VCÖ-Radfahrumfrage: Jeder zweite hat bereits Autofahrten aufs Fahrrad verlagert

VCÖ: Bessere Infrastruktur, mehr Abstellplätze, verstärkte Öffnung von Einbahnen erwünscht

VCÖ (Wien, 8. Juni 2017) – Jeder fünfte Autofahrer fährt mehrmals die Woche mit dem Fahrrad, wie die diesjährige VCÖ-Radfahr-Umfrage zeigt, die vom Institut Integral durchgeführt wurde. Sieben von zehn Autofahrern fahren auch Rad. Jeder zweite Radfahrer radelt heute Strecken, die früher mit dem Auto gefahren wurden. Verbesserungsbedarf wird beim Radwegenetz, bei der Öffnung von Einbahnen für das Radfahren und bei den Radabstellanlagen gesehen. Der VCÖ fordert einen umfassenden Ausbau der Infrastruktur fürs Radfahren.

„Die Schnittmenge zwischen Autofahrern und Radfahrern ist sehr groß. Drei Viertel der Alltagsradfahrer sind auch Autofahrer, sieben von zehn Autofahrern fahren auch Rad. Das Fahrrad ist ebenso ein Individualverkehrsmittel, das jedoch deutlich weniger Platz braucht sowie kostengünstiger und umweltfreundlicher ist“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Das Institut Integral hat für die VCÖ-Radfahrumfrage 1.514 Personen repräsentativ für Österreich befragt.

Zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher fahren Rad. Fast alle nutzen das Fahrrad auch als Verkehrsmittel im Alltag, ein kleiner Teil fährt nur für Sportzwecke Rad. Jeder dritte im Alltag Radfahrende tritt mehrmals die Woche in die Pedale. Die Hälfte fährt heute Strecken mit dem Rad, die früher mit dem Auto gefahren wurden. „Neben der Umwelt profitieren auch alle, die weiterhin mit dem Auto fahren. Weniger Autos auf der Straße bedeutet weniger Staus und weniger Parkplatzprobleme“, erinnert VCÖ-Experte Gansterer. Radfahren statt Auto wird von den Umsteigern als Gewinn erlebt: 87 Prozent der Umsteiger macht das Radfahren Spaß, für 88 Prozent war auch der Gesundheitsnutzen ein Motiv für den Umstieg und 53 Prozent sind mit dem Fahrrad schneller am Ziel als mit dem Auto.

Insgesamt können in Österreich noch deutlich mehr Autofahrten auf das Fahrrad verlagert werden, macht der VCÖ aufmerksam. Um Umwege zu vermeiden, wird von jedem vierten die verstärkte Öffnung von Einbahnen für den Radverkehr gewünscht. Drei von zehn sind mit dem Netz an Radverbindungen in ihrem Wohnort unzufrieden, jeder vierte bemängelt, dass wichtige Ziele im Wohnort nicht gut und sicher mit dem Fahrrad erreichbar sind. 45 Prozent wünschen, dass das Queren von Hauptstraßen in ihrem Wohnort sicherer und einfacher wird.

Mit der Anzahl der Radfahrenden steigt auch der Bedarf an mehr und besseren Rad-Abstellmöglichkeiten. Jeder zweite ist mit Anzahl oder Qualität der Radabstellanlagen im Wohnort unzufrieden. Jeder dritte wünscht bessere Abstellmöglichkeiten bei Geschäften. Immerhin 48 Prozent machen mehrmals die Woche private Erledigungen, wie etwa Einkaufen mit dem Fahrrad. „Geschäfte und Supermärkte sollten es ihren Kundinnen und Kunden, die mit dem Rad einkaufen, leicht machen. Neben ausreichend Abstellplätzen in der Nähe des Eingangs sollten sich Supermärkte auch stärker um die gute Erreichbarkeit ihrer Geschäfte mit dem Rad kümmern“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

Verbesserungen wünschen die Radfahrerinnen und Radfahrer auch bei der Kombination von Fahrrad und Öffentlichem Verkehr. So wünschen 58 Prozent auf Strecken, die sie heute mit dem Auto fahren, Verbesserungen für die Kombination Radfahren und Öffentlicher Verkehr. Jeder Bahnhof und jede wichtige Haltestelle des Öffentlichen Verkehrs soll ausreichend und sichere Abstellplätze für Fahrräder haben sowie mit dem Fahrrad gut erreichbar sein, so der VCÖ. Für Pendlerinnen und Pendler, die eine Bahn in Radfahrdistanz haben, ist Bike & Ride eine kostengünstige Alternative zum Auto. Ideal sind auch Falträder, die wie ein Gepäckstück im Zug oder Bus mitgenommen werden können. Drei Prozent der Alltagsradfahrer haben ein Faltrad.

