VCÖ: Jede 5. Autofahrt in Österreich ist kürzer als zweieinhalb Kilometer

VCÖ: Sinkender Besetzungsgrad: Nur mehr 116 Personen in 100 Autos

VCÖ (Wien, 28. Februar 2017) – Viele Autofahrten in Österreich sind kurz, macht der VCÖ aufmerksam. Jede 14. Autofahrt ist kürzer als ein Kilometer, vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Obwohl die Autos breiter und PS-stärker geworden sind, ist die Anzahl der Insassen pro Pkw deutlich gesunken. Der VCÖ fordert den verstärkten Ausbau der Radfahr-Infrastruktur sowie häufigere öffentliche Verkehrsverbindungen. Zudem ruft der VCÖ zur Teilnahme an der Aktion „Autofasten“ der katholischen und evangelischen Kirche auf. 

Österreichs Autofahrerinnen und Autofahrer machen deutlich mehr kurze Strecken mit dem Auto als längere Fahrten, stellt der VCÖ fest. Nur fünf Prozent der alltäglichen Autofahrten sind 50 Kilometer oder länger und nur 20 Prozent sind 20 bis 50  Kilometer, wie die Mobilitätserhebung des bmvit zeigt. Hingegen sind sieben Prozent der Autofahrten kürzer als ein Kilometer. Jede fünfte Autofahrt ist kürzer als zweieinhalb Kilometer und vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer.

„Auffallend ist auch, dass zwar in den vergangenen 25 Jahren die Autos breiter, größer und PS-stärker geworden sind, gleichzeitig aber der Besetzungsgrad deutlich gesunken ist“, betont VCÖ-Experte Markus Gansterer. Im Jahr 1990 saßen im Schnitt noch 140 Personen in 100 Pkw, heute sind es laut Umweltbundesamt nur mehr 116 Personen. Um 1.000 Personen im Pkw zu transportieren waren vor 25 Jahren 714 Pkw unterwegs, jetzt sind es mit 862 um 21 Prozent Autos mehr, verdeutlicht der VCÖ.

Der VCÖ weist auf das von Österreich ratifizierte Klimaabkommen von Paris hin, das den Ausstieg aus Erdöl bis zum Jahr 2050 bedeutet. „Heute ist der Kfz-Verkehr zu 92 Prozent von Erdöl abhängig. Die Energiewende im Verkehr gelingt nur mit einer starken Verlagerung hin zu energieeffizienten Mobilitätsformen wie Öffentlicher Verkehr, Radfahren und Gehen“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Einen starken Einfluss auf das Mobilitätsverhalten hat die Nähe zu Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs.

Personen, die zwischen sechs und fünfzehn Minuten von einer Haltestelle des Öffentlichen Verkehrs entfernt wohnen, sind im Schnitt auf 36 Prozent ihrer Alltagswege mit Öffentlichem Verkehr, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs und damit fast doppelt so häufig wie Personen, die mehr als 15 Minuten von einer Haltestelle entfernt wohnen. Neben dem Stopp der Zersiedelung braucht es ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz. Und da die Arbeitszeiten zunehmend flexibler werden, sind häufige und regelmäßige Verbindungen auch außerhalb der klassischen Pendlerzeiten wichtig, betont der VCÖ.

Distanzen bis fünf Kilometer sind sehr gut für das Fahrrad geeignet. Leider mangelt es aber vielerorts an guter Radinfrastruktur. Zu häufig ist die einzige Verbindung von einer Siedlung in den nächsten Ort eine Freilandstraße, auf der Autos mit 80 oder mehr km/h unterwegs sind. Der VCÖ fordert einen starken Ausbau der Radfahr-Infrastruktur in Österreich. „Mit einer deutlich verbesserten Infrastruktur für das Radfahren kann auch das Potenzial der immer beliebter werdenden Elektro-Fahrräder genutzt werden. Mit E-Fahrrädern sind auch Distanzen bis 10, 15 Kilometer möglich“, so VCÖ-Experte Gansterer. In Österreich sind 60 Prozent der Autofahrten kürzer als zehn Kilometer.

VCÖ ruft zur Teilnahme an kirchlicher Aktion „Autofasten“ auf

Während der Fastenzeit rufen die katholische und evangelische Kirche zum „Autofasten“ auf. Ziel ist ein bewussteres Mobilitätsverhalten. Nicht für alle, aber für viele Strecken, die heute mit dem Auto gefahren werden, gibt es eine umweltfreundliche Möglichkeit ans Ziel zu kommen.  

Informationen und Anmeldemöglichkeit zum Autofasten: www.autofasten.at

VCÖ: Mehr kurze als lange Autofahrten in Österreich (Anteil Autofahrten an Werktagen in Österreich)

Unter 1 Kilometer: 7 Prozent

1 bis 2,5 Kilometer: 12 Prozent

2,5 bis 5 Kilometer: 21 Prozent

5 bis 10 Kilometer: 21 Prozent

10 bis 20 Kilometer: 19 Prozent

20 bis 50 Kilometer: 15 Prozent

Mehr als 50 Kilometer: 5 Prozent

Quelle: bmvit, VCÖ 2017

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