VCÖ: Pkw-Stellplatzverpflichtung verteuert das Wohnen

VCÖ: Acht von zehn Alltagswegen beginnen oder enden zu Hause

VCÖ (Wien, 25. Jänner 2017) – Wohnen wird in Österreich zunehmend teurer. Ein Kostentreiber ist auch die Pkw-Stellplatzverpflichtung. Gerade in den Städten sind die Kosten für die vorgeschriebenen Parkplätze besonders hoch, macht der VCÖ aufmerksam. Die Errichtung einer Tiefgarage kostet im Durchschnitt 15.000 Euro pro Stellplatz. Zudem steht die Pkw-Stellplatzverpflichtung im Widerspruch zu den Klimazielen und zum sich ändernden Mobilitätsverhalten in den Städten. Der VCÖ spricht sich für eine umfassende Reform der Mobilitätsvorgaben im Wohnbau aus.

Pro Jahr entstehen in Österreich rund 40.000 Wohnungen in neuen Gebäuden – und noch viel mehr Pkw-Stellplätze. Denn mit dem Bau von Wohnungen ist auch die Errichtung von Pkw-Stellplätzen verpflichtend vorgeschrieben. Laut den Bauordnungen der meisten Bundesländer ist ein Pkw-Parkplatz pro Wohnung vorgeschrieben, viele Gemeinden erhöhen die Mindestzahl auf bis zu zwei Pkw pro Wohnung.  „Die Pkw-Stellplatzverpflichtung treibt die Wohnkosten zusätzlich in die Höhe“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest.

Die Errichtung von Tiefgaragen kostet im Schnitt 15.000 Euro pro Stellplatz, in Städten sind in zentralen Gebieten auch Kosten von 20.000 Euro und mehr möglich. Eine Vorschreibung von 1,75 Pkw-Stellplätzen statt einem pro Wohnung bewirkt eine um zehn Prozent höhere Miete, macht der VCÖ aufmerksam.

„Obwohl Wohngebäude etliche Jahrzehnte stehen, werden zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich aber auch Zielsetzungen im Klima- und Energiebereich außer Acht gelassen“, kritisiert VCÖ-Experte Gansterer. Zudem wird die Zahl der Ein-Personen-Haushalte in Österreich laut Bevölkerungsprognose von rund 1,4 auf 1,6 Millionen im Jahr 2030 steigen. Vier von zehn Haushalten werden dann Ein-Personen-Haushalte sein. Statt Parkplätze für ein „Familienauto“ braucht es flexible und barrierefreie Mobilitätsangebote. Die Bereitschaft zum Carsharing steigt.

Gerade Wohnanlagen sind für Sharing-Angebote sehr gut geeignet. Erste Projekte mit E-Carsharing gibt es neben Wien unter anderem auch bereits in Innsbruck, Eisenstadt und Bregenz. In Wien gibt es zudem auch so genannte „Mobility Points“, die neben E-Carsharing auch E-Bikes, E-Mopeds und Lastenfahrräder anbieten. Der VCÖ spricht sich für den Ersatz der Pkw-Stellplatzverpflichtung durch vielfältige und zeitgemäße Mobilitätsangebote aus. Acht von zehn Alltagswegen in Österreich beginnen oder enden zu Hause. „Die Klimaziele sind nur erreichbar, wenn auch die Mobilitätsvorgaben im Wohnbau darauf ausgerichtet sind“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. 

Die Schaffung von Wohnraum soll nicht indirekt mit der Anschaffung eines Parkplatzes verbunden sein. Die Märkte für Wohnen und Parken sind wirtschaftlich zu trennen, etwa über Sammel- und Quartiersgaragen. Dass verpflichtend zu errichtende Garagen Parkplatzprobleme nicht lösen, zeigen die Leerstände in vielen teuer errichteten Tiefgaragen von Wohnhäusern.

VCÖ-Factsheet zum Thema Wohnen und Mobilität (mit Grafiken und Praxisbeispielen): www.vcoe.at

application/pdfVCÖ-Factsheet 2017-01 als PDF (2,7MB)

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