VCÖ: Österreich hat beim Straßenverkehr 3. höchste CO2-Emissionen der EU

VCÖ: Mit ökologischer Steuerreform sowie mehr Bahn und Bus Verkehr auf Klimakurs bringen

VCÖ (Wien, 6. November 2017) – Österreich ist beim Straßenverkehr bei weitem kein Umweltmusterland. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass die CO2-Emissionen des Straßenverkehrs im EU-Vergleich am dritthöchsten sind. Mit 2.490 Kilogramm CO2 pro Kopf sind die Emissionen um rund 50 Prozent höher als im EU-Schnitt. Der im Vergleich zu den Nachbarländern billige Sprit führt nicht nur zu Tanktourismus durch Lkw, sondern verursacht auch mehr Autoverkehr in Österreich. Der VCÖ betont, dass Österreich rasch eine ökologische Steuerreform und einen verstärkten Ausbau des Öffentlichen Verkehrsnetzes braucht, um den Verkehr auf Klimakurs zu bringen.

Der Straßenverkehr in Österreich ist im EU-Vergleich ein besonders großer CO2-Sünder, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. Im Schnitt verursacht der Kfz-Verkehr in der EU pro Kopf 1.670 Kilogramm klimaschädliches CO2. In Österreich sind es mit 2.490 Kilogramm um rund 50 Prozent mehr als im EU-Schnitt, macht der VCÖ am heutigen Beginn der Klimakonferenz in Bonn aufmerksam. Österreich weist beim Kfz-Verkehr nach Luxemburg und Slowenien pro Kopf die dritthöchsten CO2-Emissionen auf. Im Vergleich zu Deutschland sind die Pro-Kopf-Emissionen des Kfz-Verkehrs um ein Drittel höher, im Vergleich zur Schweiz sind sie um rund 40 Prozent höher.

Die vom Lkw-Verkehr verursachten CO2-Emissionen haben sich in Österreich seit dem Jahr 1990 von 4,2 auf 9,5 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. „Österreich belohnt die Transit-Lkw mit billigem Diesel. Damit wird nicht nur die CO2-Bilanz verschlechtert, sondern auch zusätzlicher Lkw-Verkehr angezogen. Leidtragende sind die Anrainerinnen und Anrainer entlang der Transitrouten“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Auf den steigenden Umwegtransit hat letzte Woche auch Tirols Landeshauptmann Gerald Plattner hingewiesen.

Aber Österreichs schlechte CO2-Bilanz des Kfz-Verkehrs ist nicht nur die Folge von Tanktourismus. Auch der Inlandverkehr hat massiv zugenommen, weist der VCÖ auf die Daten des Umweltbundesamts hin. So sind die mit dem Pkw in Österreich gefahrenen Personenkilometer seit dem Jahr 1990 um 41 Prozent und die Fahrzeugkilometer sogar um 66 Prozent gestiegen. Die Fahrzeugkilometer steigen deshalb stärker, weil der Besetzungsgrad gesunken ist. Während im Jahr 1990 in 100 Pkw im Schnitt 140 Personen unterwegs waren, sind es heute nur mehr 115. „Die Autos werden zwar immer breiter und schwerer, in rund 90 Prozent der Autos ist aber nur der Sitz hinter dem Lenkrad besetzt“, so VCÖ-Expertin Rasmussen.

Auch die Entwicklung der Spritpreise haben Auswirkungen auf die Verkehrsentwicklung. Wenn Spritpreise steigen, nimmt der Autoverkehr ab. Ebenso ist es umgekehrt, bei sinkenden Spritpreisen steigt der Autoverkehr. Diesel und Eurosuper kosten heute um rund 35 Cent pro Liter weniger als vor fünf Jahren, macht der VCÖ aufmerksam.

Um den Verkehr auf Klimakurs zu bringen, braucht Österreich eine umfassende ökologische Steuerreform, betont der VCÖ. Umweltfreundliches Verhalten ist zu belohnen. Während Energie- und Ressourcenverbrauch höher zu besteuern ist, sind Steuern auf Arbeit zu senken. Darüber hinaus ist das umweltfreundliche Mobilitätsangebot massiv auszubauen. So soll jede Bezirkshauptstadt und jedes regionale Zentrum gut mit der Bahn erreichbar sein. In den Ballungsräumen sind häufigere Verbindungen nötig.

Weiters ist betriebliches Mobilitätsmanagement zu forcieren, um den Auto-Pendlerverkehr zu verringern. Und um den Einkaufsverkehr auf Klimakurs zu bringen, ist die Nahversorgung zu stärken und der Bau von Supermärten und Einkaufszentren am Ortsrand zu unterbinden.

VCÖ: Beim Straßenverkehr hat Österreich 3. höchste CO2-Emissionen in der EU
(CO2-Emissionen in Kilogramm pro Kopf durch Kfz-Verkehr im Jahr 2015)
Luxemburg: 9.770 kg CO2 pro Einwohner
Slowenien: 2.540 kg
Österreich: 2.490 kg
Irland: 2.370 kg
Belgien: 2.260 kg
Zypern: 2.150 kg
Dänemark: 2.000 kg
Finnland: 1.880 kg
Deutschland: 1.860 kg
Frankreich: 1.860 kg
Niederlande: 1.730 kg
Schweden: 1.700 kg
Spanien: 1.680 kg
Großbritannien: 1.680 kg
Estland: 1.670 kg
Litauen: 1.660 kg
Italien: 1.620 kg
Tschechien: 1.610 kg
Portugal: 1.480 kg
Lettland: 1.450 kg
Griechenland: 1.350 kg
Kroatien: 1.350 kg
Malta: 1.320 kg
Bulgarien: 1.230 kg
Ungarn: 1.200 kg
Polen: 1.180 kg
Slowakei: 1.170 kg
Rumänien: 750 kg
EU28: 1.670 kg
Schweiz: 1.760 kg
Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2017