VCÖ: Im letzten Oktober passierte jeder 3. Kinderunfall am Schulweg – im Herbst erhöhte Achtsamkeit wichtig

VCÖ: Mehr Verkehrsberuhigung, mehr Gehwege, übersichtliche Straßenübergänge

VCÖ (Wien, 5. Oktober 2017) – Im Vorjahr passierte im Oktober jeder dritte Kinderunfall am Schulweg, macht der VCÖ aufmerksam. Die schlechtere Sicht erfordert mehr Aufmerksamkeit von den Kfz-Lenkenden. Insgesamt wurden im Vorjahr zwischen Oktober und Dezember 145 Kinder bei Verkehrsunfällen am Schulweg verletzt, weitere 433 Kinder bei Verkehrsunfällen in der Freizeit. Mehr Verkehrsberuhigung im Umfeld von Schulen und in Wohngebieten erhöht die Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr, betont der VCÖ.

Im Vorjahr wurden in Österreich zwischen Oktober und Dezember 579 Kinder Opfer eines Verkehrsunfalls, davon 145 am Schulweg. Die VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt, dass in den vergangenen beiden Jahren jeweils im Oktober der Anteil von Schulwegunfällen an den Kinderunfällen am höchsten war. Im letzten Oktober passierte jeder dritte Verkehrsunfall eines Kindes am Schulweg.

In den vergangenen fünf Jahren war der Oktober nach dem Juni jener Monat, in dem in absoluten Zahlen die zweithäufigsten Schulwegunfälle passiert sind: Bei 299 Schulwegunfällen wurden 348 Kinder verletzt. In der Übergangszeit ist es wichtig, sich rasch auf die schlechter werdende Sicht einzustellen. Auf Sicht fahren heißt dann konkret langsamer und besonders aufmerksam zu fahren.

"Insgesamt sind zu viel Kfz-Verkehr und zu hohes Tempo der Autos wesentliche Gefahrenquellen für Kinder. Mit Verkehrsberuhigung im Wohnumfeld sowie bei Schulen und Kinderspielplätzen kann die Sicherheit für die Kinder erhöht werden", stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. Im Interesse der Sicherheit der Kinder sollte Tempo 30 die Regelgeschwindigkeit im Ortsgebiet sein. Wie sehr niedriges Tempo die Sicherheit von Kindern erhöht, verdeutlicht der Anhalteweg. Ein Pkw hat bei Tempo 30 auf trockener Fahrbahn einen Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) von rund 11 Metern, bei Tempo 50 von 24 Metern. Nach 11 Metern hat dieses Auto noch die ungebremste Geschwindigkeit, informiert der VCÖ. Wird ein Kind mit 50 km/h angefahren sind schwerste, wenn nicht sogar tödliche Verletzungen die Folge.

Aufmerksam fahren heißt, Hände weg vom Handy. Wer etwa mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so langsam wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille, verdeutlicht der VCÖ. Die fatalen Folgen von Handy am Steuer werden von vielen unterschätzt, wie auch die Bilanz der Exekutive zeigt: Im Vorjahr wurden in Österreich mehr als 105.800 beim verbotenen Handy-Telefonieren am Steuer erwischt.

„Wo Menschen unterwegs sind passieren aber auch Fehler. Das Verkehrssystem ist daher so zu gestalten, dass eine Unachtsamkeit eines Autofahrers oder ein Fehltritt eines Kindes nicht zu schwersten Verletzungen führt“, spricht sich VCÖ-Sprecher Gratzer für ein fehlertolerantes und kindgerechtes Verkehrssystem aus. Neben mehr Verkehrsberuhigung sind Straßenübergänge so zu gestalten, dass Kinder, die die Straße überqueren möchten, gut gesehen werden können. Deshalb ist es wichtig, das Halte- und Parkverbot vor Schutzwegen von derzeit fünf auf zehn Meter auszuweiten.

Wichtig für die Verkehrssicherheit von Kindern ist zudem, dass jede Bushaltestelle über einen sicheren Gehweg erreichbar ist, auch am Land. „Niemand und schon gar kein Kind sollte gezwungen sein, auch nur einen Meter am Rand einer Freilandstraße gehen zu müssen, um eine Bushaltestelle zu erreichen“, so VCÖ-Sprecher Gratzer.

VCÖ: Im Vorjahr passierte im Oktober jeder 3. Kinderunfall am Schulweg
(Anteil der Schulwegunfälle an den Kinderunfällen im Jahr 2016)
Oktober: 33,9 Prozent (26,8 Prozent)
Juni: 29,3 Prozent (25,2 )
Februar: 27,4 Prozent (16,9)
September: 26,4 Prozent (14,4)
November: 26,1 Prozent (23,4)
April: 25,6 Prozent (23,2)
Jänner: 22,6 Prozent (24,4)
Mai: 22,3 Prozent (24,6)
März: 19,8 Prozent (26,2)
Dez: 16,8 Prozent (22,9)
Juli: 7,8 Prozent (13,8)
August: 0,4 Prozent (0,9)
Gesamtjahr: 20,8 Prozent (19,3 Prozent)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2017

VCÖ: Im Oktober gab es in den letzten Jahren viele Schulwegunfälle
(Schulwegunfälle in den Jahren 2012-2016, in Klammer verletzte Kinder)
Juni: 381 Schulwegunfälle (393 verletzte Kinder )
Oktober: 299 (348)
Mai: 283 (286)
September: 245 (253)
April: 238 (256)
März: 214 (232)
November: 209 (213)
Jänner: 200 (208)
Dezember: 169 (177)
Februar: 146 (154)
Juli: 83 (83)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2017