VCÖ: Kaufprämie für Autos kein Beitrag zum Umweltschutz

VCÖ: Reale Abgas- und CO₂-Emissionen deutlich höher als Herstellerangaben versprechen

VCÖ (Wien, 12. Juli 2017) – Die heute geforderte „Ökoprämie“ führt nicht zur erhofften verbesserten Umweltbilanz des Verkehrs, stellt der VCÖ fest. Sowohl die tatsächlichen Abgas-Emissionen als auch die tatsächlichen klimaschädlichen CO2-Emissionen sind deutlich höher, als die Herstellerangaben versprechen. Das wurde unter anderem auch im Zuge des Dieselskandals sichtbar. Wenn das Ziel eine Verbesserung der Umweltbilanz des Verkehrs ist, dann müsste die Prämie für die Rückgabe eines alten Autos an den Kauf einer Jahreskarte für den Öffentlichen Verkehr oder eines (Elektro)-Fahrrads gekoppelt sein.

„Für die Umwelt ist einzig und allein relevant, was ein Auto beim Fahren auf der Straße an gesundheitsschädlichen Schadstoffen und klimaschädlichem CO2 ausstößt. Diese realen Emissionen haben aber immer weniger mit den Werten zu tun, die bei den Tests am Prüfstand unter Laborbedingungen ermittelt werden. Deshalb bringt uns eine Kaufprämie für Neuwagen den Klimaschutzzielen nicht näher“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Allein bei der Herstellung eines Pkw werden im Schnitt rund vier Tonnen klimaschädliche Treibhausgase verursacht, das entspricht der Menge CO2, die im Schnitt rund 24.000 Kilometer Autofahren verursachen, macht der VCÖ aufmerksam.

Der VCÖ erinnert an die Fakten: Eine Studie des Umweltbundesamts hat gezeigt, dass sich die Abweichung des Spritverbrauchs und damit der CO2-Emissionen bei Neuwagen zwischen 2001 und 2014 von 7 auf 34 Prozent fast verfünffacht haben. Europäische Studien bestätigen dieses Ergebnis. Die angedachte CO2-Grenze von 120 Gramm pro Kilometer ist auch deshalb wenig wirkungsvoll. Zudem können etwa durch Hybrid-Motoren auch große SUV am Papier diesen Wert unterschreiten.

Im Zuge des Dieselskandals haben Messungen des renommierten Forschungsinstituts ICCT gezeigt, dass neue Diesel-Pkw der Abgas-Norm EURO6 beim Fahren auf der Straße im Schnitt sechsmal so große Stickoxidmengen emittieren wie am Prüfstand im Labor ermittelt wird.

„Wir können auch aus den Fehlern der Ökoprämie des Jahres 2009 lernen“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Damals wurde in Österreich für EURO4 und EURO5 Modelle eine Prämie bezahlt. Heuer haben Messungen des deutschen Umweltbundesamts ein ernüchterndes Ergebnis über die realen Schadstoffwerte dieser Fahrzeuge gezeigt: Statt 250 mg Stickoxide pro Kilometer, wie der Grenzwert verspricht, waren die Stickoxid-Emissionen bei den EURO4-Diesel-Pkw mit durchschnittlich 674 mg mehr als zweieinhalb Mal so hoch. Und die neueren angeblich saubereren EURO5-Diesel-Pkw erwiesen sich in der Realität mit einem Ausstoß von durchschnittlich 906 mg NOx sogar als noch schmutziger (der reale Wert liegt um das fünffache über den Grenzwert für den Abgastest unter Laborbedingungen). Auch aufgrund dieser Erfahrungen kann den Versprechungen über angeblich in Zukunft besonders schadstoffarme Diesel- oder Benzin-Pkw wenig Glauben geschenkt werden.

„Wenn das Ziel eine Verbesserung der Klimabilanz des Verkehrs ist, dann ist einzig die Variante einer Umstiegsprämie – also beispielsweise Öffi-Jahreskarte statt altes Autos – sinnvoll“, so VCÖ-Expertin Rasmussen. Damit würde auch ein wirklich wirksamer Beitrag zur Verkehrssicherheit geleistet, weil das Unfallrisiko mit dem Pkw um ein Vielfaches höher ist als mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Auch aus wirtschaftspolitischer Sicht ist eine staatliche Förderung für eine Technologie mit absehbarem Ablaufdatum abzulehnen. Das UN-Klimaabkommen von Paris bedeutet den globalen Ausstieg aus fossiler Energie und damit auch aus Erdöl bis spätestens zum Jahr 2050. Etliche Staaten und Autohersteller haben schon ein früheres Ende für neue Diesel- und Benzin-Pkw geplant, wie etwa Volvo bei den Herstellern sowie die Niederlande, Norwegen und zuletzt Frankreich bei den Staaten. „Damit wir für Österreich Arbeitsplätze mit Zukunft sichern, braucht es Investitionen in Technologien, die eine nachhaltige Zukunft haben. Und diese haben Pkw mit Verbrennungsmotoren definitiv nicht“, so VCÖ-Expertin Rasmussen.