VCÖ: Neue britische Studie zeigt enorme Unterschiede zwischen Lkw-Modellen bei "toten Winkel"

VCÖ (Wien, 26. Juli 2016) – Bei den Lkw-Modellen gibt es sehr große Unterschiede hinsichtlich des „toten Winkels“, wie eine heute veröffentlichte europäische Studie zeigt. Der „tote Winkel“ bei Lkw ist Ursache für viele schwere und tödliche Fußgänger- und Radfahrerunfälle, macht der VCÖ aufmerksam. Insgesamt werden in der EU fast 1.000 Fußgänger und Radfahrer pro Jahr durch Lkw tödlich verletzt. Der VCÖ und sein europäischer Dachverband T&E fordern rechtliche Vorgaben, damit Lkw für die schwächsten Verkehrsteilnehmer sicherer werden.

In Österreich sind Lkw in rund drei Prozent der Verkehrsunfälle mit Personenschaden beteiligt, der Anteil an den tödlichen Unfällen ist mit rund 14 Prozent fast fünf Mal so hoch, macht der VCÖ aufmerksam. „Wenn es zu einem Unfall kommt, sind Lkw ein tödlicher Gegner“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Allein im Vorjahr starben in Österreich 66 Menschen bei Verkehrsunfällen mit Lkw-Beteiligung. Damit waren Lkw in jedem 7. tödlichen Verkehrsunfall beteiligt, macht der VCÖ aufmerksam.

„Lkw mit einem großem „toten Winkel“ sind ein enormes Sicherheitsrisiko für die schwächsten Verkehrsteilnehmer, wie Fußgänger, Radfahrer und hier insbesondere für Kinder und ältere Menschen.  „Einzelne Modelle zeigen, dass es möglich ist Lkw so zu konstruieren, dass sie für den Fahrer auch ohne Spiegel de facto keine uneinsehbaren Bereiche aufweisen“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

Eine heute von Transport & Environment, dem europäischen Dachverband des VCÖ veröffentlichte Studie zeigt, dass bei den 40 Tonnen Lkw manche Modelle einen doppelt so großen toten Winkel aufweisen wie das beste Modell. In den im Ortsgebiet häufig eingesetzten Liefer-Lastwagen reicht der Unterschied bei den untersuchten Modellen von de facto kein „toter Winkel“ bis zu einem nicht direkt einsehbaren Bereich von insgesamt 2,7 Metern. Bei der britischen Studie wurden die am häufigsten verkauften neuen Lkw-Modelle untersucht.

Vor allem beim rechts Abbiegen der Lkw kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen, weil Fußgänger oder Radfahrer vom Lkw-Fahrer nicht gesehen werden. „Die Lösung liegt bei  Niederflur-Fahrerkabinen“, erklärt VCÖ-Experte Gansterer. Ein Lenker von Lkw mit „Low entry“-Kabine hat ein gutes Sichtfeld, was die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls infolge des toten Winkels drastisch senkt. Die Sitzhöhe des Fahrers – umso höher, umso schlechter – ist ein kritischer Faktor beim Sichtfeld des Fahrers, um eine Verkehrssituation genauestens überblicken zu können, so die Studie.

Der VCÖ und sein europäischer Dachverband „Transport & Environment“ setzen sich dafür ein, dass alle Klein-Lkw und Lieferwagen solche Niederflur-Fahrerkabinen erhalten, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass alle anderen Lkw-Typen zumindest mit Fahrerkabinen, mit den zurzeit besten Bedingungen und minimalsten toten Winkeln, ausgestattet werden. Die Europäische Kommission erarbeitet zurzeit neue Sicherheitsbestimmungen für Fahrzeuge. Doch die Vorgaben für ein verbessertes Sichtfeld für neuzugelassene Lastkraftwagen sollen demnach erst ab Jahr 2028 gelten. „Wir können nicht bis zum Jahr 2028 warten, während zwischenzeitlich weitere Menschen wegen des „toten Winkels“ sterben. Wir müssen viel schneller handeln. Die Lösung liegt auf der Hand: Wir brauchen klar definierte Richtlinien für das Sichtfeld der Lkw-Lenker.“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

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