Der VCÖ fordert den verstärkten Ausbau der Radfahr-Infrastruktur in Österreich. Vor allem in den Ballungsräumen kann die allgemeine Verkehrssituation durch mehr Rad-Schnellverbindungen deutlich und vor allem nachhaltig verbessert werden. In den Regionen braucht es sichere Verbindungen zwischen einer Siedlung und dem nächstgelegenen Ort.

VCÖ-Radfahrumfrage durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Integral. 1.514 online Befragte, repräsentativ für Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren in Österreich.

VCÖ Radfahrumfrage 2017
VCÖ Factsheet - 2017-04 Potenzial des Radfahrens für den Klimaschutz besser nutzen

VCÖ: Sieben von zehn Autofahrern fahren Rad (Anteil Autofahrende, die Radfahren - in Klammer Anteil davon, die im Alltag Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen)

Autofahrende, die mehrmals die Woche Rad fahren: 22 Prozent (davon 97 Prozent auch im Alltag)
mehrmals im Monat Rad fahren: 23 Prozent (davon 83 Prozent auch im Alltag)
mehrmals im Jahr Rad fahren: 25 Prozent (davon 78 Prozent auch im Alltag)
Summe Autofahrer, die Rad fahren: 69 Prozent (davon 84 Prozent auch im Alltag)

Quelle: VCÖ-Radfahrumfrage 2017

VCÖ: Drei Viertel der Alltagsradfahrer sind auch Autofahrer (Anteil Alltagsradfahrende, die Autofahren)

Radfahrende, die

mehrmals die Woche Auto lenken: 59 Prozent
mehrmals im Monat: 14 Prozent
mehrmals im Jahr: 5 Prozent

Quelle: VCÖ-Radfahrumfrage 2017

VCÖ: Die Hälfte der Radfahrenden hat Autofahrten auf das Fahrrad verlagert (Gibt es Wege, die Sie in den vergangenen 5 Jahren mit Auto gefahren sind, aber jetzt mit Fahrrad? – Gruppe Alltagsradfahrende)

Ja, viele: 7 Prozent
Ja, manche: 42 Prozent
Nein, fahre grundsätzlich selten bis nie mit Auto: 15 Prozent
Nein, fahre unverändert mit Auto: 36 Prozent

Quelle: VCÖ-Radfahrumfrage 2017

VCÖ: Gesundheit, Spaß und verbesserte Infrastruktur Hauptgründe für Umstieg aufs Fahrrad (Gründe mit sehr großen bzw. großen Einfluss für Umstieg vom Auto auf das Fahrrad)

Ich möchte etwas was für meine Gesundheit tun: 88 Prozent
Radfahren macht Spaß: 87 Prozent
Mit Fahrrad schneller am Ziel: 53 Prozent
Verbesserte Infrastruktur für das Radfahren: 41 Prozent
Wechsel Arbeits-, Wohn-, Ausbildungsort: 30 Prozent
Bewusstseinskampagne, Anreize zum Radfahren: 23 Prozent
Habe kein Auto mehr: 17 Prozent
Habe E-Fahrrad zur Verfügung: 15 Prozent
Habe Transport-Fahrrad zur Verfügung: 12 Prozent

Quelle: VCÖ-Radfahrumfrage 2017

VCÖ: Mit welchen Bereichen Radfahrende unzufrieden sind:

Zuwenig bzw. mangelhafte Radabstellanlagen im Straßenraum: 50 Prozent
Gefährliches Queren von Hauptstraßen im Wohnort: 45 Prozent
Zuwenig bzw. mangelhafte Radabstellanlagen bei Geschäften: 35 Prozent
Länge des Radnetzes im Wohnort mangelhaft: 29 Prozent
Mangelnde Qualität der Radverbindungen: 29 Prozent
Wichtige Ziele im Wohnort nicht sicher und gut erreichbar: 28 Prozent
Zu wenig Einbahnen für Radfahren geöffnet: 26 Prozent

Quelle: VCÖ-Radfahrumfrage 2017