VCÖ: Graz auch im Jahr 2017 Feinstaub-Hochburg Österreichs

VCÖ: Feuerwerke verursachen zum Jahreswechsel starke Luftverschmutzung

VCÖ (Wien, 28. Dezember 2017) – Die Grazer Bevölkerung war heuer der stärksten Feinstaubbelastung Österreichs ausgesetzt, macht der VCÖ aufmerksam. Im Vergleich zum Vorjahr war heuer an deutlich mehr Tagen zu viel Feinstaub in der Grazer Luft. Auch in Leibnitz wurde der Jahresgrenzwert überschritten. Eine hohe Feinstaubbelastung weisen auch Linz, Kittsee und Köflach auf. Der VCÖ betont, dass es verstärkte Maßnahmen zur Verringerung der von Verkehr, Industrie und Heizen verursachten Luftverschmutzung braucht. Zum Jahreswechsel sorgen vielerorts zudem Feuerwerke für dicke Luft.

Feuerwerke lassen die Feinstaubwerte zum Jahreswechsel in die Höhe schießen. In Graz findet heuer kein Silvester-Feuerwerk statt. Auch ohne Feuerwerk ist die Grazer Bevölkerung der stärksten Feinstaubbelastung Österreichs ausgesetzt, macht der VCÖ aufmerksam. Denn die Hauptverursacher von Feinstaub, wie Industrie, Heizen und Verkehr verschmutzen Tag für Tag die Luft. Das Umweltbundesamt Deutschland hat in einer Studie festgestellt, dass die durch Raketen und Feuerwerke verursachte Feinstaubmenge zum Jahreswechsel etwa ein Sechstel der vom Kfz-Verkehr jährlich verursachten Feinstaubmenge ausmacht. Dass Graz keine Feuerwerke veranstaltet ist positiv, ebenso, wenn Privatpersonen keine oder weniger Böller oder Raketen kaufen.

Um das gesundheitsschädliche Feinstaubproblem wirksam zu verringern, braucht es umfassendere Maßnahmen, betont der VCÖ. In Graz wurde bei der  Messstelle Don Bosco laut Umweltbundesamt heuer bereits an 49 Tagen eine zu hohe Feinstaubbelastung gemessen. Der Jahresgrenzwert liegt bei 25 Tagen. Damit war in Graz an doppelt so vielen Tagen zu viel Feinstaub in der Luft wie der Jahresgrenzwert vorschreibt, macht der VCÖ aufmerksam. Im Vergleich zum Vorjahr war in Graz die Feinstaubbelastung deutlich höher. Im Jahr 2016 war bei Graz Don Bosco an 39 Tagen zu viel Feinstaub in der Luft. Auch weitere Grazer Messstellen haben den Jahresgrenzwert überschritten: Bei Graz Süd war an 44 Tagen die Feinstaubbelastung zu hoch, bei Graz Mitte an 35 Tagen, bei Graz Ost an 31 Tagen und in Graz West an 30 Tagen. Ebenfalls 30 Überschreitungen des Tagesmittelwertes von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft weist Leibnitz auf. Kittsee und Linz (Römerbergtunnel) liegen mit 25 Tagen genau am Jahresgrenzwert, Köflach mit 24 Tagen knapp darunter.

Der Kfz-Verkehr verschmutzt durch seine Abgase, durch Reifen- und Bremsabrieb sowie durch Aufwirbelung die Luft. „Je kleiner die Feinstaubpartikel, umso stärker beeinträchtigen sie die Gesundheit“, macht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen aufmerksam. Deshalb greift die Messung des Gewichts von Feinstaub aus Gesundheitssicht zu kurz. Es braucht darüber hinaus Grenzwerte und Messungen des besonders schädlichen Ultrafeinstaub (PM0,1) und der Anzahl der Partikel in der Luft. Diese Grenzwerte sind auf EU-Ebene festzulegen, betont der VCÖ. Im Unterschied zum grobkörnigen Feinstaub, der über die Luft aus anderen Regionen verfrachtet werden kann, wirkt die Belastung mit Ultrafeinstaub lokal.

Ultrafeinstaub ist sehr gesundheitsschädlich. Größerer Feinstaub (PM10) bleibt in den oberen Atemwegen (Nase, Rachen) „hängen“. Die kleinsten Partikel (PM0,1 bis PM1) können hingegen bis in die Lungenbläschen und in den Blutkreislauf eindringen. Vor allem an Straßen ist die Belastung mit den Kleinstpartikeln hoch. „Autoinsassen sind auf stark befahrenen Straßen in einer regelrechten Abgaswolke unterwegs, im Inneren der Fahrzeuge ist die Belastung besonders hoch. Umso wichtiger sind verstärkte Maßnahmen für saubere Mobilität“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Neben emissionsfreien Fahrzeugen braucht es in den Ballungsräumen eine Reduktion des Kfz-Verkehrs. Nötig dafür sind mehr Bahn- und Busverbindungen und der Bau von Rad-Highways, die möglichst kreuzungsfrei vom Umland in die Stadt führen. Zudem ist betriebliches Mobilitätsmanagement stärker zu fördern. Weiteres Reduktionspotenzial: Fahrgemeinschaften. Derzeit sitzen in 100 Autos nur 115 Personen, in mehr als 90 Prozent der Autos ist nur der Sitz hinter dem Lenkrad besetzt, so der VCÖ.

VCÖ: Feinstaub-Belastung war 2017 in Graz österreichweit am stärksten
(Tage im Jahr 2017 mit Tagesmittelwert von mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft - Erlaubter Jahresgrenzwert in Österreich: 25 Tage; Von der EU erlaubter Jahresgrenzwert: 35 Tage)
Graz Don Bosco: 49 Tage mit zu hoher Feinstaubbelastung
Graz Süd: 44 Tage
Graz Mitte: 35 Tage
Graz Ost: 31 Tage
Graz West: 30 Tage
Leibnitz: 30 Tage
Kittsee: 25 Tage
Linz Römerberg: 25 Tage
Linz 24er Turm: 24 Tage
Köflach: 24 Tage
Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2017

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