VCÖ: Mehr Klimaschutz im Verkehr verringert die Gesamtkosten der Mobilität

VCÖ: Umfassende Ökologisierung des Steuersystems in Österreich nötig

VCÖ (Wien, 23. August 2017) – Der Verkehr ist nicht nur Österreichs größtes Klimaschutzproblem, sondern auch ein großer Kostenfaktor, wie eine heute mit Wirtschaftsforscher Karl Aiginger präsentierte VCÖ-Publikation zeigt. Allein Österreichs private Haushalte geben pro Jahr mehr als 18 Milliarden Euro für das Auto aus. Der Pkw-Verkehr in Österreich verursacht zudem zusätzliche externe Kosten von mehr als zehn Milliarden Euro. Und die Ölimporte für den Verkehr betrugen seit dem Jahr 2010 mehr als 30 Milliarden Euro. Eine klimaverträgliche Verkehrspolitik kann die Kosten des Verkehrs deutlich reduzieren, so ein Ergebnis der VCÖ-Publikation.

"Die Verlagerung von Autofahrten auf Öffentlichen Verkehr, Radfahren und bei sehr kurzen Strecken auf Gehen verbessert nicht nur die Umweltbilanz, sondern verringert auch die Kosten des Verkehrs und hat positive ökonomische Effekte auf Beschäftigung und Wohlstand", fasst VCÖ-Experte Markus Gansterer ein zentrales Ergebnis der heute präsentierten VCÖ-Publikation "Ausgeblendete Kosten des Verkehrs" zusammen. Der Leiter der Europäischen Querdenkerplattform, Univ.Prof. Karl Aiginger ergänzt: "Eine klimaverträgliche Verkehrspolitik kann und muss so erfolgen, dass sozialer Ausgleich, Schaffung von Arbeitsplätzen und wirtschaftliche Dynamik sogar begünstigt werden."

In Summe geben Österreichs Haushalte laut Konsumerhebung rund 18 Milliarden Euro pro Jahr für das Auto aus. Im Schnitt fließen 14 Prozent des Haushaltseinkommens in das Auto – dreieinhalb Mal so viel wie für Gesundheit und 13 Mal so viel wie für Bildung, verdeutlicht der  VCÖ.

Zusätzlich kostet der Pkw-Verkehr in Österreich weitere 10,7 Milliarden Euro pro Jahr, die nicht beim Autofahren bezahlt werden, wie die VCÖ-Publikation zeigt. Dazu zählen Folgeschäden durch Verkehrsunfälle, Verkehrslärm und Schadstoffe sowie Klimaschäden. Nicht inkludiert sind darin Staukosten.

Der Dieselskandal verdeutlicht, wie Gesundheitsschäden an die Allgemeinheit ausgelagert werden. Stickoxide führen zu Atemwegserkrankungen und Lungenschäden und belasten das Gesundheitssystem. Selbst neue Diesel-Pkw der Schadstoffklasse EURO6 stoßen laut deutschem Umweltbundesamt sechs Mal so hohe Stickoxid-Emissionen aus wie der Grenzwert beim Labortest vorschreibt. Es ist inakzeptabel, wenn die Abgasreinigung nur über 15 Grad Celsius funktioniert. Gerade in der kalten Jahreszeit ist die Schadstoffbelastung ohnedies sehr hoch, ist für den VCÖ das Ergebnis des Dieselgipfels völlig unzureichend. "Der Verbrennungsmotor ist mit den Klimazielen nicht vereinbar", stellt Univ.Prof. Karl Aiginger fest.

Pro Personenkilometer verursachen Diesel- und Benzin-Pkw im Schnitt zudem 13 Mal so viele Treibhausgas-Emissionen wie die Bahn und viereinhalb Mal so viele wie E-Pkw mit österreichischem Strommix. Mit der Verlagerung von einer Milliarde Personenkilometern vom Auto auf die Bahn werden die externen Kosten um rund 103 Millionen Euro verringert.

