VCÖ: Mobilitätsverhalten der Frauen ist sicherer und umweltfreundlicher

VCÖ (Wien, 6. März 2015) – Der Anteil der Frauen, die umweltfreundlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß und mit dem Rad mobil sind, ist höher als jener der Männer, macht der VCÖ aufmerksam. Damit sind Frauen auch deutlich sicherer mobil als Männer: Bei Verkehrsunfällen verunglücken fast drei Mal so viele Männer tödlich wie Frauen. Der VCÖ fordert angesichts zunehmender Teilzeitarbeit und flexiblerer Arbeitszeiten mehr öffentliche Verkehrsverbindungen auch tagsüber und an den Tagesrandzeiten. Zudem ist die Radfahrinfrastruktur deutlich zu verbessern.

„Wären Männer so verkehrssicher unterwegs wie Frauen, wäre in Österreich im Vorjahr die Zahl der Verkehrstoten um rund 150 niedriger gewesen“, stellt VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer fest. Die VCÖ-Analyse zeigt, dass im Zeitraum 2010 bis zum 1. Halbjahr 2014 insgesamt 2.299 Menschen bei Verkehrsunfällen in Österreich ums Leben gekommen sind. Fast drei Viertel davon waren Männer.

Der VCÖ weist darauf hin, dass bei allen Mobilitätsformen die Zahl der tödlich verunglückten Männer höher ist als bei Frauen. Am geringsten ist der Unterschied beim zu Fuß gehen: 208 Männer kamen im Untersuchungszeitraum als Fußgänger bei Verkehrsunfällen ums Leben und 182 Frauen. Bei den Pkw-Insassen verunglückten jedoch fast drei Mal so viele Männer wie Frauen tödlich, beim Radfahren waren es doppelt so viele Männer und beim Moped sieben Mal so viele Männer.

Die höhere Verkehrssicherheit von Frauen ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: Frauen legen einen höheren Anteil ihrer Alltagswege in der Kombination von Gehen, Öffentlichen Verkehr und Radfahren zurück, eine Kombination die nicht nur umweltfreundlicher und gesünder, sondern auch sicherer ist. Und besonders gefährliche Verkehrsdelikte, wie Alkohol am Steuer und Raserei, werden vor allem von Männern begangen. So sind rund neun von zehn Alko-Lenkern Männer.

Für vier Bundesländer – Vorarlberg, Tirol, Wien und Niederösterreich – liegen Detaildaten zum Mobilitätsverhalten von Männern und Frauen vor. Auffallend ist, dass Frauen insgesamt mehr Alltagswege zurücklegen als Männer. In allen vier Bundesländern sind Frauen häufiger in der Kombination von Öffentlichen Verkehr,  Gehen und  Radfahren unterwegs und fahren weniger mit dem Auto.

„Von einem schlechten öffentlichen Verkehrsangebot sowie schlechten Bedingungen zum Gehen sind Frauen stärker betroffen“, betont VCÖ-Experte Gansterer. In vielen ländlichen Regionen ist die einzige Verbindung zwischen Siedlungen und dem nächstgelegenen Ort eine Freilandstraße, wo Lkw und Pkw mit 80 km/h oder mehr fahren. Es fehlt sehr häufig ein Geh- und Radweg. Zudem orientieren sich oft die öffentlichen Verkehrsverbindungen an den klassischen Arbeitszeiten von früher, auf Teilzeitarbeit wird wenig bis gar keine Rücksicht genommen. Auch davon sind Frauen aufgrund des deutlich höheren  Anteils von Teilzeitarbeit stärker betroffen.  Der VCÖ fordert einen stärkeren Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und häufigere Verbindungen auch tagsüber sowie am Abend und am Wochenende.

 

VCÖ: Frauen haben höhere Verkehrssicherheit (tödlich Verunglückte Frauen / Männer in Österreich, Zeitraum Jahr 2010 bis 1. Halbjahr 2014)

Pkw-Insassen: 330 tödlich verunglückte Frauen / 829 tödlich verunglückte Männer

Zu Fuß gehen: 182 / 208

Radfahren: 60 / 135

Motorrad:  16 / 297

Moped:  9 / 68

Sonstige: 20 / 145

Gesamt: 617 tödlich verunglückte Frauen / 1.682 verunglückte Männer

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015