VCÖ: Österreichs Städte haben beim Radverkehr im EU-Vergleich aufzuholen

VCÖ (Wien, 16. Juni 2016) – Mit 20 Prozent Radverkehrsanteil sind Bregenz und die Stadt Salzburg Österreichs Spitzenreiter beim Radfahren. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass Österreichs Städte aber im EU-Vergleich noch viel aufzuholen haben. In Eindhoven, Groningen, Oldenburg und Houten werden bereits 40 Prozent und mehr Fahrten mit dem Rad zurückgelegt. Ein Hauptgrund für den vergleichsweise niedrigen Radverkehrsanteil in Österreich ist die mangelnde Infrastruktur. Der VCÖ spricht sich für mehr Investitionen für das Radfahren und den Bau von Rad-Highways in den Ballungsräumen aus.

 „Beim Radfahren sind Österreichs Städte vom Europameister Titel weit entfernt“, fasst VCÖ-Experte Markus Gansterer das Ergebnis einer aktuellen VCÖ-Analyse der Mobilitätserhebungen der Städte zusammen. Österreichs Spitzenreiter beim Radfahren sind Bregenz und die Stadt Salzburg mit jeweils 20 Prozent Radverkehrsanteil, Schlusslicht bei den Landeshauptstädten ist Eisenstadt mit zwei Prozent.

Die Champions beim Radfahren in Europa sind das deutsche Oldenburg sowie die niederländischen Städte Eindhoven, Groningen und Houten, wo jeweils vier von zehn Alltagswegen mit dem Rad gefahren werden, macht der VCÖ aufmerksam. Bei den Städten mit mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sind Amsterdam (32 Prozent) und Kopenhagen (30 Prozent) die Spitzenreiter. Berlin kommt auf 13 Prozent, Wien ebenso wie Dublin auf 7 Prozent, in Paris beträgt der Radverkehrsanteil 3 Prozent.

„Es ist kein Zufall, dass in Kopenhagen, Amsterdam oder Groningen so viel Rad gefahren wird. In diesen Städten wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sehr viel in eine gute Infrastruktur für das Radfahren investiert und eine radfahrfreundliche Verkehrsplanung umgesetzt“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Neben breiten Radwegen, der Bevorrangung des Radverkehrs und autofreien Zonen gibt es auch zunehmend kreuzungsfreie Hauptradouten, so genannte Rad-Highways.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass in Österreich der Radverkehrsanteil vergleichsweise niedrig ist, ist die vielerorts mangelhafte Infrastruktur für das Radfahren. Der VCÖ weist darauf hin, dass die Hälfte der täglichen Autofahrten kürzer als fünf Kilometer ist. „Wenn jedoch der einzige Weg von einer Siedlung zum nächstgelegenen Ort oder Bahnhof über eine Freilandstraße führt, auf der Autos und Lkw mit 80 km/h oder mehr unterwegs sind, ist es kein Wunder, dass selbst kurze Strecken mit dem Auto gefahren werden“, spricht sich VCÖ-Experte Gansterer für den Ausbau der Radrouten aus. Zudem sollen in den Ballungsräumen möglichst kreuzungsfreie Radverbindungen (Rad-Highways) Pendlerinnen und Pendler den Umstieg vom Auto aufs Rad erleichtern. In der Region Kopenhagen kommen bereits 45 Prozent mit dem Rad zur Arbeit oder Ausbildung. Großes Potenzial liegt zudem in der Kombination Rad und Öffentlicher Verkehr. Neben der guten Erreichbarkeit von Haltestellen und Bahnhöfen mit dem Rad, braucht es dort auch ausreichend wettergeschützte und sichere Radabstellplätze.

Innerhalb des Ortsgebiets ist mehr Platz für das Radfahren zu schaffen, Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 ermöglichen  mehr Menschen das Radfahren. Investitionen in Radwege schaffen doppelt so viele Arbeitsplätze wie die gleiche Summe in den Autobahnbau, macht der VCÖ aufmerksam. Pro Milliarde Euro schaffen Investitionen in die Radfahrinfrastruktur und in Verkehrsberuhigung direkt rund 11.500 Arbeitsplätze, für Autobahnen und Schnellstraßen hingegen nur 5.800 Jobs. „Die Förderung des Radverkehrs verbessert die Luftqualität in den Städten, ermöglicht der Bevölkerung eine gesunde und kostengünstige Mobilität, verringert die Staus und bringt Österreich seinen Klimazielen Stück näher“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

VCÖ: Amsterdam und Kopenhagen sind Europas Rad-Champion bei größeren Städten (Radverkehrsanteil Städte über  500.000 Einwohnerinnen und Einwohner)

Amsterdam: 32 Prozent
Kopenhagen: 30 Prozent
Bremen: 25 Prozent
Antwerpen: 23 Prozent
Hannover: 19 Prozent
Leipzig: 17 Prozent
Rotterdam: 16 Prozent
Köln: 15 Prozent
München: 14 Prozent
Berlin: 13 Prozent
Hamburg: 12 Prozent
Helsinki: 11 Prozent

Weitere Städte:

Wien: 7 Prozent
Dublin: 7 Prozent
Göteborg: 7 Prozent
Sevilla: 6 Prozent
Oslo: 5 Prozent
Warschau: 4 Prozent
Paris: 3 Prozent
Stockholm: 2 Prozent
London: 2 Prozent
Budapest: 2 Prozent
Athen: 2 Prozent

Quelle: Epomm, VCÖ 2016

VCÖ: Mehr als 40 Prozent Radverkehrsanteil sind möglich (Radverkehrsanteil Städte bis 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner)

Houten (Niederlande): 44 Prozent
Oldenburg (Deutschland): 43 Prozent
Eindhoven (Niederlande): 40 Prozent
Groningen (Niederlande): 40 Prozent
Oss (Niederlande): 39 Prozent
Münster (Deutschland): 38 Prozent
Kardista (Griechenland): 35 Prozent
Delft (Niederlande): 34 Prozent
Leiden (Niederlande): 33 Prozent
Zwolle (Niederlande): 30 Prozent
Emden (Deutschland): 30 Prozent
Shkoder (Albanien): 29 Prozent
Bozen (Italien): 29 Prozent
Apeldoorn (Niederlande): 28 Prozent
Amerfoort (Niederlande): 28 Prozent
Uppsala (Schweden): 28 Prozent
Brügge (Belgien): 28 Prozent
Odense (Dänemark): 28 Prozent

Österreichs Landeshauptstädte:

Salzburg: 20 Prozent
Bregenz: 20 Prozent
Innsbruck: 17 Prozent
Klagenfurt: 17 Prozent
Graz: 15 Prozent
St. Pölten: 11 Prozent
Linz: 7 Prozent
Eisenstadt: 2 Prozent

Quelle: Epomm, VCÖ 2016

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