Die indirekte Subventionierung des Autoverkehrs nach dem Gießkannenprinzip trägt nicht zu mehr sozialer Gerechtigkeit bei, wie die VCÖ-Publikation zeigt. Haushalte mit hohem Einkommen profitieren am stärksten, weil sie mehr Auto fahren. Während nur neun Prozent der Haushalte des höchsten Einkommensviertels autofrei sind, ist der Anteil der autofreien Haushalte bei dem Bevölkerungsviertel mit dem niedrigsten Einkommen mit 44 Prozent rund fünfmal so hoch. Auch vom Pendelpauschale profitieren vor allem einkommensreiche Haushalte: Nur drei Prozent vomPendelpauschale erhält das Bevölkerungsviertel mit dem niedrigsten Einkommen, das Bevölkerungsviertel mit dem höchsten Einkommen bekommt mit 38 Prozent ein 13-Mal so großes Stück von der Pendelförderung.

Auch der Lkw-Verkehr wälzt große Teile seiner Kosten auf die Allgemeinheit ab. Insgesamt betragen die nicht von den Lkw bezahlten Schäden durch Abgase, Treibhausgase, Lärm und Verkehrsunfälle in Österreich rund 2,2 Milliarden Euro pro Jahr.

Zudem ist im Lkw-Verkehr Sozialdumping weit verbreitet. Lkw werden in anderen Staaten angemeldet, wo Sozialstandards, Löhne und Sozialversicherungsbeiträge niedriger sind („ausflaggen“). Auch Nichteinhaltung von Ruhezeiten und Tempolimits sorgen für eine Wettbewerbsverzerrung. Die VCÖ-Publikation zeigt, dass eine Verlagerung von einer Milliarde Tonnenkilometer von der Straße auf die Bahn die externen Kosten um rund 38 Millionen Euro verringert.

Das UN-Klimaabkommen von Paris bedeutet, dass weltweit Lösungen für eine erdölfreie, klimaverträgliche Mobilität nachgefragt werden. Frankreich und Großbritannien haben mit dem Jahr 2040 bereits ein konkretes Datum für den Ausstieg aus Diesel und Benzin genannt. Auf EU-Ebene wird eine Zero-Emission Quote für Pkw-Hersteller diskutiert. „Wenn sich Österreichs innovative Zulieferindustrie auf die sich ändernde Nachfrage rasch einstellt, hat Österreich im Export einen Vorsprung. Ein Vorsprung, der neue Jobs schafft“, betont VCÖ-Experte Gansterer. In Österreichs Fahrzeugindustrie sind derzeit rund 32.500 Personen beschäftigt.

In Österreich ist der Anteil der Ökosteuern an den Steuereinnahmen von 10,2 Prozent im Jahr 2005 auf 9,0 Prozent im Jahr 2015 gesunken. Um den Verkehr auf Klimakurs zu bringen, braucht es eine ökologische Steuerreform, betont der VCÖ. Steuern auf Arbeit sind zu senken, der Verbrauch von Energie und Ressourcen ist höher zu besteuern. Ökologisch kontraproduktive Förderungen, wie die Steuerbegünstigung auf Diesel und Dienstwagen oder die Mehrwertsteuerbefreiung von Flugtickets und Kerosin sind abzuschaffen.

„Ein Ausstieg aus Benzin und Diesel ist bei Neuwagen ab dem Jahr 2030 realistisch. Damit werden auch die Kosten für die teuren Erdölimporte stark reduziert“, weist VCÖ-Experte Gansterer auf einen weiteren ökonomische Nutzen hin. Allein im Zeitraum 2010 bis 2015 kosteten Österreich die Erdölimporte für den Verkehr rund 34 Milliarden Euro.

Die VCÖ-Publikation „Ausgeblendete Kosten des Verkehrs“ ist unter www.vcoe.at und beim VCÖ unter (01) 8932697 erhältlich.