VCÖ: Herstellung von Österreichs Neuwagenflotte des 1. Halbjahrs verursachte mehr als 400.000 Tonnen CO2

VCÖ (Wien, 8. August 2016) – Die im ersten Halbjahr in Österreich neu zugelassenen Pkw haben in Summe bereits rund 440.000 Tonnen Treibhausgase verursacht, bevor sie den ersten Kilometer gefahren sind, macht der VCÖ anlässlich des heutigen Welterschöpfungstages aufmerksam. Das entspricht den CO2-Emissionen der durchschnittlichen Jahresfahrleistung von rund 220.000 Pkw. Um den Verkehr auf Umweltkurs zu bringen, sind ein umfassender Ausbau des umweltfreundlichen Mobilitätsangebots, eine verkehrssparende Siedlungsentwicklung und eine ökologische Steuerreform nötig.

171.700 Pkw wurden in Österreich heuer im 1. Halbjahr neu zugelassen. Laut Herstellerangaben verursachen sie beim Fahren im Schnitt 121 Gramm CO2 pro Kilometer. „Tatsächlich verursachen aber die Pkw deutlich mehr Treibhausgase. Und das liegt nicht nur daran, dass die Autos beim Fahren auf der Straße mehr Emissionen verursachen als die im Labor ermittelten Werte versprechen. Schon bei der Herstellung der Fahrzeuge entstehen große Menge an Treibhausgas-Emissionen“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest.

Noch bevor sie einen Kilometer gefahren sind, haben die heuer im 1. Halbjahr neuzugelassenen Pkw in Summe rund 440.000 Tonnen Treibhausgase verursacht, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Umweltbundesamts und der Statistik Austria zeigt. „Das entspricht den CO2-Emissionen der durchschnittlichen Jahresfahrleistung von insgesamt 220.000 Pkw“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Rasmussen. Durch die Herstellung eines Pkw entstehen mehr Treibhausgase als ein Pkw durchs Fahren in einem Jahr verursacht.

Der Material- und Ressourceneinsatz für die Herstellung von Pkw ist groß. Ein durchschnittlicher Pkw besteht laut Umweltbundesamt aus rund 870 Kilogramm Stahl, 60 Kilogramm Aluminium, etwas mehr als 300 Kilogramm Kunststoffe, fast 40 Kilogramm Glas und rund 200 Kilogramm zusätzliche Materialien wie beispielsweise Blei, Kupfer, Nickel und Lacke. Bei Elektrofahrzeugen wird weniger Stahl verwendet, aber es braucht zahlreiche Rohstoffe für die Batterie.

„Der heutige Welterschöpfungstag erinnert daran, dass unser Lebensstil mehr Ressourcen verbraucht als die Erde zur Verfügung stellt. Das gilt auch für den Verkehrsbereich, der einen zu Energie- und Ressourcenverbrauch aufweist und zu viele Umweltschäden verursacht. Dabei könnte schon heute der Verkehr in Österreich ohne Mobilitätseinbußen um ein Vielfaches ressourcen- und umweltschonender sein“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Der VCÖ fordert einen umfassenden Ausbau des umweltfreundlichen Mobilitätsangebots. Ein dichteres Öffentliches Verkehrsnetz, häufigere Bahn- und Busverbindungen, der Ausbau der Radfahrinfrastruktur sowie ein verstärktes Carsharing-Angebot. Viel Verkehr kann durch eine verkehrssparende Siedlungsentwicklung, durch zentrumsnahe Betriebsansiedelungen und die Stärkung der Nahversorgung vermieden werden. Zentral ist zudem eine ökologische Steuerreform: Niedrigere Steuern auf Arbeit, während durch eine höhere Besteuerung auf Energie- und Ressourcenverbrauch umweltfreundliches Verhalten gefördert wird. Darüber hinaus ist die Effizienz im Gütertransport zu erhöhen.

Zum Welterschöpfungstag: Mit heutigem Tag hat die Menschheit bereits sämtliche erneuerbare Rohstoffe und Naturleistungen der Erde aufgebraucht, die innerhalb dieses Jahres bereitgestellt werden können. „Noch nie war der Welterschöpfungstag so früh wie heute. Ab heute leben wir auf Kosten der nächsten Generationen. Es ist höchste Zeit, dass die Politik die Umweltkrise so ernst nimmt wie die Finanzkrise“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Laut Global Footprint Network beträgt der ökologische Fußabdruck weltweit 1,7 Hektar pro Person, in Österreich ist dieser mit 6,1 Hektar mehr als dreimal so groß. Etwa ein Viertel des ökologischen Fußabdrucks ist verkehrsbedingt. 

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