakurs bringen" beim VCÖ unter (01) 8932697 oder im Internet unter www.vcoe.at erhältlich