VCÖ: Mehr als 82.000 Verkehrstote in Österreich seit dem Jahr 1961

VCÖ (Wien, 30. Oktober 2013) – Dieser Tage wird den Verstorbenen gedacht. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass in Österreich allein durch Verkehrsunfälle seit dem Jahr 1961 mehr als 82.000 Menschen ums Leben kamen. Die meisten tödlichen Unfälle gab es in den 70er Jahren. Die Zahl der Verkehrstoten ist seither stark zurückgegangen, im Vergleich zu den sichersten Staaten Europas ist die Zahl der Opfer des Straßenverkehrs aber hoch. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen gegen die Hauptursachen tödlicher Unfälle, wie Schnellfahren und Ablenkung.

„Verkehrsunfälle reißen Menschen aus ihrem Leben. Väter, Mütter, Kinder, Großeltern, Freunde, Arbeitskollegen. Für Angehörige ist der Unfalltod besonders schlimm. Ein Mensch, mit dem man gestern noch gelacht hat, ist plötzlich nicht mehr da“, macht VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek auf den Schmerz der Angehörigen von Unfallopfern aufmerksam.

Der Straßenverkehr hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten sehr viel Trauer verursacht. Der VCÖ weist darauf hin, dass Verkehrsunfälle in Österreich seit dem Jahr 1961 das Leben von 82.437 Menschen ausgelöscht haben. Damit starben mehr Menschen bei Verkehrsunfällen als Bregenz und St. Pölten gemeinsam Einwohner haben, verdeutlicht der VCÖ. Die meisten Todesopfer waren im Jahr 1972 mit 2.948 zu beklagen. Die VCÖ-Analyse zeigt, dass die 70er Jahre die blutigsten im Straßenverkehr waren. Im Schnitt wurden in den 70er Jahren jährlich 2.443 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet, in den 60er Jahren waren es im Schnitt jährlich 2.011 Todesopfer.

Die Ursache für den extrem hohen Blutzoll war die Massenmotorisierung. Die Zahl der Autos hat sich zwischen 1961 und 1975 auf mehr als 1,7 Millionen vervierfacht – ohne dass entsprechende Verkehrssicherheitsmaßnahmen gesetzt wurden, erklärt der VCÖ. Erst im November 1973 wurde Tempolimit 100 auf Freilandstraßen eingeführt, im Mai 1974 folgte Tempolimit 130. „Die Tempolimits wurden infolge der Erdölkrise eingeführt, um den Spritverbrauch zu verringern. Heute wie damals gilt: Niedrigere Tempolimits haben einen Mehrfachnutzen, erhöhen die Verkehrssicherheit und verringern den Spritverbrauch, die Schadstoffbelastung und den Verkehrslärm. Und Tempolimits sind im Gegensatz zu technischen Maßnahmen eine sehr kostengünstige Maßnahme“, betont VCÖ-Expertin Urbanek.

Durch zahlreiche weitere Verkehrssicherheitsmaßnahmen, wie Gurtenpflicht, 0,5 Promille, bessere Fahrausbildung und besserer Autoinsassenschutz, ging die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle deutlich zurück. Im Jahr 1998 gab es erstmals weniger als 1.000 Verkehrstote, im Vorjahr starben 531 Menschen infolge von Verkehrsunfällen. Hält der bisherige Trend an, dann sind heuer erstmals weniger als 500 Verkehrstote möglich, so der VCÖ. Bis gestern verunglückten nach vorläufigen Zahlen 390 Menschen im Straßenverkehr tödlich, um 58 weniger als zur gleichen Zeit des Vorjahres.

Der VCÖ weist darauf hin, dass in Österreich im Vergleich zu den verkehrssichersten Staaten Europas das tödliche Unfallrisiko hoch ist. Staaten, wie Schweden, Großbritannien, die Niederlande oder die Schweiz haben eine höhere Verkehrssicherheit. Der VCÖ setzt sich für verstärkte Maßnahmen gegen die Hauptunfallursachen, wie Schnellfahren und Ablenkung ein.

Mit den Smartphones nimmt die Zahl jener zu, die während des Autolenkens nicht nur telefonieren, sondern auch SMS schreiben und im Internet surfen. „Der VCÖ wird in den kommenden Wochen verstärkt auf die Gefahren durch Ablenkung aufmerksam machen“, kündigt VCÖ-Expertin Urbanek an.

Der VCÖ fordert eine Erweiterung des Vormerksystems, die Verlängerung der 0,1 Promillegrenze für Fahranfänger generell bis zum 25. Lebensjahr sowie ein österreichweites Disco- und Nachtbusangebot. Um dieses finanzieren zu können, soll ein Teil der Einnahmen aus Verkehrsstrafen zweck gewidmet werden.

 

VCÖ: Seit 1961 mehr Verkehrstote als St. Pölten und Bregenz gemeinsam Einwohner haben

1.1-29.10.2013: 390 Verkehrstote
Jahr 2012: 531 Verkehrstote
Jahr 2011: 523 Verkehrstote
Jahr 2010: 552 Verkehrstote
Jahr 2009: 633 Verkehrstote
Jahr 2008: 679 Verkehrstote
Jahr 2007: 691 Verkehrstote
Jahr 2006: 730 Verkehrstote
Jahr 2005: 768 Verkehrstote
Jahr 2004: 878 Verkehrstote
Jahr 2003: 931 Verkehrstote
Jahr 2002: 956 Verkehrstote
Jahr 2001: 958 Verkehrstote
Jahr 2000: 976 Verkehrstote
Jahr 1999: 1.079 Verkehrstote
Jahr 1998: 963 Verkehrstote
Jahr 1997: 1.105 Verkehrstote
Jahr 1996: 1.027 Verkehrstote
Jahr 1995: 1.210 Verkehrstote
Jahr 1994: 1.338 Verkehrstote
Jahr 1993: 1.283 Verkehrstote
Jahr 1992: 1.403 Verkehrstote
Jahr 1991: 1.551 Verkehrstote
Jahr 1990: 1.558 Verkehrstote
Jahr 1989: 1.570 Verkehrstote
Jahr 1988: 1.620 Verkehrstote
Jahr 1987: 1.467 Verkehrstote
Jahr 1986: 1.495 Verkehrstote
Jahr 1985: 1.524 Verkehrstote
Jahr 1984: 1.814 Verkehrstote
Jahr 1983: 1.967 Verkehrstote
Jahr 1982: 1.883 Verkehrstote
Jahr 1981: 1.898 Verkehrstote
Jahr 1980: 1.951 Verkehrstote
Jahr 1979: 2.129 Verkehrstote
Jahr 1978: 2.112Verkehrstote
Jahr 1977: 2.091 Verkehrstote
Jahr 1976: 2.131 Verkehrstote
Jahr 1975: 2.467 Verkehrstote
Jahr 1974: 2.499 Verkehrstote
Jahr 1973: 2.765 Verkehrstote
Jahr 1972: 2.948 Verkehrstote
Jahr 1971: 2.782 Verkehrstote
Jahr 1970: 2.507 Verkehrstote
Jahr 1969: 2.320 Verkehrstote
Jahr 1968: 2.416 Verkehrstote
Jahr 1967: 2.380 Verkehrstote
Jahr 1966: 2.101 Verkehrstote
Jahr 1965: 1.829 Verkehrstote
Jahr 1964: 1.983 Verkehrstote
Jahr 1963: 1.811 Verkehrstote
Jahr 1962: 1.622 Verkehrstote
Jahr 1961: 1.640 Verkehrstote

Gesamt: 82.437 Verkehrstote

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

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