VCÖ: In Österreich durch Luftverschmutzung 17 Mal so viele vorzeitige Todesfälle wie durch Verkehrsunfälle

VCÖ: Stickstoffdioxid-Grenzwert im Vorjahr an 21 Messstellen überschritten

VCÖ (Wien, 24. November 2016) – In Österreich sterben rund 8.200 Menschen pro Jahr vorzeitig infolge der Luftverschmutzung, wie eine aktuelle Studie der Europäischen Umweltagentur zeigt. Damit verursachen Schadstoffe 17 Mal so viele vorzeitige Todesfälle wie Verkehrsunfälle, macht der VCÖ aufmerksam. Die Hauptverursacher der Schadstoffe sind der Kfz-Verkehr, das Heizen und die Industrie. Die höchste Stickstoffdioxid-Belastung gibt es österreichweit in Tirol, gefolgt von Salzburg und Wien. Der VCÖ fordert die Abschaffung der Steuerbegünstigung von Diesel und einen Zeitplan für  ein Verkaufsende von  Neuwagen, die mit Diesel oder Benzin fahren.

Luftverschmutzung macht krank und führt zu vorzeitigen Todesfällen. In Österreich sterben laut aktueller Studie der Europäischen Umweltagentur 8.200 Menschen pro Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung. „Luftverschmutzung kostet in Österreich 17 Mal so vielen Menschen vorzeitig das Leben wie Verkehrsunfälle“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. Vor allem die kleinen Feinstaubpartikel PM2,5 sowie Stickstoffdioxid (NO2) verursachen große Gesundheitsschäden.

In Österreich wurde im Vorjahr in sechs Bundesländern der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) überschritten, macht der VCÖ aufmerksam. Am höchsten war die Belastung mit Stickstoffdioxid in Vomp in Tirol mit 59 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft, der Grenzwert liegt bei 30 Mikrogramm (plus 5 Mikrogramm Toleranzmarge). Viel zu hoch war die gesundheitsschädliche Belastung auch in der Stadt Salzburg, Hallein, in Wien am stark befahrenen Hietzinger Kai, entlang der Brenner- und Inntalautobahn sowie in Lustenau, Feldkirch und Enns. Hauptverursacher für NO2 sind Dieselabgase.

Bei Feinstaub gilt: Je kleiner die Partikel, umso gefährlicher für die Gesundheit. Besonders große Mengen von Kleinstpartikeln sind in Dieselabgasen und durch die Direkteinspritzung auch bei immer mehr Benzin-Pkw enthalten. Für diesen PM1 und PM0,1-Feinstaub gibt es keine Grenzwerte. Für die etwas größeren PM2,5 (Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser bis zu 2,5 Mikrometer) beträgt der Jahresgrenzwert 25 Mikrogramm PM2,5 pro Kubikmeter Luft, die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt einen Wert von 10. Der von der WHO empfohlene Wert wurde im Vorjahr in allen Bundesländern überschritten, am stärksten in Graz und Leibnitz, gefolgt  von Wolfsberg, Linz und Klagenfurt, berichtet der VCÖ.

Beim Verbrennen von Erdölprodukten, Kohle und anderen fossilen Energieträgern entstehen besonders viele gesundheitsschädlichen Schadstoffe. "Was bei Heizungen Öl und Kohle sind, sind im Verkehr Diesel und Benzin. Ein Ende der  Abhängigkeit des Verkehrs von Erdöl ist nicht nur für den Klimaschutz wichtig, sondern auch für die Gesundheit der Bevölkerung“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Der VCÖ fordert die rasche Abschaffung der Steuerbegünstigung auf Diesel, die laut WIFO mehr als 600 Millionen Euro pro Jahr beträgt. Zudem ist ein Zeitplan für ein Verkaufsende von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren festzulegen. „Realistisch gesehen kann das Ende für Diesel und Benzin bei Neuwagen zwischen 2025 und 2030 erfolgen, je früher umso besser“, so VCÖ-Expertin Rasmussen. Das klimafreundliche Mobilitätsangebot – vom Öffentlichen Verkehr, über Radfahren, Gehen bis zum E-Carsharing – ist stark auszubauen, ebenso ist der Anteil erneuerbarer Energie rascher zu erhöhen. „E-Autos leisten nur dann einen relevanten Beitrag zur Verringerung der CO2-Emissionen, wenn der Strom aus erneuerbarer Energie gewonnen wird“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. 

Air Quality in Europe - report 2015

VCÖ: Höchste Stickstoffdioxidbelastung in Tirol (Jahresmittelwert von NO2 im Jahr 2015 – Grenzwert 30 Mikrogramm NO2 / Kubikmeter Luft (plus 5 Mikrogramm Toleranzmarge))

Vomp (bei A12): 59 Mikrogramm NO2 / Kubikmeter Luft

Salzburg Rudolfsplatz: 51

Hallein (bei A10): 50

Wien Hietzinger Kai: 49
Salzburg (bei A1): 49

Mutter / Gärberbach (bei A13): 47
Kundl (bei A12): 47

Lustenau (Zollamt): 46

Enns (bei A1): 45
Feldkirch: 45

Hallein: 43
Graz Don Bosco: 43

Innsbruck Fellmerayerstr. 42

Hall: 41

Höchst: 40

Lienz Amlacherkreuzung: 39

Klagenfurt (bei A2): 38
Vomp An der Leiten: 38

Imst (bei A12): 37
Innsbruck Andechsstr.: 37
Wien Taborstraße: 37

Zederhaus: 36

St. Pölten: 35
Wien Wehlistraße (bei A23): 35

Dornbirn: 34

Klagenfurt Völkermarkterstraße: 33

Linz 24er Turm: 33
Linz Neue Welt: 32
Graz Mitte: 32

Graz Süd: 31
Salzburg Mirabellplatz: 31
Wien Belgradplatz: 31
Wien Gaudenzdorf: 30
Wolfsberg: 30
Graz Ost: 30

Quelle: Bundesländer, VCÖ 2016

VCÖ: WHO-Zielwert für PM2,5 in allen Bundesländern überschritten (Jahresmittelwert PM2,5 im Jahr 2015 – Grenzwert: 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – Von WHO empfohlener Wert: 10 )

Graz Don Bosco: 22 Mikrogramm PM2,5 pro Kubikmeter Luft
Graz Süd: 20
Leibnitz: 20

Wolfsberg Hauptschule: 19

Linz Römerbergtunnel: 18

Klagenfurt Völkermarkterstraße: 17

Schwechat: 16
Wien Taborstraße: 16

Wien AKH/Gürtel: 15
Wien Wehlistraße: 15
Wien Stadlau: 15
St. Valentin: 15
Groß Enzersdorf: 15
Zwentendorf: 15
Traun: 15
Linz-Stadtpark: 15
Wels: 15
Eisenstadt: 15
Voitsberg: 15
St. Pölten: 14
Wr. Neudorf: 14
Enns: 14
Linz Neue Welt: 14

Salzburg Rudolfsplatz: 13
Hallein: 13
Innsbruck Fellmerayerstr. 13
Lienz Amlacherkreuzung: 13

Lustenau: 12
Dornbirn: 11

Quelle: Bundesländer, VCÖ 2016